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Was bringen RegTechs bei der Regulierung?

02.11.2017 – mariusz_janczewski_comarchVon Mariusz Janczewski. RegTech bezeichnet Unternehmen, die sich auf die anzuwendenden Technologien und die Einbindung regulatorischer Vorgaben in die Prozesse von Kreditinstituten fokussieren. Ähnlich wie bei FinTech liegt der Schwerpunkt von RegTech auf der Innovation und neuesten Technologien. Ziel ist eine schnelle Implementierung und effiziente Umsetzung neuer Rechtsvorschriften.

Neue Regulierungen sind in der Versicherungsbranche gang und gäbe – da sind wir uns alle einig. Es treten ständig neue Richtlinien, Gesetze, Vorgaben in Kraft oder die bisherigen Rechtsvorschriften werden geändert. Dies war schon in der Vergangenheit so und wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern. Unabhängig davon, ob Regulierungen vorteilhaft oder nachteilig sind, ist die Vorbereitung auf deren Umsetzung und ihre Umsetzung selbst für Versicherungsunternehmen immer mit hohen Kosten verbunden. Diese beinhalten die Zeit der Mitarbeiter und externer Berater sowie die Kosten für die Anpassung der IT-Systeme.

Rechtskonformität neu interpretiert

Beinahe jede Regulierungsänderung wirkt sich auf irgendeine Art und Weise auf die Funktionen der IT-Systeme aus. Manchmal reicht eine geringfügige Anpassung der bisherigen Software, ein anderes Mal muss ein komplett neues Tool entwickelt werden, damit die neue Regulierung in die Praxis umgesetzt werden kann.

Dafür werden Analysten benötigt, die über tiefgründige Kenntnisse der bei Versicherungsunternehmen eingesetzten Systeme verfügen. Oder es müssen innerhalb der internen IT-Abteilungen Kompetenzbereiche geschaffen werden, die auf die Weiterentwicklung und Änderung der im Versicherungsunternehmen eingesetzten IT-Systeme spezialisiert sind. Zur Sicherstellung der Fehlerbehebung und Anpassung der Systeme an die sich ändernden Rechtsvorschriften bewähren sich Wartungsverträge. Aber auch die enge Zusammenarbeit mit IT-Anbietern ist in diesem Bereich von Vorteil.

Unternehmen, die sich um die technischen Aspekte der Sicherstellung der Rechtskonformität kümmern, werden als RegTech-Unternehmen bezeichnet. Dieser Begriff wurde erstmals von der britischen Finanzmarktaufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FCA) im November 2015 verwendet und wurde schnell zu einem neuen Schlagwort.

RegTech bezeichnet Unternehmen, die sich auf die anzuwendenden Technologien und die Einbindung regulatorischer Vorgaben in die Prozesse von Kreditinstituten fokussieren. Ähnlich wie bei FinTech liegt der Schwerpunkt von RegTech auf der Innovation und neuesten Technologien (z. B. Cloud, fortgeschrittene Datenvisualisierung, Big Data und Blockchain). Ziel ist eine schnelle Implementierung und effiziente Umsetzung neuer Rechtsvorschriften. Eigentlich geht es also um etwas, das wir als Marktteilnehmer “seit eh und je” gemacht haben. Dank RegTech werden wir es jetzt nur auf eine neue Art und Weise tun.

Motivationsschub für Versicherer

Der Trend kommt vor allem denjenigen Instituten zugute, die die Vorgaben der Regulierungsbehörden bisher unter nur geringer Verwendung von IT-Werkzeugen oder sogar komplett manuell umgesetzt haben. Diese werden von der Automatisierung wiederkehrender Vorgänge sowie der Nutzung vorhandener Daten und verfügbarer Systeme enorm profitieren können.

Fakt ist, dass Anpassungen immer wieder notwendig sein werden. Und wie sich bei zahlreichen Versicherungsunternehmen und Banken herausstellt, sind hier die eigenen Prozeduren für die obligatorische Berichterstattung oder die Verifizierung der Neukundendaten ineffizient.

Mit dem Aufkommen von RegTech erhalten diese Unternehmen die Möglichkeit, das Problem zu identifizieren und eine Änderung der Situation herbeizuführen. Bis jetzt wurden die Anpassungen an die Regulierungen als notwendiges Übel angesehen. Als eine Pflicht, der man nachkommen muss, die aber nicht zum Kerngeschäft gehört.

Erst hohe Bußgelder, die weltweit durch Regulierungsbehörden auferlegt wurden, sowie Entschädigungen, die bei Verletzung der Verpflichtungen durch Finanzinstitute zu zahlen sind, und beträchtliche Gerichtskosten haben zu einer allmählichen Änderung dieser Sichtweise beigetragen. Damit einhergehend haben die Marktteilnehmer begonnen, sich mit den Fragen der Rechtskonformität neu auseinanderzusetzen.

Anerkennung für die Regulierungsthematik

Ein wichtiger, erwähnenswerter Nebeneffekt ist die entstandene Anerkennung für die Regulierungsthematik und die dafür in den Finanzinstituten zuständigen Personen. Bisher war die Arbeit, die bspw. mit der Erstellung von Berichten für eine Finanzaufsichtsbehörde verbunden ist, nicht besonders beliebt.

Das Brüten über den Zahlen und das ständige Fordern eines Zugriffs auf aktuelle Daten ist nicht Jedermanns Sache. Doch nun haben die “Langweiler” endlich einen eigenen “-Tech” und eigene Veröffentlichungen zu ihrem Tätigkeitsbereich. Zudem können sie an zahlreichen Veranstaltungen zum Thema FinTech teilnehmen, auf denen der RegTech nun seine fünf Minuten hat.

In unserer morgigen Ausgabe lesen Sie im zweiten Teil über die Zusammenarbeit der Regulierungsbehörden und RegTech-Unternehmen.

Bild: Mariusz Janczewski ist IT-Berater im Bereich Versicherungen bei Comarch. (Quelle: Comarch)

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