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Behandlungsfehler liegen im Promillebereich

24.03.2017 – arzt_Tim Reckmann_pixelioAuch wenn Behandlungsfehler in der Medizin vorkommen, sind diese im Verhältnis zu den Behandlungsfällen äußerst gering. Mit dieser recht beruhigenden Aussage stellte Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer, die Behandlungsfehlerstatistik für 2016 vor.

“Wir wollen nichts bagatellisieren. Hinter jedem Fehler können schwere menschliche Schicksale stehen“, unterstrich Crusius. Allerdings müssten die Risiken in der Medizin richtig eingeordnet werden, um Patienten nicht unnötig zu verunsichern. Für Panikmache und Pfuschvorwürfe gebe es überhaupt keinen Grund. Beides schade der mittlerweile gut etablierten offenen Fehlerkultur in der Medizin. Die Gesamtzahl der ambulanten Behandlungsfälle in Klinik und Praxis stiegen zwischen 2004 und 2015 um 160 Millionen auf mittlerweile 696 Millionen.

In den Krankenhäusern erhöhte sich die Zahl der Behandlungsfälle im gleichen Zeitraum um mehr als 2,5 Millionen auf fast 19,8 Millionen Fälle. “Gemessen daran liegt die Zahl der festgestellten Fehler im Promillebereich”, so Crusius. Kerstin Kols, Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern berichtete, dass die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen im Jahr 2016 bundesweit insgesamt 7.639 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen (Vorjahr 7.215) hätten. In 2.245 Fällen (Vorjahr: 2.132) lag ein Behandlungsfehler vor. Davon wurde in 1.845 Fällen der Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründet. Die häufigsten Diagnosen, die zu Fehlervorwürfen führten, waren Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen.

Walter Schaffartzik, Ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin und Ärztlicher Vorsitzender der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, erläuterte, dass nicht nur die Medizin in Deutschland hochinnovativ sei. Gleichermaßen gelte das auch für den Bereich der Fehlerprävention und der Qualitätssicherung. Dafür gebe es Checklisten, Qualitätszirkel, Peer-Reviews, aber auch Tumorkonferenzen oder Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen. Wenn dennoch ein Fehler passiere, könnten sich Patientinnen und Patienten an die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern wenden. Dort sind hochqualifizierte Fachgutachter tätig, die gemeinsam mit Juristen prüfen, ob ein Behandlungsfehlervorwurf gerechtfertigt sei oder nicht. Es genüge ein formloser Antrag. Das Gutachten sowie die abschließende Bewertung seien für Patienten kostenfrei.

Diese Aussagen und Bewertungen werden vom Maklerunternehmen Ecclesia geteilt. “Seit geraumer Zeit stagniert die Schadenfrequenz in deutschen Krankenhäusern. In den letzten Jahren ging sie sogar leicht zurück. Ursächlich hierfür sind die vielfältigen Maßnahmen der Krankenhäuser zur Verbesserung der Patientensicherheit”, erläutert Tilman Kay, Hauptgeschäftsführer der Ecclesia Holding. “Wir empfehlen den Krankenhausträgern, die Patientensicherheit in ihren Unternehmenszielen zu verankern”. Dies bilde die Basis zur Reduzierung unerwünschter Ereignisse und damit auch von Behandlungsfehlern. (vwh/wo)

Bildquelle: Tim Reckmann / PIXELIO / www.pixelio.de

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