Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

bAV: “Wer diese Klaviatur beherrscht, wird Erfolg haben”

01.09.2017 – Dr-Patrick-DahmenFür Patrick Dahmen ist das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz eine “sehr sinnvolle Maßnahme, über eine Stärkung der betrieblichen Altersversorgung künftige Altersarmut zu mildern”. Mit der “Zielrente” ergeben sich “ganz neue Möglichkeiten – aber auch Herausforderungen”, betont der Axa-Vorstand im Exklusiv-Interview mit VWheute.

VWheute: Das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) wird zum 1. Januar 2018 in Kraft treten und einige Änderungen mit sich bringen, darunter auch die sogenannte “Zielrente”. Wie bewerten Sie das neue Gesetz und welches Marktpotenzial sehen Sie darin?

Patrick Dahmen: Wir bewerten das neue Gesetz als sehr sinnvolle Maßnahme, über eine Stärkung der betrieblichen Altersversorgung künftige Altersarmut zu mildern. Der Axa Deutschland Report hat übrigens in seiner aktuellen repräsentativen Befragung herausgefunden, dass insgesamt nur 34 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland zurzeit überhaupt eine betriebliche Altersversorgung haben.

Grundsätzlich sehen wir bei der bAV großes Marktpotential. Zum einen ist das Thema durch die häufige Berichterstattung ins öffentliche Blickfeld gerückt, zum anderen ermöglicht das Betriebsrentenstärkungsgesetz insbesondere auch niedrigen Einkommensgruppen, von der bAV zu profitieren.

So etwa durch die neuen steuerlichen Förderungen oder die Weitergabe der Sozialversicherungsersparnis an den Arbeitnehmer. Die Ausweitung der Fördergrenzen für die steuerliche Abzugsfähigkeit wiederum ist gerade für Gutverdiener extrem interessant, um die betriebliche Altersversorgung beispielsweise um kollektiv organisierte Berufsunfähigkeitsabsicherungen zu ergänzen.

Mit der “Zielrente” in der reinen Beitragszusage ohne Garantien ergeben sich in der bAV für Tarifvertragsparteien ganz neue Möglichkeiten – aber auch Herausforderungen. Wir bringen uns als Unternehmen hier aktiv ein und können aufgrund unserer Kompetenz als Versicherer und Vermögensverwalter sehr interessante und innovative Lösungen anbieten.

VWheute: In Ihrem Vortrag sprechen Sie diesbezüglich auch von “Erfolgsfaktoren der reinen Beitragszusage und des nicht-tariflichen Marktes inklusive Digitalisierung als Erfolgskomponente”. Können Sie dies konkretisieren?

Patrick Dahmen: Um bei Arbeitnehmern Akzeptanz zu finden, muss die reine Beitragszusage ohne Garantien nicht nur interessante Renditen für die so genannte Zielrente in Aussicht stellen. Diese Renditeaussichten müssen auch realistisch sein und sollten gerade in der Rentenphase nur gewissen Schwankungen unterliegen. Dies erfordert umfassende Fähigkeiten im Asset- und Liability Management, nur so lassen sich prognostizierte Zielrenten erreichen und langfristig sicherstellen, beispielsweise über die intelligente Gestaltung kollektiver Puffer. Darüber hinaus ist es wichtig, Zugang zu diversifizierten und renditestarken Kapitalanlagen zu haben. Wir arbeiten daher intensiv mit unserem Vermögensverwalter Axa Investment Managers zusammen, der zu den 10 größten Vermögensverwaltern weltweit gehört.

Da die reine Beitragszusage über Tarifverträge vereinbart werden muss, spielen auch effiziente und klar strukturierte Tarifverträge eine wichtige Rolle. Hierzu gehören beispielsweise nachvollziehbare Regelungen, ob und wie bestehende Versorgungen integriert werden sollen, und wie Opting-Out-Prozesse geregelt werden. Je ausgeprägter die Standardisierung, desto einfacher sind automatisierte Prozesse zu implementieren, die ein hohes Maß an Effizienz und damit geringe Verarbeitungskosten generieren. Dies gilt auch für die Beratungs- und Abschlussprozesse, die zwar kostengünstig sind, gleichzeitig aber dank digitaler Lösungen qualitativ hochwertige Information und Beratung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bieten.

Wer diese Klaviatur beherrscht, wird langfristig Erfolg haben und ein kompetenter Partner für die Tarifvertragsparteien sein.

VWheute: Werfen wir einen kurzen Blick in die Glaskugel: Der Bundesverband pauschaldotierter Unterstützungskassen fürchtet durch die Neuregelung ein massive wirtschaftliche Einbußen für die bAV-Vermittler. Wie bewerten Sie diese Einschätzung und wie wird die Axa auf die Neuregelungen strategisch reagieren?

Patrick Dahmen: Zunächst einmal bietet das Gesetz viele vertriebliche Chancen für bAV Vermittler in den bestehenden Durchführungswegen – übrigens auch ab 2022 im Bestand mit Blick auf die verpflichtende Weitergabe der Sozialversicherungsersparnis. Ohne qualifizierte Beratung von Unternehmen und Mitarbeitern wird die bAV auch in Zukunft nicht zu implementieren sein – hierzu ist das Feld nach wie vor zu vielschichtig. Selbst tarifvertragliche Lösungen werden in den Unternehmen aktiv implementiert werden müssen. Es werden bestehende Vereinbarungen zu berücksichtigen sein, und die Versorgung von außertariflichen Mitarbeitern und Führungskräften erfordert unverändert ein hohes Maß an Beratungskompetenz. Das bedeutet auch, dass die Herausforderungen für bAV-Berater steigen. Die Zahl an Beratern, die die neuen Anforderungen künftig umfassend abdecken können, wird unseres Erachtens sinken.

Wir sehen uns als Axa für die sich ändernden Marktanforderungen sehr gut aufgestellt. In der “alten” bAV-Welt bieten wir Vertriebspartnern bereits heute optimierte Beratungsprozesse zur kostengünstigen Abberatung von Kollektiven, die wir zudem kontinuierlich weiter entwickeln und ausbauen. Und auf die “neue Welt” bereiten wir uns mit dem Wissen und der Kompetenz eines großen Players intensiv vor.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Axa-Vorstand Patrick Dahmen spricht heute auf dem “Strategiemeeting Lebensversicherungswirtschaft 2017″ zum neuen Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG). (Quelle: Axa)

Link: Buchtipp: Einführung in die betriebliche Altersversorgung

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten