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Brüssel will private Altersvorsorge ankurbeln

30.06.2017 – Europaflagge__Stephanie  Hofschlaeger_pixelio.deDie EU-Kommission bringt die private Europa-Rente auf den Weg. Mit ihrem am Donnerstag vorgelegten Verordnungsentwurf für europäische Vorsorgeprodukte namens “PEPP” (Pan European Pension Product) schafft Brüssel eine neue harmonisierte Produktkategorie privater Altersversorgung. Ziel dieser Brüsseler Initiative ist es, die bestehenden gesetzlichen, betrieblichen und nationale private Altersversorgung zu ergänzen.

Derzeit verfügten nur 27 Prozent der 25 bis 59-jährigen EU-Bürger über eine private Altersversorgung, so die EU-Kommission. “Sein enormes Potential liegt darin, den Sparern EU-weit bei ihrer privaten Altersvorsorge größere Auswahlmöglichkieten zu bieten. Das neue Produkt wird als Gütesiegel fungieren, und ich bin zuversichtlich, dass es auch langfristige Investitionen in die Kapitalmärkte fördern wird”, sagte EU-Kommission Vizepräsident Valdis Dombrovskis in Brüssel. Um den PEPPs zum Durchbruch zu verhelfen, legt die EU-Kommission den Mitgliedstaaten nahe, diese neue Produktkategorie bei der steuerlichen Behandlung mit existierenden nationalen Produkten gleichzustellen. Gleichzeitig sollen PEPPs

PEPPs sollen nach EU-einheitlichen Merkmalen von Versicherungsunternehmen, betrieblichen Rentenkassen, Verwögensverwaltungsgesellschaften, Wertpapierfirmen oder Banken gleichermaßen angeboten werden können. Oberstes Gebot sei Transparenz, volle Übertragbarkeit bei Umzug in ein anderes Mitgliedsland und eine geringe Risikoklasse.

“Es ist eine deutliche Erleichterung, wenn europäische Bürger ihre private Altersvorsorge beim Umzug in ein anderes Land mitnehmen können. Die Europa-Rente ist das erste wirklich europäische Finanzprodukt für Verbraucher. Wenn für alle Anbieter die gleichen Regeln gelten, profitiert der Verbraucher von einem echten europäischen Wettbewerb unter Versicherungen”, sieht der finanzpolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Sven Giegold, den Kommissionsvorschlag durchweg positiv.

Bisher belasteten Banken, Versicherungen und Fonds die Verbraucher mit unangemessen hohen Kosten wie bei der Riester- Rente. “Diese Kosten wird die Europa-Rente durch Vergrößerung des Angebots und bessere Vergleichbarkeit senken. Dank einer einheitlichen europäischen Definition könnten Verbraucher bei einer derartigen Europa-Rente viel leichter bessere und günstigere Angebote aus anderen Mitgliedstaaten nutzen”, so Giegold.

Die Aufsicht für die PEPPs soll die Europäische Versicherungsaufsicht (Eiopa) übernehmen. Auch der Dachverband der europäischen Versicherungsindustrie (Insurance Europe) sieht das Vorhaben positiv. “Die Versicherungsindustrie ist offen dafür, neue Wege der Altersvorsorge zu erkunden. Die PEPP-Initiative muss Anbietern allerdings die Möglichkeit eröffnen, Sparern Schutz und Garantien anzubieten” unterstreicht Michaela Koller, Generaldirektorin von Insurance Europe. Nur ein wirkliches Langzeitinvestment sei geeignet, Renteneinkommen zu pushen und Fonds für Langzeitinvestments zu generieren.

Der CSU-Finanzexperte im EU-Parlament, Markus Ferber, spricht sich für ein einfaches Regime aus: “Bei Altersvorsorgeprodukten krankt es häufig an hohen Kosten und geringer Auswahl. Grenzüberschreitender Vertrieb und mehr Wettbewerb sind deshalb gut für den Verbraucher. Der wichtigste Aspekt bei Altersvorsorgeprodukten ist Verständlichkeit”. Die Kommission dürfe nicht denselben Fehler machen wie bei anderen Finanzprodukten und ein vollkommen überbordendes Informationsregime auf den Weg bringen.

Kritik am Kommissionsentwurf gibt es auch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. “Mit dem Vorschlag für ein PEPP adressiert die Europäische Kommission zwar wichtige sozialpolitische Qualitätskriterien für die Alterssicherung. An die meisten müssen sich die Anbieter aber gar nicht halten”, betont Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung des GDV.

“Im Grunde hat die Kommission damit lediglich ein paneuropäisches Sparprodukt vorgeschlagen. Echte Rentenprodukte zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie dieselben typischen Risiken wie gesetzliche Rentensysteme absichern. Insbesondere müssen Leistungen im Alter grundsätzlich lebenslang gewährt werden. Sonst ist vorprogrammiert, dass das angesparte Geld im Alter häufig vorzeitig aufgebraucht ist und die Menschen systematisch dem Risiko der Altersarmut ausgesetzt werden”, ergänzt Schwark. (taf)

Bildquelle: Stephanie Hofschläger / PIXELIO (www.pixelio.de)

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