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Eiopa fürchtet Milliardenloch bei Betriebsrenten

15.12.2017 – Eiopa Tower_ EiopaZum Jahreswechsel soll das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) in Kraft treten, mit dem die betriebliche Altersversorgung vor allem für kleine und mittlere Unternehmen attraktiver gemacht werden soll. Allerdings warnen die europäischen Versicherungsaufseher vor dem Hintergrund der anhaltend niedrigen Zinsen vor einer milliardenschweren Deckungslücke.

Auf der Basis eines “Double-Hit”-Szenarios kommen die Eiopa-Prüfer demnach im ungünstigsten Fall ein Loch von 702 Mrd. Euro, wenn sinkende Zinsen mit einem Kursverfall bei Anleihen und Aktien einhergehen, heißt es im aktuellen Stresstest. In diesem Falle müssten die Unternehmen entsprechend Geld nachsschießen, um bestehende Zusagen zu erfüllen, oder die Ansprüche der eigenen Mitarbeiter kürzen, lautet eine Schlussfolgerung des aktuellen Pensionsstresstestes.

Die Folgen für die Konjunktur wären in beiden Fällen jedenfalls verheerend, betonte Eiopa-Chairmann Gabriel Bernardino bei der Vorstellung der aktuellen Testergebnisse. “Die jüngeren Generationen dürfen nicht darunter leiden und unverhältnismäßige Belastungen tragen müssen, nur weil heute nicht das Notwendige getan wird”, konstatiert der Chef der europäischen Versicherungsaufsicht. Allerdings sagt die Analyse bislang nur wenig über die Situation in den einzelnen Ländern aus.

Mit Besorgnis reagierte jedoch die deutsche Finanzaufsicht auf die Ergebnisse des jüngsten Stresstestes. So befürchtet die Bafin, dass manche Pensionskassen in den kommenden Jahren in eine bedrohliche Schieflage geraten könnten, sollte das skizzierte Szenario tatsächlich eintreten. “Aus Sicht der BaFin ist es daher wichtig, dass die Pensionskassen die potenziellen externen Geldgeber frühzeitig einbeziehen, um für alle Beteiligten möglichst wirksame und effiziente Lösungen zu finden”, betonte Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund.

Allerdings sorgte der Stresstest der Eiopa bereits im Vorfeld für Kritik aus der Branche. “Im nun gestarteten DC-Stresstest wird die Versorgung der Berechtigten getestet, aber die Erkenntnisse daraus dürften kaum in der Kernkompetenz der Eiopa liegen”, kritisierte Frank Zagermann, Aktuar bei Mercer, bereits Ende Mai. So werde der Stresstest “auf Grundlage der nationalen Rechnungslegung, für Deutschland also die Handelsbilanz, und zusätzlich auch auf Grundlage der von EIOPA entwickelten, bereits im Eiopa Stresstest für EbAV des Jahres 2015 verwendeten, europaweit einheitlichen, markt-konsistenten Bewertungsmethodik” durchgeführt.

EZB bleibt beim Leitzins stur

Das anhaltende Zinstief dürfte den europäischen Versicherungsaufsehern jedenfalls noch einige Zeit mit Sorgenfalten sehen. So entschied die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer Sitzung am Donnerstag, den Leitzins weiterhin nicht zu verändern. Damit entfernt sich die EZB immer weiter vom geldpolitischen Kurs der US-Notenbank Fed, die den Leitzins am Mittwochabend um weitere 0,25 Prozent erhöht hat. Auch der Einlagensatz steht nach der Entscheidung der europäischen Notenbanker weiterhin bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Notenbank parken.

Wenig verwunderlich also, dass erneut kritische Stimmen aus Deutschland zu hören waren. “Die extrem expansive Kombination von Nullzinsen und Anleihekäufen ist eine Notfallmaßnahme, für welche die Rechtfertigung abhandengekommen ist”, sagte Friedrich Heinemann vom Wirtschaftsinstitut ZEW. “Es könnte gut sein, dass es in der Ära Draghi überhaupt keine Zinserhöhung geben wird”, ergänzte Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank LBBW.

“Der kräftige Aufschwung wirft eine Reihe von Fragen auf. Vor allem die Geldpolitik gerät hierdurch unter Druck, ihre Krisenmaßnahmen zu beenden – zumal auch von Deflationsgefahren kann keine Rede mehr sein”, ergänzt GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener in seinem aktuellen Markt- und Konjunkturausblick.

Bildquelle: Eiopa

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