Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

“Bürgerversicherung wäre Gift für die Wirtschaft”

22.06.2017 – uwe_laue_pkvMit den Bundestagswahlen im September wird auch der Streit um eine Bürgerversicherung wieder deutlich schärfer. PKV-Präsident Uwe Laue gibt sich hingegen optimistisch, dass “sich die Menschen nicht blenden lassen”. “Ein Experiment Bürgerversicherung wäre für alle von Nachteil”, betont er im Exklusiv-Interview mit dem Business- und Managementmagazin Versicherungswirtschaft.

Versicherungswirtschaft: Der Verkauf von Vollversicherungen stagniert, Beitragserhöhungen fließen direkt in die Altersrückstellungen. Wo können PKV-Anbieter noch Gewinne erlösen?

Uwe Laue: Natürlich sind mehr Überzinsen für die Unternehmen einträglicher als weniger. Aber auch in der Niedrigzinsphase lässt sich solide wirtschaften. So steigt ja die Zahl unserer Versicherten kontinuierlich an. Dieses Wachstum kam zwar in den vergangenen drei, vier Jahren ausschließlich aus der Zusatzversicherung, aber inzwischen geht es auch mit der Vollversicherung wieder aufwärts.

Versicherungswirtschaft: Die Beitragsanpassung erfolgt ausgerechnet im Wahljahr. Sie müssen sich auf Angriffe von SPD und Opposition einstellen. Gibt es Notfall-Pläne, falls es tatsächlich zum Regierungswechsel kommt und die Bürgerversicherung eingeführt wird?

Uwe Laue: Dass man das quasi über Nacht hinbekommen könnte, glauben die Befürworter dieser Einheitslösung ja inzwischen selbst nicht mehr. Stattdessen hören wir von kleinen Schritten, die man gehen wolle. Aber davon sollten und werden sich die Menschen nicht blenden lassen: Ein Experiment Bürgerversicherung wäre für alle von Nachteil – schlecht für die medizinische Versorgung, Gift für die Wirtschaft, rücksichtslos gegenüber unseren Kindern und Enkeln.

Die Verfechter kommen immer mit dem Thema Wartezeiten. Dabei sind diese bei uns im internationalen Vergleich geradezu rekordverdächtig kurz. In allen Ländern mit Einheitssystem warten die Menschen mehrere Monate, schauen Sie nur mal nach Großbritannien. Die Zufriedenheit der Deutschen mit ihrer medizinischen Versorgung liegt heute bei historischen Spitzenwerten über 90 Prozent – da gibt es überhaupt keinen Anlass zum Risiko einer ideologisch motivierten Radikalreform. Das wäre ja wie eine Operation am offenen Herzen eines gesunden Patienten.

Versicherungswirtschaft: Welche Reformen wünschen sie sich von der Politik, um die Kostenexplosion im dualen System einzudämmen und das Gesundheitswesen demografiefest zu machen?

Uwe Laue: Ehrlich gesagt empfinde ich den Begriff “Kostenexplosion” als nicht sehr charakteristisch für unser duales System. Denn das zeichnet sich doch vor allem durch seine weltweit führende Versorgungsqualität und –sicherheit aus. Natürlich geben wir dafür viel Geld aus, die Anstiege liegen über dem des Bruttoinlandsproduktes, aber das ist in fast allen vergleichbaren Ländern auch so.

Um dieses tolle System zukunftsfest zu machen, muss allerdings die Umlagefinanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) entlastet und müssen mehr Leistungen in die kapitalgedeckte PKV überführt werden. Dazu bieten sich insbesondere die zahnmedizinische Versorgung, das Krankengeld und die privaten Unfälle an.
Im Interesse der Privatversicherten wäre auch eine Reform zur Verstetigung der Beitragsentwicklung.

Denn nach den geltenden Regeln kann es zu einem Wechsel von Jahren der Stabilität und dann umso größeren Beitragssprüngen kommen. Außerdem sollte der gut funktionierende PKV-Sozialtarif, der “Standardtarif”, wieder allen Versicherten offen stehen. Da das Leben nicht immer so läuft wie geplant, müssen und wollen wir den Menschen in allen Lebenslagen – auch in sozialer Not – Lösungen anbieten können.

Die Fragen stellte VW-Redakteur David Gorr.

Bild: Uwe Laue, Präsident des PKV-Verbandes (Quelle: PKV)

Autor:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten