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BRSG: Innovative Entwicklungen in der bAV

22.02.2018 – podium_akEin Blick auf die Zahlen zeigt, das Potenzial für eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist gigantisch: 40 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland hat eine bAV. Das heißt im Umkehrschluss: 60 Prozent haben keine, wobei hier vor allen Dingen Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), sowie der Sektor der Geringverdiener besonders betroffen sind. Dies soll sich aber mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) ändern.

Wenn kleine Unternehmen ihre bAV installieren freuen sich die Mitarbeiter, wenn große Unternehmen ihre bAV unter schweren Geburtswehen optimieren steht das in der Zeitung. Beispiel VW: Gestern wurde vermeldet der weltgrößte Autohersteller hat einen neuen Haustarifvertrag und als wichtiges Ergebnis der mit den Gewerkschaften ausgehandelten Vereinbarung gibt es mehr Geld für die bAV. Von Juli 2019 an gibt es einen monatlichen Rentenbaustein vom Unternehmen über 60 statt der bislang üblichen 27 Euro.

Ab Januar 2020 steigt dieser Betrag sogar noch auf 98 Euro monatlich an. Das ist nicht nur ein Signal an die Gesamtwirtschaft sondern markiert insgesamt auch einen allgemeinen Trend wie auf dem Kongress Zukunftsmarkt Altersvorsorge deutlich wurde. Für das Jahr 2019 rechnen die Experten mit einer Durchdringung des BRSG zuerst über die Hausverträge von rund 33 Prozent und ab 2020 mit einer Zunahme über die neuen Flächentarifverträge von 58 Prozent. In der Diskussionsrunde “Intelligente bAV – Chancen und Risiken bei der Umsetzung des BRSG” erläuterte aus aktuellem Anlass Evelyn Stoll, Leiterin der betrieblichen Altersversorgung bei VW, die Konzern-Motive und die gemachten Erfahrungen der Niedersachsen bei der Implementierung der neuesten Instrumente.

Einen konkreten Blick in dem Werkraum der für Pensionen und Benefits in den Unternehmen verantwortlichen Abteilungen gewährte Jörg Paßmann, Leiter Pensions bei der RWE-Tochter Innogy SE. Hier wurde ein vollständiger Workflow neu entwickelt und aufgesetzt, dabei der Administrationsprozess automatisiert und App- und Portallösungen für die Anspruchsberechtigten geschaffen. Das Ziel für die zu versorgenden 55.000 Pensionäre und 15.000 ehemaligen Mitarbeiter mit Pensionsansprüchen war mehr Effizienz bei gleichzeitiger Qualitätserhöhung. Das war zwar keine Quadratur des Kreises, aber eine hochkomplexe Angelegenheit, wie Paßmann in seinem Vortrag ausführte.

Gleich eine ganz neue bAV-Kultur hat dabei das deutsche Traditionsunternehmen ThyssenKrupp etabliert. bAV 4.0 nennt Petra Krumsdorf, Head of Pension Strategy & Benefits das neue Modell. Welche Erfahrungen dabei gemacht wurden und welche Rolle vor allen Dingen der Kommunikation dabei zukommt, erklärt Krumsdorf im Interview mit VWheuteTV.

Mit welchen Fallstricken im Rahmen des BRSG die Berater vor Ort beim Kunden zu kämpfen haben und welche technologischen Lösungen dabei für ein Plus an Sicherheit sorgen können, führte Michael Littig, Gründer und Vorstand der Teckpro AG, in seinem Vortrag aus. Littig, seines Zeichens auch Mitglied der CDU und damit nah dran an den politischen Entscheidungsträgern, hat seinen Parteikollegen zum BRSG folgende Fragen gestellt: Wer soll das verstehen, wer erklärt das den Adressaten und wie soll das alles appliziert werden?

Und Berater haben wiederum Littig gefragt: Wie viele Verträge kann ich damit mehr verkaufen und wieviel Geld läßt sich im Workflow einsparen? Zwischen diesen Polen bewegen sich die Fragen der Betroffenen und Antworten darauf können in Zukunft im digitalen Prozess der “integrierten Beratungsunterstützung” mit “säulenübergreifenden Renteninformationen” gewonnen werden. Allerdings wohl erst in fünf bis sechs Jahren, wie Littig befürchtet.

Siegfried Hischke, Head Employee Benefits bei ElipsLife AG monierte zum Schluss, dass in der ganzen Diskussion um die bAV das Thema Invalidität berücksichtigt werden sollte, denn die spielt in der konkreten Ausgestaltung noch gar keine Rolle. Die Unverfallbarkeit der Ansprüche, sowie deren Portabilität sind zwei weitere Positionen, die laut Mathias Ulbrich von der BLD RA Partnerschaftsgesellschaft mbH/Hochschule Schmalkalden im Rahmen des BRSG noch der Präzisierung durch den Gesetzgeber harrt. (vwh/ak)

Bild: Geballte DAX-Power beim Altersvorsorge-Kongress in Berlin: Thorsten Schecke, Leiter Versorgung und Soziale Sicherung Deutsche Lufthansa, Petra Krumsdorf, Head of Pension Strategy & Benefits ThyssenKrupp, Evelyn Stoll, Leiterin der betrieblichen Altersversorgung bei VW, Jörg Paßmann, Leiter Pensions bei der RWE-Tochter Innogy SE und Moderator Thomas Jasper, Leiter Retirement Western Europe bei Willis Towers Watson. (Quelle: Alexander Kaspar)

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