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Haftungsstreit: “D&O-Versicherer zahlen drauf”

20.12.2017 – Manager arm reich Koffer Gehalt Lohn_by_Bernd Kasper_pixelio.deOb Dieselskandal bei Volkswagen oder die nimmer endende Baustelle um den Berliner Hauptstadtflughafen: Selten standen Unternehmensmanager so in der Kritik. Allerdings scheinen auch entsprechende D&O-Policen kein Allheilmittel zu sein, wenn es um Haftungsfragen für Managementfehler geht. Denn: “Die D&O-Versicherer zahlen drauf”, glaubt Jurist Michael Hendricks.

“Managerhaftpflichtversicherungen sind für viele Versicherer ein pures Verlustgeschäft, das stimmt. Die D&O-Versicherer zahlen drauf. Warum sollen sie sich das noch lange angucken?”, hinterfragt der Rechtsanwalt des Spezialmaklers für Managerversicherungen Howden im Interview mit der Wirtschaftswoche. “Und der größte Schadensfall hierzulande, die Diesel-Affäre von VW – kommt ja erst noch. Die Deckungssumme von 500 Mio. Euro, für die mehr als 20 Versicherer unter Führung der Zurich Versicherung aufkommen müssen, wird nicht mal reichen”, prognostiziert Hendricks.

Die Konsequenz würde sein, dass sich die D&O-Versicherer “ums Zahlen drücken werden”. Dies beginne bereits “bei den Anwaltskosten, die ohnehin 70 Prozent bei den Haftpflichtfällen ausmachen”, konstatiert der Experte. Die Folge: “Manager werden nicht mehr die erste Riege der Verteidiger bekommen. Sie müssen sich mit einem weniger teuren, aber dafür auch weniger versierten Strafverteidiger oder Zivilrechtsanwalt begnügen müssen. Und die D&O-Versicherer werden im Vorfeld, in den Verträgen immer mehr Versicherungsausschlüsse einbauen – also Fälle, in denen sie nicht einspringen wollen wie Kartellfälle oder verdeckte Korruption, selbst wenn sie selbst damit gar nichts zu tun hatten”, erläutert Hendricks im Wiwo-Interview.

Zudem wachse die Wahrscheinlichkeit, dass Manager künftig zunehmend mit dem persönlichen Vermögen im Schadenfall haften müssen. “Die Zahl der Manager nimmt zu, die vom Hochverdiener in die persönliche Insolvenz abrutschen. Das prominenteste Beispiel: Der Ex-Finanzvorstand von Siemens, Heinz-Joachim Neubürger, der sich nach einem jahrelangen, kräftezehrenden und teuren Schadenersatzprozess wegen der schwarzen Kassen des Konzerns von der Brücke stürzte”, so der Jurist.

Dabei sieht der Jurist die D&O-Sparte vor allem auch als Lockvogel für sie Versicherer: “Sie denken, dass alles gut geregelt ist und stattdessen können die – auf den ersten Blick attraktiv wirkenden – niedrigen Prämien für sie selbst am Ende schädlich sein und sich als Bumerang entpuppen. Ihnen wird vorgegaukelt, dass sich so ein existenzielles Risiko zu Dumpingpreisen absichern lässt. Das wird für etliche Manager ein böses Erwachen geben”, konstatiert Hendricks. Gleichzeitig schweigen sich die D&O-Versicherer bislang über das Prämienvolumen in der D&O-Sparte aus.

Eine weitere Konsequenz werde sein, dass “ein paar D&O-Versicherer” aufgeben würden. “Andere – Chubb ein Vorreiter – werden ihre Versicherungsprämien kräftig erhöhen. Aus versicherungsmathematischer Sicht müssten sie ihre Prämien verdreifachen, um mit einem halbwegs blauen Auge davon zu kommen. Damit nicht genug: sie werden ganz viele Fälle von vornherein ausklammern in ihren Versicherungsbedingungen”, prognostiziert Hendricks weiter.

Hinzu komme, dass die Politik – wie im Fall des neuen Hauptstadtflughafens in den Berlin – “die Top-Manager einfach nicht in Regress, obwohl sie’s müssten, so wie Klaus Wowereit in Berlin. Hinter den Türen schlossen alle einen Vergleich von zwölf Mio. Euro – die Schäden sind viel höher, aber das Top-Management blieb ungeschoren. Den Schaden hat der Steuerzahler”, ergänzt der Jurist. (vwh/td)

Bildquelle: Bernd Kasper / PIXELIO (www.pixelio.de)

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