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“Das Beste aus beiden KV-Systemen für alle zugänglich machen”

10.02.2017 – Heroy_HUKEs ist Wahlkampfzeit in Deutschland und die Krankenversicherung rückt ins Blickfeld der Kritiker. Wie das System verbessert werden kann, ist auf der Veranstaltung Kassengipfel 2017 vom 13.-14 Februar in Berlin das Thema. VWheute hat einen der prominentesten Redner, Hans Olav Herøy, Vorstandsmitglied für die Personenversicherungen bei der Huk-Coburg vorab zum Gespräch gebeten.

VWheute: Herr Herøy, ihr Thema auf dem Kassengipfel lautet: “GKV und PKV – Gefühltes 2-Klassen-Modell – wie schafft man die 2. Klasse ab?” Ketzerisch gefragt: Müssen Sie sich nicht eher sorgen, dass die PKV abgeschafft wird?

Hans Olav Herøy: Sie unterstellen, dass die gesetzliche Krankenversicherung zweite Klasse ist, ist sie aber nicht. Im internationalen Vergleich haben wir eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Dies gilt für alle Versicherten, egal ob gesetzlich oder privat. Für mich sind beide Systeme gesetzt. Was mich an der hauptsächlich in Wahlkampfzeiten immer wieder aufflackernden Diskussion zur Bürgerversicherung stört, ist der grundfalsche Ansatz. Meistens geht es darum, die Private Krankenversicherung (PKV) abzuschaffen. Mein Vorschlag ist, das Beste aus beiden Systemen für alle zugänglich zu machen.

VWheute: Wenn man die 2. Klassen-Medizin abschaffen wollte, was wäre dafür notwendig – strukturell und auch vom Denkansatz her?

Hans Olav Herøy: Zunächst einmal: Ich will keinesfalls die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) abschaffen. Im Gegenteil: Wir haben deswegen eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, weil jede Krankenversicherung und Krankenkasse durch den Wettbewerb gezwungen wird, sich anzustrengen. Nur wer Kunden gute Leistung anbietet, überlebt dauerhaft als Unternehmen. Aus meiner Sicht brauchen wir mehr Wettbewerb und nicht weniger – das hilft beiden Systemen am besten. Insbesondere dann, wenn jeder Kunde die Möglichkeit bekommt, sich unabhängig von Einkommen und Beruf dort zu versichern, wo er möchte, gesetzlich oder privat. Wenn das nicht machbar ist, sollten zumindest alle Teil-Leistungen privat zusatzversicherbar sein, egal ob im ambulanten, stationären oder Zahnbereich: Wer beispielsweise im Krankenhaus vom Oberarzt behandelt werden will, kann bereits jetzt eine stationäre Zusatzversicherung abschließen. Wer beim Zahnarzt den teuren Zahnersatz haben möchte, wählt eine Zahnzusatzversicherung. Ich denke, wir brauchen auch ein Zusatzprodukt für diejenigen, die besonderen Wert auf die ambulante Versorgung legen. Dieses Produkt sollte die Unterschiede in den ambulanten Abrechnungssystemen der GKV und PKV ausgleichen.

VWheute: Welche Einsparmöglichkeiten bieten Aspekte wie Automatisierung, Big Data vor dem Hintergrund der Nullzinsen und der immer älter werdenden Gesellschaft?

Hans Olav Herøy: Small Data wären mir auch recht. Aber im Ernst: Ambulante Leistungserbringer sollten dazu verpflichtet werden, die elektronisch schon vorliegenden Rechnungen und Informationen auch digital an die privaten Krankenversicherer zu übermitteln. Dann wäre die Automatisierung für den wichtigen Leistungsprozess in der PKV sehr viel einfacher. So könnten deutlich einfacher medizinisch wichtige Zusammenhänge aus allen Behandlungsunterlagen erkannt werden. Ziel ist es doch, die Gesundheit des Versicherten zu verbessern. Da die Datenhoheit beim Versicherungsnehmer liegt, sollten ihm meiner Ansicht nach solche Analysemöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Ob er sie nutzen will, entscheidet er selbst.

Auch was die Niedrigzinsen angeht, habe ich eine klare Meinung: Die PKV hat rund 250 Milliarden Euro an Rückstellungen für 8,8 Millionen Vollversicherten angespart. Das entspricht durchschnittlich 30.000 Euro pro Versichertem. Das ist aus meiner Sicht für das Alter deutlich beruhigender als 20 Milliarden für 70 Millionen GKV-Versicherte oder zirka 300 Euro pro Versichertem. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch das Geld verzinst wird. Zumal die aktuelle Verzinsung in der Regel immer noch bei mehr als zwei Prozent liegt.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz

Bild: Hans Olav Herøy (Quelle: Huk-Coburg)

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