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Das Problem mit dem eigenwilligen Auto

25.01.2018 – Christoph Lauterwasser_AllianzWie werden sich die Schäden entwickeln? Wer haftet bei einem Unfall? Und welche Rolle spielen Vernetzung und Fahrzeugdaten? Mit Blick auf die Autoversicherung stellt sich Christoph Lauterwasser diese drei Kernfragen. Im Gastbeitrag für die Versicherungswirtschaft beleuchtet der Geschäftsführer des Allianz Zentrums für Technik neue Perspektiven und tragfähige Lösungen für die Zukunft. 

So müssem Radarsensoren und Kameras vor dem Crash deaktiviert werden, um einen Eingriff der Systeme während des Versuchs zu vermeiden. Ein potentieller Notruf zur Rettungsleitstelle muss rechtzeitig als Test angekündigt werden. Fahrerassistenz, Automatisierung, Vernetzung und Elektromobilität halten Einzug im Fahrzeugbestand. Bei der Reparatur in unserer Werkstatt setzt sich der Trend zur Komplexität fort. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, mit neuen Werkstoffen und Fügeverfahren umzugehen. Hinzugekommen sind aktuelle Themen wie die Kalibrierung von Sensoren sowie das Auslesen und die richtige Interpretation von Fahrzeugdiagnosedaten.

Wir begleiten damit einen tiefgreifenden technologischen Wandel, der unser automobiles Mobilitätssystem langfristig grundlegend verändern wird. Autos werden intelligenter. Sie helfen, in vielfältigen Situationen Unfälle zu vermeiden und werden sukzessive Fahraufgaben ohne menschliche Eingriffe übernehmen können – zunächst in definierten Situationen, primär auf der Autobahn und beim Parken. Gleichzeitig werden sie ein Teil des Internet of Things und können so unter anderem immer besser von verschiedenen Nutzern geteilt werden.

Mit Blick auf die Autoversicherung stellen sich drei Kernfragen: wie werden sich die Schäden entwickeln? Wer haftet bei einem Unfall? Und welche Rolle spielen Vernetzung und Fahrzeugdaten? Für manchen überraschend mögen die Ergebnisse einer aktuelle Studie des GDV klingen: danach werden Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen den Schadenaufwand bis 2035 nur moderat um sieben bis 15 Prozent reduzieren. Hier wurde berücksichtigt, dass die Einsatzbereiche der Systeme und ihre Wirksamkeit im Feld noch beschränkt sind und sich eine breite Marktdurchdringung über viele Jahre hinziehen wird. Und natürlich führen die oben schon erwähnten Sensoren zudem zu steigenden Reparaturkosten im Schadenfall.

Angesichts einer Zahl von 8,6 Millionen Schadenfällen, die 2016 deutschlandweit von den Kraftfahrtversicherern reguliert wurden, sind wir gefordert, weiter für die Verbraucher Wahlfreiheit und ein effizientes Schadenmanagement durch die handelnden Akteure und Dienstleister zu gewährleisten.

Diese Überlegung führt zur zweiten Frage, der Haftung. Verkehrsopfer sind in Deutschland über drei Säulen finanziell abgesichert: die Gefährdungshaftung des Halters, die Verschuldenshaftung des Fahrers und die Produkt- und Produzentenhaftung des Herstellers. Hätte es dieses Haftungssystem nicht bereits gegeben, es hätte für die Situation der zunehmenden Fahrzeugautomatisierung erfunden werden müssen.

Es ist gerade in einer langen Phase des Mischverkehrs mit den unterschiedlichsten Fehlermöglichkeiten flexibel und wird mit dem Pflichtversicherungssystem abgerundet. Wir werden weiterhin viele Fälle des – noch lange dominierenden – menschlichen Versagens sehen, aber auch mangelhafte Wartung oder neue Schadenszenarien sind möglich: von defekten Sensoren, bis zu fehlerhafter Software oder Hackerangriffen.

Mit einer schrittweisen Verlagerung des Fehlerrisikos vom Fahrer zur Maschine muss gewährleistet sein, dass die Ermittlung der Schadenursache für uns weiterhin einfach und standardisiert möglich ist. Nur so werden die Versicherer in die Lage versetzt, einen Hersteller in Regress zu nehmen. Die Neuregelung des Straßenverkehrsgesetzes ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt wird eine begrenzte Anzahl von Informationen gespeichert, insbesondere zur Fahrzeugführung durch den Fahrer oder durch das System.

Aus der praktischen Erfahrung mit dem Auslesen von Fahrzeugdaten halte ich es für erforderlich, dass ein einfacher, kostengünstiger und standardisierter Zugang geschaffen wird. Wir fordern hier einen unabhängigen Treuhänder, bei dem die Daten nach Einwilligung des Kunden oder im Rahmen einer gesetzlichen Ermächtigung vom Berechtigten abgerufen werden können. Insgesamt werden faire, sichere und tragfähige Lösungen der “neuen” Mobilität nur im engen Austausch aller Akteure gut gelingen.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bild: Christoph Lauterwasser (Quelle: Allianz)

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