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Beschwerde-Bilanz: Rechtsschutz überholt Leben

24.05.2017 – hirsch_Versicherungsombudsmann_Die Versicherten haben sich 2016 am häufigsten über die Rechtsschutzversicherer beschwert. Mit 3.807 Eingaben haben diese im vergangenen Jahr erstmals den Spitzenplatz eingenommen und damit die Lebensversicherer abgelöst. Dies geht aus dem aktuellen Jahresbericht des Versicherungsombudsmannes in Berlin hervor. Die Gründe dafür liegen vor allem in den Massenklagen im Zuge des VW-Dieselskandals.

Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem deutlichen Anstieg von 36,4 Prozent, konstatierte Versicherungsombudsmann Günter Hirsch bei der Vorstellung des Jahresberichts 2016. Allein im Jahr zuvor waren die Beschwerden bereits deutlich um 32,3 Prozent angestiegen. Davon seien allein rund 200 Fälle bei der Schlichtungsstelle der Versicherer gelandet, bei dem einzelne Rechtsschutzversicherer eine Kostendeckung für VW-Verfahren ablehnten. Davon stammen die meisten allein aus einer einzigen Anwaltskanzlei.

Insgesamt sind nach Angaben des Versicherungsombudsmannes im vergangenen Jahr 14.659 zulässige Beschwerden (2015: 13.805) bei der Schlichtungsstelle eingegangen. Dies bedeutete einen Anstieg von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2015: plus 7,7 Prozent). Davon wurden  14.172 Beschwerden (2015: 13.922) gegen Versicherungsunternehmen beendet. In 665 Fällen (2015: 635) hatten die Beschwerdeführer ihr Anliegen jedoch nicht weiter verfolgt. 487 Verfahren (2015: 384) konnten in der Sache nicht entschieden werden. In 889 Fällen (2015: 748) kam es laut Schlichtungsstelle zu einem Vergleich. In 998 Fällen (2015: 897) zogen die Versicherten ihre Beschwerde zurück.

Allerdings wurden 4.225 Eingaben wegen mangelnder Zuständigkeit abgelehnt. Im Vorjahr waren es zum Vergleich noch 6.373 Beschwerden (minus 33,7 Prozent). In 46,9 Prozent der Fälle (Vorjahr: 44,3 Prozent) – ohne die Lebensversicherung – wurden die Schlichtungsverfahren zugunsten der Versicherten entschieden. In der Lebensparte selbst wurden hingegen nur 23,2 Prozent der Fälle (2015: 24,1 Prozent) zugunsten der Verbraucher entschieden.

Im Fokus der Beschwerden standen dabei vor allem der Widerruf von Darlehen und Lebensversicherungen. Hier machten der Schlichtungsstelle vor allem die standardisierten Verfahren im Internet auf der Suche nach potenziellen Klägern zu schaffen. “In weniger als fünf Minuten erhalten Sie auf solchen Webseiten eine kostenlose, kurze sowie präzise rechtliche Einschätzung und können eine unverbindliche Überprüfung ihres eigenen Lebensversicherungsvertrages einleiten”, konstatiert Hirsch. “Nach dem fünften Klick ist die Klage auf den Weg gebracht”, kritisiert der ehemalige Präsident des Bundesgerichtshofes.

Bei den meisten anderen Versicherungssparten blieben die Veränderungen der Fallzahlen laut Schlichtungsstelle überwiegend im – zumeist niedrigen – einstelligen Prozentbereich. Mit insgesamt 3.707 Beschwerden (2015: 3.640) liegt die Lebensparte auf Platz zwei mit den meisten Beschwerden (plus 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Dahinter folgen die Gebäudeversicherung mit 1.237 Beschwerden (2015: 1.208 / plus 2,4 Prozent), die Kfz-Kasko mit 969 Beschwerden (2015: 887 / plus 9,2 Prozent), die Kfz-Haftpflicht mit 838 Beschwerden (2015: 894 / minus 6,2 Prozent) die Unfallsparte mit 811 Beschwerden (2015: 839 / minus 3,3 Prozent), die Hausrat mit 793 Beschwerden (2015: 832 / minus 4,7 Prozent), die allgemeine Haftpflicht mit 615 Beschwerden (646 / minus 4,8 Prozent) und die BU-Versucherung mit 383 Beschwerden (2015: 394 / minus 2,8 Prozent).

Auch die Versicherungsvermittler selbst standen im vergangenen Jahr in der Kritik: Insgesamt gingen in der Schlichtungsstelle 344 Beschwerden (2015: 336) gegen Vermittler ein. Dies entsprach einem Anstieg von 2,4 Prozent. 329 Verfahren (2015: 326) wurden 2016 beendet, zwölf Anliegen (2015: 13) wurden nicht weiterverfolgt. Insgesamt 201 Beschwerden (2015: 221) wurden jedoch als unzulässig zurückgewiesen, da allein in 40 Prozent der Fälle (2015: 43 Prozent) kein Zusammenhang mit einer Versicherungsvermittlung festgestellt wurde. (vwh/td)

Bild: Günter Hirsch (Quelle: Versicherungsombudsmann)

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