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Ergo: Jeder fünfte Deutsche weiß nichts über Rendite

15.02.2018 – Gerd Gigerenzer Harding-Zentrum_PohlObwohl die Mehrheit der Bundesbürger weiß, dass mit Aktien und Fondsanlagen auf längere Sicht deutlich höhere Renditen als mit festverzinslichen Anlagen zu erzielen sind, legen sie ihr Geld nach wie vor defensiv etwa in Sparbüchern oder Festgeldkonten an. Dies ist ein Ergebnis des ersten Ergo-Risiko-Reports 2018, der gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Diese Diskrepanz ist nicht die einzige, die die Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung aufgedeckt haben, als sie im Auftrag der Ergo Lebensversicherung den Risiko-Report erstellten und dabei im September 2017 3.200 Bürger ab 18 Jahren zu ihrer Risikobereitschaft befragten.

So sind sich rund zwei Drittel der Befragten sicher, dass das Rentenniveau weiter sinkt, aber 22 Prozent legen nichts bzw. weniger als 50 Euro (20 Prozent) pro Monat auf die hohe Kante, um fürs Alter vorzusorgen, erläuterte Michael Fauser, Vorstandschef der Ergo Lebensversicherung AG, der mit VWheute exklusiv über die Ergebnisse des Reports gesprochen hat (siehe KÖPFE & POSITIONEN).

Wissen um finanzielle Risiken gering

Laut Studienleiter Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, besteht generell unter den Deutschen eine große Unsicherheit bei der richtigen Form der Geldanlage: “Nahezu jeder Fünfte gibt an, nicht zu wissen, mit welcher Investitionsform er eine höhere Rendite erzielen kann”, so sein ziemlich ernüchterndes, aber letztlich nicht überraschendes Fazit.

Insgesamt sei das Wissen um die Risiken und Möglichkeiten im finanziellen Bereich gering und eine klare Ansage an die künftige Regierung, dass die bisherigen staatlichen Maßnahmen bei weitem nicht ausreichen.

Wissenslücken und Unsicherheit

Aber nicht nur im finanziellen Bereich gibt es große Defizite bei der richtigen Einschätzung von Risiken, stellt Gigerenzer weiter fest. Auch bei den Themen Alter, Gesundheit, Sicherheit und Digitalisierung treffe man neben viel Realitätssinn auf gravierende Wissenslücken und Unsicherheit.

So hält fast ein Drittel (30 Prozent) eine positive Lebenseinstellung für den wichtigsten Garanten für ein langes Leben, während nur 14 Prozent glauben, dass der Verzicht aufs Rauchen lebensverlängernd wirkt.

Dazu passt, dass nur jeder Zweite weiß, dass Nichtraucher im Schnitt fast zehn Jahre länger leben als Raucher. Gleichzeitig ist 56 Prozent der Befragten klar, dass das Rauchen die häufigste Todesursache ist.

Ab 40 ist nur noch der Ruhestand interessant

Insgesamt ist es mit der Eigenverantwortung von uns Deutschen nicht besonders weit her. Viele von uns fordern staatliche Unterstützung – ob es eine obligatorische private Altersvorsorge betrifft, schärfere Gesetze, mehr Polizei oder eine Gesundheitsampel für Lebensmittel. Auch die Tatsache, dass nur sechs Prozent der Befragten – bei den jungen sind es immerhin 16 Prozent – an eine berufliche Selbstständigkeit nachdenken, und ab 40 der vorzeitige Ruhestand zu den wichtigsten Zielen gehört, sagt einiges über unsere Risikobereitschaft aus.

Risiken in die Schulen bringen

Die gute Nachricht: Risikokompetenz ist offenbar erlernbar. Denn die älteren Befragten, denen man mehr Wissen und Erfahrung als den jüngeren unterstellen kann, schätzen laut der Studie die Risiken wesentlich realistischer ein als die unter 30jährigen. Dass auch Einkommen und Bildung Einfluss auf die richtige Wertung von Risiken haben, verwundert ebenfalls nicht. “Warum aber sollen wir warten, bis die Menschen alt und weise werden, um ihnen Risikokompetenz beizubringen?”, fragte Gigerenzer.

Die sei heutzutage so wichtig wie Lesen und Schreiben und gehöre wie andere Fächer in die Schule – und zwar weit vor der Pubertät der Schüler, damit sich falsche Muster gar nicht erst ausbilden können. Er fordert ein problemorientiertes Herangehen der Lehrer, die den Schülern das Denken beibringen und ihr kritisches Hinterfragen fördern müssten. Ob im Rahmen der etablierten Fächer oder eigenständig spiele keine große Rolle.

Wo findet man seriöse Informationen?

Ein wesentliches Problem bei der Verbesserung der Risikokompetenz ist, so Gigerenzer, eine weitere fehlende Kompetenz vieler Deutscher: Sie seien vielfach nicht in der Lage, verlässliche Informationen zu finden bzw. diese Quellen von weniger seriösen zu unterscheiden. Abhilfe könnten zentrale und kontrollierte Informationsportale zu den unterschiedlichsten Themen schaffen, wie es sie beispielsweise in England im Gesundheitsbereich bereits gibt. (epo)

Bild: Studienleiter Gerd Gigerenzer (Quelle: epo)

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