Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

“Fintechs müssen von der Regulierung befreit werden”

27.01.2017 – nieuwenhuizen-wijbenga_epDie Digitalisierung der Finanzdienstleistungsbranche trifft Versicherer ins Mark. Fintechs stellen sich europaweit auf und überschreiten scheinbar problemlos Grenzen zugunsten neuer Geschäftsfelder. VWheute sprach exklusiv mit Cora van Nieuwenhuizen, liberale ALDE-Abgeordnete im Europäischen Parlament (EP), die am heutigen Freitag ihren EP-Fintech-Bericht vorstellt.

VWheute: Was sind die Ziele des Fintechs-Reports, den Sie in der kommenden Woche dem Europäischen Parlament vorlegen werden?

Cora van Nieuwenhuizen: Mein Hauptanliegen ist es, zunächst einmal mehr Bewusstsein für Fintechs zu schaffen und zwar nicht nur hier im Parlament, sondern auch gegenüber einem breiteren Publikum. Der Bericht soll dazu beitragen, dass Fintechs nicht von gesetzlichen Regelungen in ihrem Wachstum behindert werden. In Zeiten der Digitalisierung passiert eine Vielzahl von Dingen, die unser tägliches Leben beeinflussen. Wir wollen alle, die Unzahl von Karten in unseren Portemonnaies loswerden.

Wir wünschen uns, dass wir alles mit einem einzigen mobilen Device abwickeln können. Die jüngsten digitalen Technologien machen dies möglich. Wir sehen mit großem Interesse die Entwicklungen in Lock-Tain-Technologien, bei Robo-Advice und im elektronischen Direktzahlungsverkehr. Höchst spannend ist hierbei auch die Entwicklung künstlicher Intelligenz. Derartige Technologien nutzen Daten, die wir auf Google, Facebook oder über Apps teilen. Diese Daten können analysiert und genutzt werden, um für den Verbraucher auf seine speziellen Bedürfnisse zugeschnittene Ratschläge und Informationen an die Hand zu geben.

VWheute: Die EU-Kommission hat die Vision einer Kapital Markt Union skizziert. Tatsächlich leben die EU-Verbraucher in einer völlig fragmentierten Welt. Fintechs wollen nationale Erbhöfe aufbrechen. Brauchen wir dazu eine europäische Gesetzgebung?

Cora van Nieuwenhuizen: Ich möchte, dass wir in Europa die Infrastruktur für Finanzdienstleistungen haben, die Verbraucher erwarten und die wir für die Wirtschaft benötigen. Aber wir wollen nicht nur europäische Lösungen anstrengen, sondern wir wollen wettbewerbsfähig sein auf globaler Ebene. Wenn wir also Gesetzgebung in Europa haben, die Innovationen in diesem Bereich zur Entwicklung von Fintechs behindern, dann sollten wir diese loswerden. Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, ob wir neue Gesetzgebung benötigen, oder ob wir nur die bestehende EU-Gesetzgebung anpassen müssen. Dies gilt es mit den EU-Mitgliedstaaten und der EU-Kommission auszuhandeln. Das Ziel sollte sein, dass wir Arbeitsplätze und Wachstum schaffen, was wir in der EU dringend benötigen.

VWheute: Konsumenten wollen im EU-Binnenmarkt endlich Zugang zu europäischen Finanzprodukten erhalten, online shoppen über Grenzen hinweg und einfachen Zugang zu kostengünstigen Kfz-Versicherungen oder Hypothekarkrediten erhalten. Wie kann die Datensicherheit des Verbrauchers dabei geschützt werden?

Cora van Nieuwenhuizen: Es ist immer schwierig die richtige Balance zu finden zwischen dem technischen Machbaren und dem Schutz von Privatheit. Wenn Produkte auf dem Markt angeboten werden, die dem Verbraucher echte Vorteile bringen, billiger sind, schneller zu erlangen und bessere Qualität darstellen und sein Leben erleichtern, dann ist diese Entwicklung nicht zu stoppen. Wenn wir dies in Europa nicht tuen, dann wird es an anderer Stelle in der Welt passieren. Wir beobachten heute bereits viele Investitionen in Fintechs in China, den Vereinigten Staaten sowie Singapur und Australien. Wir sollten sicherstellen, dass Europa zumindest einen Anteil an diesem Kuchen bekommt und nicht leer ausgeht.

VWheute: “Konnektivität ist wie Sauerstoff” sagen Sie. Was bedeutet dies?

Cora van Nieuwenhuizen: Ich meine damit, dass wir heute nicht mehr ohne Konnektivität, dem Zugang zum Internet, leben können. Wir brauchen schnelle Datenverbindungen nicht nur für Mobiltelefone, Navigationssysteme in unseren Autos, sondern auch im Internet der Dinge ist es in Zukunft unverzichtbar. Konnektivität begleitet unser tägliches Leben zu Hause in den eigenen vier Wänden, unterwegs im eigenen Fahrzeug oder auf Reisen in der Metro, der Bahn oder im Flugzeug. In der 5G- Gesellschaft, auf die wir uns zubewegen, geht es nicht mehr nur um Konnektivität von Menschen, sondern auch um der Konnektivität der Dinge. Dies ist eine ganz neue Dimension, für die wir uns wappnen müssen.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Thomas A. Friedrich.

Das vollständige Interview mit Cora van Nieuwenhuizen über den EU-Fintech-Report des Europäischen Parlaments lesen Sie in der kommenden Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bild: Cora van Nieuwenhuizen (Quelle: Europaparlament)

Tags: ,
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Verlag Versicherungswirtschaft | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten