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Geldregen bei Dax-Bossen, Rekordwerte im Armutsbericht

24.03.2017 – Armut Reichtum Koffer Anzug - Bernd Kasper pixelio.deDie soziale Schere in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gefühlt immer weiter auseinander gegangen. Bei der Vorstellung des fünften Armuts- und Reichtumsberichtes warnt die Bundesregierung vor einer starken Spaltung der Gesellschaft. Gleichzeitig offenbart eine Studie, dass 2016 die Direktvergütung der Dax-Vorstandsvorsitzenden im Schnitt 7,14 Mio. Euro betrug, ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die guten Geschäftszahlen spiegeln die Vergütung wider, denn der Nettogewinn der Konzerne sei im Schnitt um 37 Prozent gestiegen, schreibt des Beratungsunternehmens hkp-Group. Spitzenreiter ist der Studie zufolge SAP-Chef Bill McDermott mit einer Gesamtvergütung von 15,33 Mio. Euro. Auf Platz zwei liegt Daimler-Vorstand Dietzer Zetsche mit 7,6 Mio. Er war 2015 noch der Spitzenverdiener.

Die Vorstandschefs der beiden im Dax vertretenen Versicherer liegen laut Studie hingegen im Mittelfeld der Managergehälter. Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte kam demnach im vergangenen Jahr auf Gesamtvergütung von 4,588 Mio. Euro. Dabei lag dessen Grundgehalt laut hkp bei 1,125 Mio. Euro. Etwas mehr auf dem Konto hatte zum Jahresende 2016 der scheidende Vorstandschef der Munich Re. So verdiente Nikolaus von Bomhard laut Studie insgesamt 4,913 Mio. Euro. Allein dessen Grundgehalt belief sich 2016 auf 1,260 Mio. Euro (2015: 1,230 Mio.), einem Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Schlusslichter beim Geldsegen der 30 Dax-Konzerne waren laut Studie übrigens Stefan F. Heidenreich, Vorstandschef von Beiersdorf, mit einer Gesamtvergütung von 4,191 Mio. Euro, Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit 3,145 Mio. Euro, sowie Reinhard Ploss mit 2,842 Mio. “Die Vergütung der Dax-Vorstände ist wie gefordert erfolgsorientiert und langfristig ausgerichtet. Damit zeigen sich die guten Geschäftszahlen der letzten Jahre nun auch in der Vergütung – das ist sachgerecht”, kommentiert Michael H. Kramarsch, Managing Partner von hkp, die Studie.

“Die durch die Politik vorgeschlagene Begrenzung von Vorstandsbezügen ist eine Scheindebatte. Sie versucht davon abzulenken, dass wir keine niedrigeren Maxilöhne, sondern höhere Mindestlöhne brauchen. Wer die Verantwortung aus den mitbestimmten deutschen Aufsichtsräten hin zu Hedgefonds auf der Hauptversammlung verlagern möchte, importiert amerikanische Zustände in der Vorstandsvergütung”, warnt Kramarsch.

Dem gegenüber stehen immer weniger privilegierte Bürger

Auf der anderen Seite konstatiert der Armuts-Bericht der Bundesregierung, dass vor allem weniger privilegierte Bürger “ihre Anstrengungen vielfach als nicht ausreichend respektiert” empfinden würden. Demnach sei es für viele Menschen wichtig, “dass sie und ihre Kinder den erreichten Status verbessern oder wenigstens erhalten können”. Sollten hier Zweifel auftauchen, “kann dies in allen Gesellschaftsschichten zu Verunsicherung führen”, zitiert die Süddeutsche Zeitung aus dem Bericht.

Dabei nennt die Bundesregierung allerdings auch konkrete Beispiele: Demnach sei die soziale Schieflage zwischen 2013 und 2016 weiter angestiegen. Demnach sei die Zahl der Erwachsenen “mit einer hohen Überschuldungsintensität von 3,79 auf 4,17 Millionen Menschen gestiegen”, heißt es in dem Bericht weiter. So würden Langzeitarbeitslose “nicht proportional” vom deutschen Jobwunder profitieren, während der Dienstleistungsbereich bei den Lohnsteigerungen hinterher hinke.

Armut in Deutschland steigt auf neuen Rekordwert

Bereits Anfang März konstatierte der Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem Armutsbericht, dass die Armut in Deutschland mit 15,7 Prozent einen Rekordwert erreicht habe. So habe die Armut vor allem in den entsprechenden Risikogruppen noch einmal zugenommen: Bei Erwerbslosen auf 59 Prozent, bei Alleinerziehenden auf 44 Prozent, bei kinderreichen Familien auf 25 Prozent, bei Menschen mit niedrigem Qualifikationsniveau auf 32 Prozent und bei Ausländern auf 34 Prozent, konstatiert der Sozialverband.

Auch regional gibt es laut Paritätischem Wohlfahrtsverband deutliche Unterschiede. Trauriger Spitzenreiter im Jahr 2015 war die Hansestadt Bremen mit einer Armutsquote von 24,8 Prozent, gefolgt von der Bundeshauptstadt Berlin mit 22,4 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern mit 21,7 Prozent. Schlusslichter im Ranking der Bundesländer waren Bayern mit 11,6 Prozent, Baden-Württemberg mit einer Quote von 11,8 Prozent und Hessen mit 14,4 Prozent. Deutliche Zuwachsraten gab es zudem in Thüringen (plus 6,2 Prozent), Schleswig-Holstein (plus 5,8 Prozent), Niedersachsen (plus 4,4 Prozent) und Hessen (plus 4,3 Prozent). (vwh/td)

Bildquelle: Bernd Kasper /  PIXELIO / www.pixelio.de)

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