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Gibraltar: Pleiteinsel der Versicherer

06.04.2017 – Affe Gibraltar by_Maren Besler_pixelio.deSpaniens Veto-Recht um die britische Enklave sorgt für Säbelrasseln. Auf der 6,7 Quadratkilometer großen Kronkolonie Gibraltar tummeln sich neben Online-Casino-Firmen diverse kleinere Versicherer sowie Captives, die von einem zehnprozentigem Körperschaftssteuersatz profitieren. Auch unabhängig von einem möglichen Krieg, könnten sie nach Irland ziehen. Die Insel ist ohnehin eher für viele Pleiten und unterkapitalisierte Erstversicherer bekannt.

Zuletzt erwischte es die Enterprise Insurance, die 14.000 irische Kfz-Kunden aufwies. Das Suprme Court von Gibraltar bezeichnete das Unternehmen als “hoffnungslos insolvent”. 2012 sind die Versicherer Hill und Lemma Pleite gegangen. Gibralter gilt als Motor-Versicherer für die Briten. Jedes sechste britische Fahrzeug wird auf der Insel versichert. Doch aufgrund vom riskanten Underwriting oder gar von Anfang an nur vorgetäuschter Kapitalisierung brechen immer wieder Versicherer an der Südspitze der Iberischen Halbinsel zusammen. Die Aufsichtsbehörde “Gibraltar Financial Services Commission” (GFSC) steht deshalb schon lange in der Kritik.

Laut ihrer Homepage beaufsichtigt sie 61 Versicherer und leidet aufgrund spanischer Empfindsamkeiten daran, nicht ganz als eigenständische Aufsichtsbehörde zu zählen. Sie ist nicht Mitglied der Eiopa und kann in offiziellen Angelegenheiten mit anderen EU-Aufsichtsbehörden nur via einer britischen Poststelle (UK Governnent Gibraltar Liaison Unit for EU Affairs) kommunizieren, die die jeweilige Nachricht unbesehen weiterleitet.

Der Brexit wird ohnehin die indirekt gewährte Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit von in Gibraltar ansässigen Gesellschaften endgültig zunichtemachen. Dass in Gibraltar ansässige von dubiosen Hintermännern kontrollierte und unterkapitalsierte Erstversicherer im Wege der Dienstleistungsfreiheit in Süditalien Autohaftpflichtpolicen zeichnen, dürfte bald der Vergangenheit angehören. Es könnte jedoch angesichts der aktuellen Kriegsrhetorik schlimmer kommen.

Infolge des Spanischen Erbfolgekrieges gehört Gibraltar seit 1713 zu Großbritannien. Mehrmals versuchten spanische Truppen seitdem, die Insel zu erobern. Die Exklave hat 32.000 Einwohner. In den vergangnen Tagen verschärfte sich der Ton wieder, weil die EU bei den Brexit-Verhandlungen Spanien bei Entscheidungen über Gibralter ein Veto-Recht einräumt. Daraufhin erinnerte der konservative Politiker Michael Howard an den Falkland-Krieg 1982, in dem die britische Regierung Truppen geschickt habe, “um die Freiheit einer anderen kleinen Gruppe von Briten gegen ein anderes Spanisch sprechendes Land zu verteidigen.”

Der eine oder andere Captive-Betreiber müsste sich wohl überlegen, seine Gesellschaft noch vor März 2019 an einen sicherern Standort zu redomizilieren. Der irische Körperschaftssteuersatz von 12,5 Prozent liegt nur 2,5 Prozentpunkte über dem Gibraltars. (dg/cpt)

Bildquelle: Maren Beßler / PIXELIO / www. pixelio.de

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