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bAV: Ertrag und Sicherheit, aber keine Garantien

21.02.2018 – lars_golatka_zurichVon Lars Golatka. Die garantiefreie Auslegung der Betriebsrentenreform ist eine Chance gemeinsam mit den Sozialpartnern innovative Vorsorgelösungen zu entwickeln. Im Interesse der Kunden gilt es Spezifika der betrieblichen Altersvorsorge, kollektive Kapitalanlage und Sicherheit kundenorientiert zu vereinen. Im Mittelpunkt steht derzeit die Aufklärung zu den Reform-Chancen.

Zukünftig müssen die Vorteile einer innovativen, marktorientierten Kapitalanlage herausgestellt werden. Durch die fondsgebundene Vorsorge profitiert die Höhe der Rente stärker von den Chancen der Kapitalmärkte. Nicht erst seit 2018 stellt die Einkommensabsicherung die Gesellschaft vor eine große Herausforderung. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) möchte der Gesetzgeber das Risiko von Altersarmut reduzieren und die Betriebsrente insbesondere für kleinere und mittelständische Betriebe sowie für Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen attraktiver gestalten. Eine der wichtigsten Neuerungen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes ist zweifellos das Sozialpartnermodell.

Mit diesem Modell wird eine neue Art der betrieblichen Altersversorgung geschaffen. Im Mittelpunkt der Sozialpartnerrente steht die Zielrente: Seit diesem Jahr haben Arbeitgeber und Gewerkschaften die Möglichkeit für Beschäftigte eine neue Form der Betriebsrente zu vereinbaren. Arbeitgeber, die ihren Beschäftigten eine Betriebsrente anbieten, müssen dabei nicht mehr eine fest fixierte Höhe zusagen. Daraus ergeben sich Chancen für die Anlage des “Vorsorge-Geldes”. Es gilt daher konsequent Lösungen voranzutreiben, die rendite- und sicherheitsorientiert sind und keine Garantien benötigen. Dieser Weg bietet den großen Vorteil, dass die teureren, wenig attraktiven und nicht zielführenden Garantien in Niedrigzinsphasen vermieden werden.

In der Folge werden sich nur Versicherer durchsetzen, die von Beginn an die besonderen Anforderungen des Sozialpartnermodells glaubhaft abbilden können. So zielt das BRSG beispielsweise auch auf das Thema Invaliditäts- und Hinterbliebenenabsicherung. Innovative Lösungsmodelle zeichnen sich deshalb zusätzlich dadurch aus, dass sich die Arbeitnehmer gleichzeitig gegen die vielfach unterschätzten Risiken von Invalidität und Tod absichern können – und das ohne jegliche Gesundheitsprüfung.

Neben der Einführung des Sozialpartnermodells stärkt das Betriebsrentenstärkungsgesetz die bAV in vielfältiger Weise: Neben der Anhebung des steuerlichen Förderrahmens von derzeit vier Prozent auf acht Prozent der allgemeinen Beitragsbemessungsgrenze (BBG) West wird es auch einen neuen Förderbeitrag für Geringverdiener geben. Verdient ein Arbeitnehmer nicht mehr als 2.200 Euro brutto im Monat, zahlt der Arbeitgeber pro Jahr zwischen 240 und 480 Euro in dessen bAV ein. Im Gegenzug erhält er einen direkten Steuerzuschuss von dreißig Prozent. Auch die Einführung eines bAV-Freibetrages bei der Grundsicherung im Alter sowie der Wegfall der Doppelverbeitragung in der Riester-bAV dürften zu einer Belebung des Geschäftsfeldes führen.

Vor der Implementierung der gesetzlichen Neuerungen müssen sich alle Beteiligten in einem ersten Schritt intensiv mit den Gesetzesinhalten auseinandersetzen. In der Folge entsteht ein hoher Bedarf an Beratungs- und Serviceleistungen. Die Beratung in der betrieblichen Altersvorsorge wird komplexer. Neben persönlichen Beratungsangeboten steigt die Nachfrage an intelligenten und automatisierten Beratungsprozessen, die auch über die Einführungsphase hinaus weitergeführt werden sollten.

Mit dem digitalen Mindset, das mittlerweile der breiten Gesellschaft attestiert werden kann, eröffnen sich Nutzungsmöglichkeiten von digitalen Lösungsmodellen. Der Blick in die Zukunft zeigt, immer mehr Digital Natives treten in den Arbeitsmarkt ein. Sie setzen eine digitale Verwaltung und mobilen Zugang als gegeben voraus. Das gilt selbstverständlich auch in der Altersvorsorge. Konsequente Kundenorientierung verlangt die Ablage als elektronische Akte mit ständig nutzbarem Zugriff. Nicht nur das. Kunden erwarten auch jegliche Kommunikation über digitale Medien, wie zum Beispiel die Beauftragung von Aufträgen über Self-Services

Die Verwaltung von Angeboten und Abschlüssen hinzu laufenden Policen erfolgt im Backend. Der Pensionsfonds als entsprechender Durchführungsweg steht hier als Versorgungseinrichtung im Zentrum. Je nach Einigung zwischen Sozialpartnern und Versorgungseinrichtung bedient sich der Pensionsfonds eines bestimmten Kapitalanlagemodells und kann optional eine zusätzliche kollektive Absicherung von Invalidität und Tod anbieten. Das Setup der Versorgungsordnung sowie die digitale Verwaltung muss variabel für die individuellen Anforderungen der Kunden agieren können.

Die ohnehin komplexe Welt der betrieblichen Altersvorsorge wird durch die neue Variante des Sozialpartnermodells wohl nicht einfacher. Die Notwendigkeit von professioneller und vertrauensvoller Beratung wächst. Zurich hat daher den Anspruch die Absicherungsmodelle verständlich und gerecht zu gestalten – und das für alle Sozialpartner. Wir begrüßen den Paradigmenwechsel durch die Betriebsrentenreform ausdrücklich.

Den kompletten Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Autor: Lars Golatka ist Vorstand der Deutsche Pensionsfonds AG und Leiter bAV der Zurich Gruppe Deutschland. (Quelle: Zurich)

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