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Draghi deutet Kurswechsel bei Geldpolitik an

09.06.2017 – ezb_Sandro Almir Immanuel_pixelio.deTrotz verbesserter Konjunktur und einer tendenziell steigenden Inflation belässt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins weiterhin bei null Prozent. Zudem sollen die Märkte noch mindestens bis Ende des Jahres über Anleihekäufe mit weiteren Milliarden geflutet werden. Allerdings ändert Mario Draghi seine Prognose, was auf eine Zinsanhebung deutet. DIW-Chef Marcel Fratzscher geht indes mit dem deutschen Sparer hart ins Gericht.

Bereits im Vorfeld der gestrigen EZB-Ratssitzung gingen Analysten und Marktbeobachter nicht von nennenswerten Änderungen des bisherigen geldpolitischen Kurses der europäischen Notenbanker aus. Umso spannender war daher der Umstand, dass der EZB-Rat dieses Mal nicht wie gewohnt an seinem Stammsitz in Frankfurt am Main, sondern in der estnischen Hauptstadt Tallinn getagt hatte.

Eine kleine Änderung ließ jedoch dennoch aufhorchen. So heißt es im aktuellen Beschluss der EZB: “Der EZB-Rat geht davon aus, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben wird.” Die vorherigen Entscheidungen wurden immer durch den Zusatz “oder einem niedrigeren Niveau ergänzt”. Manch geneigter Beobachter wertet dies bereits als Signal dafür, dass sich die Notenbanker langsam auf einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik vorbereiten.

Dennoch erwartet Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), keine nennenswerte Änderung in den kommenden Jahren. “Die Eurozone erholt sich nur langsam aus der Krise. Deshalb erwarte ich den ersten Zinsschritt der Europäischen Zentralbank frühestens in zwei Jahren”, prognostiziert der Ökonom in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Gleichzeitig geht er mit den deutschen Sparern hart ins Gericht. Demnach sei nicht die lockere Geldpolitik der EZB das Kernproblem. Vielmehr liegt dieses nach Ansicht des DIW-Ökonomen ganz woanders: “Wir Deutsche sparen zu schlecht. Viel zu viel Geld legen wir auf Sparkonten, viel zu wenige halten Aktien, die übrigens in den vergangenen Jahren – auch dank der Geldpolitik – einen Boom erlebt haben.” Ein weiteres Problem: “Ungefähr 40 Prozent der Bevölkerung haben gar kein Vermögen, die können nicht sparen, selbst wenn sie wollten.” (vwh/td)

Bild: Sandro Almir Immanuel / PIXELIO (www.pixelio.de)

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