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Der Brexit-Plan von Lloyd’s und Hiscox

04.10.2017 – IMG_9366Strategie, Umsetzung und Zielvorhaben werden immer konkreter. Während Ralph van Helden, Lloyd´s-Chef für den belgischen Markt, am Standort Brüssel keine Solva-Mittel binden und sowohl Underwriter als auch Makler in London halten will, soll im EU-Machtzentrum ein Backoffice sowie eine IT-Platform entstehen. Nach erfolgreichem Testrun soll die Gesellschaft ab Juli 2018 operativ sein. Doch es gibt auch mahnende Stimmen.

Die Londoner Underwriter werden über jeweils zwei Stamps verfügen – einen für die britische Organisation und einen weiteren für die Brüsseler Vorschaltgesellschaft.

Vor 2019 liegende Zeichnungsjahre werden unverändert über London abgewickelt, ebenso Rückversicherungsübernahmen. Die Kapitalisierung der neuen belgischen Gesellschaft von wohl 100 Mio. EUR kommt von den Names sowie der Corporation of Lloyd’s. Aufgrund der hunderprozentigen Zession nach London werden die Ratingagenturen die Brüsseler Gesellschaft genauso benoten wie Lloyd’s selber.

Hiscox derweil ist zwar als Teil des Lloyd’s Ökosystems entstanden und rangiert unter den großen Lloyd’s-Playern auf dem dritten Rang, wickelt mittlerweile aber rund 50 Prozent des eigenen Volumens außerhalb von Lloyd’s ab. Das Unternehmen wird parallel zur vorhandenen nicht in Lloyd’s verankerten britischen Versicherungsgesellschaft für den Bereich EU27 noch eine luxemburgische gründen, die Hiscox Luxembourg S.A.

Hiscox rüstet sich für harten Brexit

Der Spezialversicherer geht von einem harten Brexit aus; unterstellt also, dass die bisherige Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit ab April 2019 der Vergangenheit angehören wird.

Die luxemburgische Gesellschaft wird bereits in den nächsten Tagen gegründet und zum 1. März 2018 operativ sein. Funktionieren wird sie als mit gleichem Rating versehenes Spiegelbild der britischen Insurance Company. Vorort beschäftigt werden zunächst einmal sechs Mitarbeiter, deren Fokus auf der Compliance für Gesamteuropa sowie dem Risk Management liegen soll.

Ziel ist es im Bereich Wealth Management und Family Offices Geschäfte zu realisieren. Künftig sollen die Underwriter aber nicht mehr allein in der „Box“, sondern vermehrt an der Kundenfront Geschäfte zeichnen. Im Fokus stehen werden insbesondere Private Clients mit mehr als 10.000 Euro Jahresprämie.

Experten hinterfragen, ob sich die minimalistisch anmutenden Brüsseler Pläne von Lloyd’s in dieser Form realisieren lassen. Kritisch gesehen werden die geplante Sparflammen-Präsenz, der Null-Selbstbehalt sowie auch die Annahme, dass die regulatorische Äquivalenz weiter bestehen werde und eine Rückversicherungszession nach London überhaupt noch möglich sein werde.

Die Befürchtung wird immer lauter, dass der Brexit aufgrund des plötzlichen Wegfalls weiter Teile des Londoner Markts eine drastische Kapazitätsverknappung im Bereich der Transport- und speziell der Kunstversicherung mit sich bringen könne. (cpt/vwh)

Bild: Ralph van Helden, Hauptbevollmächtigter Lloyd´s Belgien (Quelle:cpt)

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