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Zweifel und Fragen unerwünscht?

16.03.2016 – Ein Jahr lang gibt es den Finanzmarktwächter Finanzen der Verbrauchzentrale Bundesverband (vzbv). Gibt es erste Ergebnisse? Wie sind die zu bewerten? Naturgemäß gab es zum ersten Geburtstag viel Lob für die Verbraucherschützer. Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) verspricht sich vom Makrtwächter zumindest wichtige Markterkenntnisse aus Sicht der Verbraucher.

Die Gesprächsrunde, die sich gestern in Berlin getroffen hat, um diese Frage zu erörtern, war nicht besonders dazu angetan, echte Diskussionen aufkommen zu lassen. Drei Vorstände von Verbraucherzentralen – Irmgard Czarnecki aus Bremen, Michael Knobloch aus Hamburg und Cornelia Tausch aus Baden-Württemberg – sowie ein Wissenschaftler und Geldexperte der Stiftung Warentest, Stephan Kühnlenz, spendeten naturgemäß viel Lob für die Arbeit des Frühwarnnetzes. Und auch Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas hatte kräftig zum ersten Geburtstag gratuliert und betont, dass kluge Verbraucherpolitik die Menschen beim Aufbau ihrer Altersvorsorge unterstütze und er vom Marktwächter wichtige Markterkenntnisse aus Sicht der Verbraucher erwarte.

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Dass es sinnvoll ist, Qualitätsmängel bei Produkten und Beratung systematisch zu erfassen und entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen, daran bestehen wohl bei keinem der Beteiligten – Verbraucher, Produktanbieter, Vertrieb, Aufsicht und Politik –Zweifel. Aber wenn generell keine Zweifel an der Arbeit des Marktwächters zugelassen werden, dann werden Fragen laut. Wie etwa die nach Erfolgen der einjährigen Arbeit des Netzwerkes, abgesehen von der Aufdeckung der Kündigungswelle bei Bausparkassen. Natürlich war die aus Kundensicht ein Skandal und ein typisches Beispiel dafür, was der Marktwächter als übergeordneter Beobachter leisten kann, wie es Irmgard Czarnecki betonte. Doch was ansonsten herausgekommen ist, davon war von ihrer Kollegin Cornelia Tausch nichts zu erfahren. Und man sei auch nur sehr beschränkt bereit Daten an Wissenschaftler weiterzugeben, aus Rücksicht auf die Verbraucher, legte sie nach.

Oder die Frage, ob Erhebungen durch die Verbraucherzentralen repräsentativ seien, wenn sie sich doch nur auf Verbraucher beziehen, die den Weg in eine Beratung finden? Nein, repräsentativ seien sie nicht, aber der Ausschnitt sei doch groß genug, um sichere Rückschlüsse auf die Situation am Markt ziehen zu können, meinte Michael Knobloch. So habe die bundesweite Auswertung von Beratungsgesprächen im Bereich Altersvorsorge ergeben, dass nur fünf Prozent der Produkte, die Verbrauchern in jüngster Vergangenheit empfohlen worden waren, wirklich für die Altersvorsorge geeignet gewesen seien. Die Frage vom Vertreter des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Peter Schwark, ob das vielleicht an unrealistischen Maßstäben liegen könne, wurde ganz allgemein abgetan. Stephan Kühnlenz ergänzte stattdessen, dass Untersuchungen der Stiftung Warentest die katastrophale Beratungsleistung von Banken untermauert hätten. Demnach konnten nur drei Banken ein “gut” bekommen, zwei waren mit “mangelhaft” durchgefallen. Quod erat demonstrandum.

Inhaltlich ging es dann doch noch um zwei Themen der Altersvorsorge. Knobloch warnte davor, dass die Niedrigzinsphase Verbraucher in allzu riskante Produkte drängen könnte, die dem Anspruch an Sicherheit nicht gerecht werden. Und Czarnecki warnte vor unseriösen Angeboten zur Immobilienfinanzierung, die sich den Niedrigzins zunutze machen, ohne die Langfristigkeit der Tilgung mit allen Unsicherheiten künftiger Zinsentwicklung zu thematisieren. (epo)

Bild: Stephan Kühnlenz, Cornelia Tausch, Moderator Robert von Heusinger, Irmgard Czarnecki, und Michael Knobloch (v.l.n.r.) (Quelle: epo)

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