Versicherungswirtschaft-heute

            Mobilsite

 

“90 Prozent der Ablehnungen in der Rechtsschutzversicherung sind falsch!”

27.02.2018 – Justitia_Thorben Wengert_pixelio.deLaut dem Maklerservice transparent-beraten.de spielen die Rechtsschutzversicherer unfair. 90 Prozent der Ablehnungen in der Rechtsschutzversicherung seien falsch. Zudem gebe es bei den Versicherern “deutliche Unterschiede bei der Regulierungspraxis”. Einige Unternehmen würden die Kostenübernahme “auffallend oft ablehnen”. Das sind harte Vorwürfe, die die Unternehmen bei der Seriosität treffen. VWheute hat beim GDV und der Arag nachgefragt.

In der Rechtschutzversicherung sind die Kunden auf Hilfe im Schadenfall angewiesen. Verlassen können sie sich allerdings laut dem Anwalt Joachim Cornelius-Winkler nicht auf die Versprechungen: “Vor allem bei höheren Kosten sind circa 90 Prozent der Ablehnungen falsch oder angreifbar”. Ein Versicherer der sich bei hohen Kosten lieber hinter Paragrafen verschanzt anstatt dem Versicherten beizustehen, ist das genaue Gegenteil von Seriosität, die Kunden von ihren Versicherern fordern.

1_umfrage-zur-wichtigkeit-von-seriositaet-bei-versicherern-2017

Das Feld Rechtsschutz sei dermaßen kompliziert und die Unterschiede zwischen den Versicherern so groß, dass selbst einige Makler kaum noch sagen können, welche Versicherung in welchem Fall greift. “Dies liegt daran, dass die Sparte sehr verrechtlicht ist, also ausschließlich über Rechtsfragen gestritten wird und es nicht, wie in der Sach- oder Personenversicherung, auf Sachverständigengutachten zum Schadeneintritt und zur Schadenhöhe ankommt”, erklärt Cornelius-Winkler.

Wenn die Versicherer so agieren, warum ist das bisher noch niemandem aufgefallen? Auch dazu hat der Anwalt eine Meinung. Unabhängige Tests würden die “Papierform” der Rechtsschutzversicherungen zwar gut erfassen, blieben wegen des “kaum messbaren Regulierungsverhaltens” allerdings “nur unvollständig”. Deswegen könnten gute Versicherungen nicht allein am Preis-Leistungs-Verhältnis fest gemacht werden, das sich “ausschließlich auf die Vertragsunterlagen bezieht”.

Wo ein Kläger, da ein Verteidiger

Die Anschuldigen treffen eine Sparte, die sich einer zunehmenden Beliebtheit erfreut. Zwar konnten bei den Verträgen laut GDV-Zahlen im letzten Jahr nur ein leichter Zuwachs von unter einem Prozent erwirtschaftet werden, nichtsdestotrotz halten die Deutschen 19,1 Mio. Verträge und erzielten über 6,8 Mrd. Euro Bruttobeitragsprämie.

Den GDV fechten die Vorwürfe nicht an. “Die Einschätzung, die Schadenregulierung der Rechtsschutzversicherer habe sich angeblich verschlechtert, stammt von einem einzigen Anwalt. Es handelt sich um keine empirische Erhebung und auch nicht um eine Bewertung von Kunden. Tatsache ist, dass sich die Zahl der Konflikte zwischen Kunden und Versicherern seit Jahren auf sehr geringem Niveau bewegt: Nach einer Erhebung des GDV werden in der Rechtsschutzversicherung so gut wie alle Schäden reibungslos und zur Zufriedenheit der Kunden reguliert. Der Anteil der Fälle, in denen es zum Prozess kommt, ist seit Jahren stabil und liegt bei 0,02 Prozent. Allerdings haben wir in den letzten beiden Jahren eine steigende Stückzahl an Beschwerden zum Versicherungsombudsmann beobachtet.”

Die Arag weist der Vorwurf ebenfalls von sich: “Wir können nicht nachvollziehen, auf welcher Grundlage diese Aussage getroffen wurde. Sie entspricht auch keinesfalls unserer Regulierung. Umgekehrt: Aus unserer Sicht scheint sogar 10 Prozent der abgelehnten Fälle noch zu hoch gegriffen. Ein Großteil der Ablehnungen findet unbestritten aufgrund formaler Gründe statt, weil das Risiko nicht versichert ist – wenn z.B. das Auto oder die Wohnung nicht mitversichert ist. Auch die Vor- bzw. Nachvertraglichkeit des Versicherungsfalls spielen sehr häufig eine Rolle. Natürlich gibt es besonders gelagerte Fallkonstellationen, bei der unsere Interpretation der Rechtslage nicht der des Kunden bzw. seines Anwalts entspricht oder auch einmal Fehler bei der Bearbeitung unterlaufen sein können. Dabei handelt es sich aber um Einzelfälle.”

“Bei dem zitierten Rechtsanwalt häufen sich offensichtlich besondere Fälle. Wir können nicht nachvollziehen, wie daraus eine allgemein gültige Aussage hinsichtlich aller Ablehnungen abgeleitet werden kann. Unsere Regulierung sieht anders aus, das unterstreicht schon alleine unsere ausgezeichnete Kundenzufriedenheit. Im Übrigen weisen wir darauf hin, dass in den vergangenen Jahren im Schnitt nicht einmal ein Viertel der gegen uns geführten Deckungsklagen erfolgreich war.”

Zum Abschluss dieser Frage bleibt noch die Einschätzung des Ombudsmanns Günter Hirsch, der zuletzt vor unsauber arbeitenden Anwälten warnte, die nicht zuerst das Wohl ihrer Mandanten im Blick hätten – VWheute berichtete. (vwh/mv)

Bild: Justitia (Thorben-Wengert / www.pixelio.de / PIXELIO)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten