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Harvey: Über 125 Mrd. Dollar wirtschaftlicher Schaden

01.09.2017 – Strom_Rainer Sturm_pixelioDie Auswirkungen von Hurrikan “Harvey” entwickeln sich zu einem der teuersten Versicherungsfälle der US-Geschichte, sagt zumindest die amerikanische Großbank JP Morgan. Diese schätzt den versicherten Schäden auf zehn bis 20 Mrd. US-Dollar. Für den Wiederaufbau von Texas brauche man mehr als 125 Mrd. Dollar, schätzt Gouverneur Greg Abbott. Diese Summe war 2005 nach dem Hurrikan “Katrina” zur Verfügung gestellt worden.

Aktuell steht rund ein Drittel von Harris County unter Wasser, einem Landkreis etwa fünfmal so groß wie die Fläche Berlins. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht vor den Wassermassen und drängen in Notunterkünfte. Präsident Donald Trump kündigte an, gemeinsam mit dem Kongress ein Rettungspaket zu schnüren. Allein für die Großstadt Houston wird von Schäden in einer Größenordnung von rund 50 Mrd. Dollar ausgegangen. Neben dem Staat wollen auch Unternehmen und Prominente Hilfe in Millionenhöhe leisten.

Auch die Wirtschaft spürt die Folgen von “Harvey”. Rund ein Fünftel der amerikanischen Raffineriekapazitäten ist von dem Unwetter betroffen, einige Anlagen haben die Produktion gedrosselt oder den Betrieb ganz eingestellt. Derzeit soll fast ein Viertel der Ölförderung im Golf von Mexiko stillstehen. An den Terminmärkten hat der Benzinpreis bereits um knapp acht Prozent zugelegt. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) werden die Lagerbestände potenzielle Engpässe aber abmildern.

Probleme gibt es derweil auch in anderen Industriezweigen, etwa in der Chemie. Evonik musste bereits zwei US-Standorte schließen, und auch bei der Bayer-Tochter Covestro gibt es Einschränkungen. Zur Höhe der Schäden wollen sich die beiden Unternehmen bislang nicht äußern. Zurückhaltung gibt es derzeit auch noch bei den Rückversicherern.

Eine verlässliche Schätzung der Schäden durch “Harvey” sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich, erklärt die Münchener Rück. Schäden würden vermutlich zum einen durch den Sturm und zum anderen durch Überflutungen ausgelöst. “Harvey” traf bisher auf eine relativ bevölkerungsschwache Region mit geringeren Sachwerten. Es sei aber schwer einzuschätzen, wie relevant diese Schäden für die Versicherer sein werden, da in den USA Wohngebäude häufig über das sogenannte National Flood Insurance Program in einer privat-öffentlichen Versicherungspartnerschaft abgesichert sind.

Bis das gesamte Ausmaß der Zerstörungen feststeht, wird es wohl noch Wochen dauern. Die Versicherer gehen aber nicht davon aus, dass “Harvey” so kostenträchtig wird wie Hurrikan “Katrina”, der die Branche 2005 knapp 80 Mrd. Dollar kostete. Die Münchener Rück mahnt nun eine bessere Vorbereitung auf kommende Hurrikans an. Die Schäden durch den Sturm zeigten, dass dem präventiven Schutz von Infrastruktur, also der verminderten Verwundbarkeit von Städten und Kommunikation, viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte.

Für die Rückversicherer sind Überschwemmungen in den USA nichts Neues, insbesondere in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Texas. Die Topografie des Südens von Louisiana macht die Region besonders anfällig für Überschwemmungen. Es handelt sich um weitgehend nasses und tief liegendes Land mit vielen großen Flüssen, das zusätzlich feuchter Luft aus dem Golf von Mexiko ausgesetzt ist, heißt es in der sogenannten Sigma-Studie von Swiss Re. Dennoch seien Überschwemmungsrisiken in den USA weiterhin in einem bedenklichen Maße unterversichert. Analysten rechnen infolge von “Harvey” mit steigenden Preisen für die Kunden. Der Sturm könnte Versicherern und Rückversicherern helfen, nach einer längeren Zeit mit niedrigen Prämien demnächst Preiserhöhungen durchzusetzen.

Hannover Rück, Münch Re, Scor und Swiss Re sind über zwei Wege betroffen. Zum einen durch ihre Teilnahme am US National Flood Insurance Program (NFIP) und durch die Versicherung von Erstversicherern. Die Schadenhöhe im NFIP ist ab einer Höhe von vier Mrd. Dollar auf acht Mrd. Dollar begrenzt, die maximal auf 25 Rückversicherer verteilt werden. (vwh/wo)

Bildquelle: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)

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