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BU: Muster-Schülerin und doch Sorgenkind

11.08.2017 – Burnout_Psychische Krankheit_DAKWer das aktuelle Rating des Analysehauses Morgen & Morgen vom Mai 2017 betrachtet, könnte auf die Idee einer komplett heilen BU-Welt kommen: Von 524 BU-Tarifen getesteten der 69 Anbieter haben 342 eine Fünf-Sterne-Bewertung bekommen. Trotzdem zeichnet nur ein Viertel der infrage kommenden Personen in Deutschland eine entsprechende Police. Woran hapert es bei der BU?

Ganz so einfach, wie diese Rechnung aussieht, ist sie nicht, wie Geschäftsführer Peter Schneider betont. “Dank des Drucks, den unter anderem unser Haus auf die Anbieter ausübt, werden die Tarife immer besser. Das ist auf alle Fälle eine positive Entwicklung”, erklärt er. Leider werden die Tarife zumindest im Top-Bereich dadurch auch immer teurer. Zum anderen sagt die Zahl von 20 bis 25 Prozent noch nicht viel über die tatsächliche Absicherung der Arbeitskraft aus. Zwar ist das Neugeschäft in der BU im letzten Jahr um acht Prozent geschrumpft, auch der Bestand sinkt.

Doch gleichzeitig sind die abgeschlossenen BU-Renten im Schnitt deutlich höher geworden. Dazu kommt, dass eine Vielzahl von meist preiswerteren Alternativprodukten in den letzten Jahren dazu geführt hat, dass dadurch die Zahl der Menschen steigt, die überhaupt eine Absicherung ihrer Arbeitskraft vornehmen: “Was nützt es, wenn ein Dachdecker für viel Geld eine klassische BU-Rente von 300 Euro abschließt? Nichts. Da ist es besser, wenn er sich zum Beispiel mit einer Funktionellen Invaliditätsversicherung absichert, die er sich leisten kann und die bei bestimmten Leistungsauslösern mit dauerhaften Funktionsminderungen zahlt, unabhängig vom Beruf.”

Versicherer setzen zunehmend auf Arbeitsunfähigkeits-Klausel

Daneben hat Andreas Ludwig, bei Morgen & Morgen für BU-Ratings zuständig, einige weitere Trends beobachtet. So gehen immer mehr Versicherer dazu über eine Arbeitsunfähigkeits-Klausel einzubauen. Damit soll für Menschen ohne privates Krankentagegeld die Lücke zwischen dem Ende der Zahlungen durch die Krankenkasse und den Beginn der BU-Zahlungen geschlossen werden. Zudem werden Pflegeversicherungen in die BU integriert. Wer aufgrund der Pflegebedürftigkeit berufsunfähig wird, bekommt seine Rente lebenslang bzw. bis zum Ende der Pflegebedürftigkeit gezahlt. In einer anderen Variante besteht die Möglichkeit, nach Ende des BU-Vertrages – z.B. mit 65 Jahren – ohne Gesundheitsprüfung eine Pflegeversicherung abzuschließen.

Auch wenn diese Einschlüsse den Preis der BU natürlich erhöhen, ist Ludwig überzeugt, dass der Vertrieb damit gute Argumente in der Hand hat, um zum Beispiel der Angst vor Pflegenotstand zu begegnen. 82,2 Prozent aller Kunden, die bei Axa Leistungen in der BU beantragen, bekommen diese auch anstandslos. “Lediglich elf Prozent gehen leer aus – meist, weil die 50 Prozent Berufsunfähigkeit nicht erreicht werden”, macht Vorstand Patrick Dahmen deutlich. “Speziell geschulte Mitarbeiter suchen in besonderen Fällen auch Kunden auf, um in einem persönlichen Gespräch um Verständnis zu werben und Lösungen zu finden“, ergänzt Dahmen.

Dadurch können gerichtliche Auseinandersetzungen nicht selten schon im Vorfeld entschärft werden. “Manchmal genügt es, Abläufe im Unternehmen geringfügig zu ändern, damit der Betroffene weiterarbeiten kann”, so Dahmen weiter. Von den 11.500 Fälle, die bei Axa in den Jahren 2012 bis 2015 insgesamt bearbeitet wurden, kamen daher nur 176 vor Gericht und 14 wurden zugunsten von Kunden entschieden – das sind gerade einmal gut 0,1 Prozent. Ungleich höher ist die Zahl derjenigen, deren Antrag auf eine BU bei Axa bewilligt wird. Mit einer Annahmequote von fast 90 Prozent bewege man sich am oberen Rand des Marktes, ergänzt Dahmen. Aktiv abgelehnt wurde nur ein Prozent der Anträge.

Die Alte Leipziger Leben gehört zu den Versicherern, die ihren Regulierungsprozess ebenfalls von der Assekurata erfolgreich zertifizieren ließen. “Für uns ist das ein wichtiges Differenzierungsmerkmal gegenüber dem Markt”, bemerkt Erik Schmidt, im Service-Center Privatkunden für das Thema Berufsunfähigkeit zuständig. Dafür nehme man die anspruchsvolle Zertifizierung in Kauf, die ein wenig einer Betriebsprüfung gleiche.

Mitarbeiter, Prozesse und Systeme der Schadenregulierung werden von den Ratern unter die Lupe genommen. “Kern unseres Schadenregulierungsprozesses ist der Gedanke, Kunden nicht mit vorgefertigten Briefen abzuspeisen, sondern mit ihnen zu sprechen”, macht er deutlich. Das Prinzip “Reden vor Schreiben” gibt es übrigens auch im Annahmeprozess. Der “Vor-Ort-Service” direkt beim Kunden klärt weitere Fragen und verkürzt damit die Bearbeitungszeiten von Anträgen.

Volkswohl Bund betont individuelle Transparenz

Beim Volkswohl Bund besteht die Möglichkeit, beim Antrag zusätzlich zur Berufsbezeichnung Angaben zum Ausbildungsabschluss oder zur Personalverantwortung zu machen und damit die individuelle Tätigkeit transparent darzustellen. “Oft sind dann Übergänge in eine andere Berufsklasse und damit geringere Beiträge möglich“ erklärt Kristina Salzwedel, BU-Produktmanagerin. “Auch wenn ein Fall zunächst problematisch erscheint, versuchen unsere Mitarbeiter immer, den Vertriebspartnern Lösungen für ihre Kunden vorzuschlagen, damit der Vertrag zustande kommt und der Kunde untergebracht ist. Und sollte in einem Fall mal keine BU-Absicherung möglich sein, prüft unsere Antragsabteilung, ob andere Versicherungslösungen für die Einkommenssicherung möglich sind.” (epo)

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bildquelle: DAK

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