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Ehemaliger HRE-Chef muss sich für Pleite verantworten

21.03.2017 – hre-chef_georg_funkeGeorg Funke, ehemaliger Vorstandschef der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), gilt heute als Symbolfigur der internationalen Finanzkrise von 2008. Seit Montag muss er sich wegen Bilanzfälschung vor dem Landgericht München verantworten. Für den deutschen Steuerzahler ist die Beinahe-Pleite der Immobilienbank der bislang teuerste Schaden in der Geschichte. Auch für die D&O-Versicherer ist der Fall “hochrelevant”.

So hatte der Bund die Bankengruppe damals mit direkten Kapitalspritzen von knapp zehn Mrd. Euro sowie Staatsbürgschaften über weitere 124 Mrd. vor dem Kollaps gerettet. Begründet wurde der Schritt mit der “Systemrelevanz” der Bank, die nach damaliger Einschätzung im Dominoeffekt weitere große Bankpleiten nach sich gezogen hätte.

Noch heute sitzt das Bundesfinanzministerium auf einem immensen Schuldenberg. Allein zum 30. Juni 2016 beliefen sich die Verbindlichkeiten laut tagesschau.de auf 183 Mrd. Euro. Eine Abwicklung der finanziellen Folgeschäden könnte demnach noch Jahrzehnte dauern.

Die Staatsanwaltschaft wird dem ehemaligen Chef der HRE sowie dem früheren Finanzvorstand Markus Fell vor, die Krise der Bankengruppe im Geschäftsbericht 2007 und im ersten Halbjahr 2008 verschleiert und geschönt zu haben. “Eine unvertretbar und evident falsche Darstellung der Liquiditätslage der HRE”, wird die Behörde zitiert.

Seitdem gilt Funk in der Öffentlichkeit als Symbolfigur für Gier und Arroganz in der Bankenbranche. Dennoch sieht er sich selbst als Opfer der Geschehnisse: “Ich werde als schlimmster Gier-Banker, Zocker und Pleitier beschimpft”, bemängelte er bereits 2012 gegenüber der Bild-Zeitung.

Ex-HRE-Chef sieht sich als Opfer

So beteuerte Funke am ersten Verhandlungstag auch erwartungsgemäß seine Unschuld. “Die Bilanzen waren richtig, objektiv richtig. Herr Funke war nicht derjenige, der die Bilanzen erstellt hat. Er hat sie intern und extern überprüfen lassen. Es gibt keine einzige Zeugenaussage, nicht die Spur einer Andeutung, dass irgendwo eine Anweisung bestanden hätte, die Zahlen zu schönen oder irgendetwas schöner darzustellen, als es war”, zitiert der Bayerische Rundfunk seinen Verteidiger.

Prozessbeobachter gehen jedenfalls davon aus, dass das Verfahren voraussichtlich etwa ein halbes Jahr dauern wird. Die Versicherungsbranche schaut jedenfalls mit großem Interesse in die bayerische Landeshauptstadt. “Der Vorwurf, dass möglicherweise Geschäftsberichte geschönt wurden, ist für den D&O-Versicherer hochrelevant. Die Frage ist, ob es sich hier um eine wissentliche Pflichtverletzung handelt, die eine Deckung ausschließt. Das wird sich wohl erst im Verfahren klären”, glaubt Franz M. Held, Mitglied der Geschäftsleitung des D&O-Versicherers VOV GmbH in Köln.

“Angesicht der sich häufenden Zahl größerer und sehr teurer D&O-Fälle dürften bei den Versicherungsanbietern irgendwann auch die Beitragshöhen hinterfragt werden. Das Prämienniveau ist derzeit wegen des hohen Wettbewerbsdrucks eher niedrig. Als Auswirkung der D&O-Fälle bei den großen Unternehmen ist jedoch damit zu rechnen, dass mittelfristig auch im Mittelstandsgeschäft höhere Beiträge durchaus denkbar sind”, ergänzt Held. (vwh/td)

Bild: Der frühere HRE-Chef Georg Funke vor dem Landgericht München. (Quelle: dpa)

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