Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Anschlag auf BVB-Bus sorgt für Rätselraten

13.04.2017 – bvb_dpaAnschläge gehören mittlerweile zum Alltag, die leider auch vor Fußball nicht mehr Halt machen. Nach den Anschlägen von Paris und der Länderspielabsage von Hannover im Jahr 2015 bildet der Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am Dienstagabend einen neuerlichen traurigen Höhepunkt. BVB-Verteidiger Marc Bartra und ein Polizeibeamter wurden durch die Explosionen verletzt. Die Hintergründe sind noch unklar.

Nach Behördenangaben gibt es bislang mehrere Bekennerschreiben: So bestätigte eine Sprecherin der Karlsruher Bundesanwaltschaft am Mittwochnachmittag den Fund von drei gleichlautenden Bekennerschreiben mit islamistischen Inhalten. Zudem wurde am Dienstagabend im Internet ein weiteres Bekennerschreiben mit linksradikalem Hintergrund verbreitet. Darin wurde laut einem Bericht der Welt erklärt, der Bus sei mit eigens für den Anschlag angefertigten Sprengsätzen als “Symbol für die Politik des BVB” attackiert worden, die sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten einsetze.

BVB ist mehr “als nur einen Fußballverein”

Der Politikwissenschaftler Dierk Borstel sieht im BVB jedenfalls mehr als nur einen Fußballverein. “Der BVB ist in Dortmund viel mehr als nur ein Fußballverein. Er steht für den Zusammenhalt der Gesellschaft in dieser Stadt. Der BVB ist das, was Dortmund über alle Brüche, alle sozialen Verwerfungen zusammengehalten hat, über Generationen. Als es zum Strukturwandel gekommen und die Globalisierung durchgefegt ist, waren hier alle Familien betroffen”, erläutert er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Dennoch glaube er “eher nicht, dass die Täter fanatische Anhänger eines rivalisierenden Fußballvereins sind, also Ultras. Und es gibt in Dortmund drei extreme Bewegung, aus denen die Täter theoretisch kommen könnten. Die salafistische Szene, die extremen Linken und die extremen Rechten. Alle drei sind Gegner der freiheitlichen, liberalen, offenen Gesellschaft. In allen drei Szenen gibt es eine gewisse Gewaltbereitschaft.”

Umfassender Versicherungsschutz im Profifußball

Dabei sind sportliche Großveranstaltungen sowie die Profifußballer selbst bereits umfassend versichert. Gängige Praxis sind heute entsprechende Ausfallversicherungen. Darin enthalten sind alle entstehenden Zusatzkosten, die bei einer Absage eines Fußballspieles entstehen, wie zum Beispiel zusätzliche Übernachtungskosten für die Gastmannschaft.

Daneben gibt es auch Sportstätten-Versicherungen, die praktisch wie eine Wohngebäudeversicherung funktionieren: Darin abgesichert sind unter anderem Schäden durch Leitungswasser, Brand oder Sturm. Zudem sind in diesen Policen auch die Einbauten im Stadion mitversichert – wie zum Beispiel technische Anlagen.

Im Rahmen sogenannter All-Gefahren-Policen zahlt der Versicherer unter Umständen auch für die Schäden, die durch randalierende Fans entstehen. Zudem besteht mittlerweile auch die Möglichkeit, die Sportstätten gegen Terroranschläge zu versichern. Aber auch die Vereine selbst sichern sich heute im Rahmen einer Veranstalter-Haftpflicht gegen etwaige Schadenersatzansprüche ab.

Daneben listet der Branchenverband übrigens noch eine Vielzahl weiterer Versicherungsarten rund um den Profifußball auf. Demnach decken beispielsweise TV-Ausfallversicherungen die Haftungsrisiken bei technischen Störungen ab. Werbeausfall-Policen decken zudem die Haftungsrisiken durch technische Störungen bei Bandenwerbungen ab.

Versicherungsschutz auch für Fußballprofis und Sponsoren

Aber auch die Spieler selbst können sich bzw. ihren Marktwert gegen alle möglichen Risiken absichern, darunter beispielsweise bei Sportinvalidität. Zudem schließen viele Bundesliga-Spieler auch eine separate Krankentagegeld- oder Sporttagegeldversicherung ab. Ebenfalls versicherbar ist auch der Marktwert eines Edelkickers: Demnach sieht eine entsprechende Police die Zahlung einer vertraglich vereinbarten Summe vor, falls der Sportler infolge einer Krankheit oder Verletzung dauerhaft spielunfähig ist.

Auch der Schutz einzelner Körperteile ist übrigens nicht unüblich: Demnach sollen die Hände von Deutschlands Nationaltorhüter und Weltmeister Manuel Neuer rund drei Mio. Euro wert sein. Die Beine von Superstar Cristiano Ronaldo soll sich dessen Arbeitgeber Real Madrid sogar mehr als 200 Mio. Euro versichert haben.

Zusätzlich absichern können sich die Vereine zudem durch eine sogenannte Prize-Indemnity-Versicherung: Diese ersetzt Einnahmeausfälle wie entgangene Sponsoren- oder Fernsehgelder, falls bestimmte sportliche Ziele nicht erreicht werden. Für potenzielle Abstiegskandidaten sind solche Policen jedoch meist sehr teuer – und damit nicht attraktiv.

Sponsoren können sich im übrigen ebenfalls gegen die Eskapaden von Fußballstars versichern lassen. So gelten Fußballstars seit langen auch als beliebte Werbeträger. Bekannteste Beispiele dafür sind Franz Beckenbauer für eine Tütensuppe, Uwe Seeler für ein Rasierwasser, Bastian Schweinsteiger für Kartfoffelchips, Lukas Podolski für einen Mobilfunkanbieter, Thomas Müller samt Ehegattin für eine Nudelfirma.

Death & Disgrace-Versicherung ersetzen demnach die angefallenen Kosten einer ausgefallenen Werbekampagne, weil ein Unternehmen nach einem Skandal nicht mehr mit einem Sportler in Verbindung gebracht werden möchte. Gegenüber dem Sportler sichern sich die Sponsoren ohnehin ab: Die Verträge enthalten laut GDV meist eine Ausstiegsklausel, falls der Spieler aus der Rolle fällt. Ob Kevin Großkreutz eine solche Versicherung geholfen hat, ist bislang jedoch nicht bekannt.

Und dennoch: Zu hoffen bleibt, dass solche Policen im Alltag keine Anwendung finden müssen – erst recht nicht nach solch traurigen Vorfällen wie jüngst in Dortmund. (vwh/td)

Bildquelle: dpa

Tags: ,
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten