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EU-Versicherer sind mit Juncker unzufrieden

01.06.2017 – balbinot-150Die Europäischen Versicherer sind unzufrieden mit der bisherigen Performance der EU-Kommission zur Halbzeit des fünfjährigen Mandates. Anlässlich der Vorlage des Jahresberichtes 2016/17 des europäischen Dachverbandes der Versicherer übte Insurance Europe-Präsident Sergio Balbinot Kritik zu den Auswirkungen von Solvency II, der EU-Verbraucherschutzpolitik und dem Datenzugang für autonome Fahrsystem der Zukunft.

“Aus der Versicherungsperspektive nimmt sich die Halbzeitbilanz der EU-Kommission nach zweieinhalb Jahren im Amt nicht gerade rosig aus”, unterstrich Sergio Balbinot am Mittwoch in Brüssel. Die Hoffnungen an die in 2014 mit großen Erwartungen gestartete Juncker-Kommission, Bürokratie abbauen, eine verbraucherorientierte Politik und eine effiziente und smarte Regulierung betreiben zu wollen, hätten sich bisher nicht erfüllt.

Die Ausgestaltung des Solvency II-Regimes habe sich für die europäischen Versicherungsunternehmen als ausgesprochen beschwerlich und als Kardinalfehler herausgestellt. Versicherer mit Wertpapierhändlern über einen Kamm zu scheren, führe zu einer Überbetonung von exzessiven Kapitalbelastungen und artifizieller Volatilität. “Diese unerwarteten Konsequenzen stellen sich als zerstörerisch heraus sowohl für die Konsumenten, die langlaufende Produkte benötigen, als auch für die Kapazität der Versicherer für Langzeitinvestitionen.”

Positiv hingegen sei zu bemerken, dass die EU-Kommission erkannt habe, dass mit der Ankündigung der “Investmentplans für Europa” einschließlich der Kapitalmarkunion (CMU), Hindernisse aus dem Weg geräumt worden seien, die es der Versicherungsindustrie ermögliche, in diese Langzeit asset Klasse investieren zu können. Balbinot gab zu bedenken, dass die bisherigen Änderungen allerdings nur zwei Prozent der Versicherer Portfolios bisher betreffen und ermutigt die EU-Kommission, anlässlich der bevorstehenden Halbzeitbewertung konkrete Schritte zu unternehmen, um Langzeitinvestitionen für die Versicherungsindustrie wieder attraktiver zu machen.

Sorgen macht sich Insurance Europe überdies über die Überarbeitung der PRIPS-Regulierung sowie der Insurance Distribution Directive II (Vermittler-Richtlinie). Das von der EU-Kommission vorgelegte sechsseitige PRIPS Schlüsselinformationsdokument trage nicht den versicherungsspezifischen Besonderheiten Rechnung. „Das Dokument stuft eine Versicherungsprämie in erster Linie als Kostenfaktor ein und anerkennt nicht den Schutzwert, der damit verbunden ist“, betonte Insurance Europe-Generaldirektorin Michaela Koller.

EU-Kommissionsvizepräsident Jyrki Katainen lobte hingegen in einem Grußwort gegenüber Insurance Europe die gute Zusammenarbeit mit der europäischen Versicherungindustrie und bezeichnete das Verhältnis als seine “Win-Win-Situation”. “Die Bedeutung der europäischen Versicherungsindustrie ist erheblich und stellt mit einem Jahresprämienaufkommen von 1.200 Mrd. Euro einem Anteil des europäischen Bruttosozialprodukts von 7,4 Prozent dar”. Das anhaltende Wachstum der Branche trage entscheidend zum Wachstum der europäischen Wirtschaft und Investitionsvolumina bei. (taf)

Bild: Sergio Balbinot (Quelle: Generali)

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