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Zurückhaltung bei grenzüberschreitenden Produkten

11.12.2015 – Jonathan Hill EU Binnenkommissar - quelle Europaeische Kommission“Wir wollen verstehen, warum eine Kfz-Versicherung in einem EU-Land wesentlich teurer ist als in einem anderen Mitgliedsstaat und was die Hindernisse für die Portabilität eines Girokontos, von Kreditverträgen oder Versicherungsprodukten sind”, sagte EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill am Donnerstag bei der Vorstellung des Grünbuchs zu Finanzdienstleistungen.

Bankkonten, Hypothekarkredite und Versicherungen seien ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens der europäischen Verbraucher. Viele EU-Bürger hätten jedoch Probleme, diese Dienstleistungen in einem anderen EU-Mitgliedstaat in Anspruch zu nehmen.

Ebenso seien viele Unternehmen zurückhaltend, ihre Finanzprodukte grenzüberschreitend in der EU anzubieten. “Die EU-Kommission will es Unternehmen leichter machen, ihre Finanzprodukte in anderen EU-Mitgliedstaaten Privatkunden anzubieten”, kündigte Hill an. Verbraucher sollten künftig Zugang zu einer wesentlichen breiteren Produktpalette erhalten und die Möglichkeit bekommen diese Produkte weiterhin in Anspruch nehmen zu können, wenn sie in ein anderes Mitgliedstaat umziehen, um dort zu arbeiten, zu studieren oder ihren Ruhestand zu verleben.

Mit der Vorlage des Grünbuchs startet eine Konsultation zu Finanzdienstleistungen, die Verbrauchern, Dienstleistern und Versicherungsunternehmen Gelegenheit geben soll, bis zum 18. März 2016 ihre Beiträge, Kommentare und Vorschläge einzubringen.

Von den gut 450 Millionen EU-Verbrauchern leben 13,6 Millionen EU-Bürger in einem anderen Mitgliedsland, die insbesondere vom derzeitigen Flickenteppich der Finanzdienstleistungen betroffen sind. Lord Hill will über den Euroraum hinaus den europäischen Finanzdienstleistungsmarkt pushen: “Laut Eurobarometerumfrage haben 85 Prozent der Befragten nie versucht, einen Privatkredit, eine Versicherung oder einen Kreditkartenanbieter außerhalb ihres eigenen Wohnsitzlandes zu suchen und müssen daher manchmal überhöhte Preise zahlen”.

Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber begrüßt die Initiative der EU-Kommission: “Bei Finanzdienstleistungen für Verbraucher sehe ich bei zwei Punkten besonderen Handlungsbedarf: Die Chancen und Risiken der Digitalisierung sinnvoll gegeneinander abzuwägen und Verbrauchern das richtige Maß an Informationen zur Verfügung zu stellen. Bei beiden Punkten ist das Grünbuch erschreckend zurückhaltend mit konkreten Vorschlägen”. Während die Digitalisierung einerseits große Chancen für besseren Zugang zu Finanzprodukten und mehr Wettbewerb biete, müsse jedoch aufgepasst werden, dass neue Zahlungsanbieter und -verfahren nicht das bestehende Regelwerk unterlaufen. “Von virtuellen Währungen bis zum Thema Crowdfunding bleibt einiges zu tun. Das Grünbuch der Kommission benennt die Probleme zwar, bietet aber kaum Lösungsvorschläge“, bedauert der CSU-Finanzexperte.

Auch der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold sieht Licht und Schatten im vorgelegten Grünbuch: “Zu begrüßen ist die Aufmerksamkeit der EU-Kommission für mehr Standardisierung von Anlageprodukten, z.B. einem europaweites Anlageprodukt zur Altersvorsorge (Pan-European Personalised Pension Product – PEPP”. Damit sollen Sparprodukte, wie Alterssicherungsprodukte in ganz Europa angeboten werden können. Ein PEPP-Produkt, das einfach und kosteneffizient sei, könne einen wichtigen Beitrag zu einer stabilen Altersvorsorge leisten und damit den Bürgern die Vorteile des EU-Binnenmarktes näherbringen. Standardisierung von einfachen Finanzprodukten könne über die Alterssicherung hinaus einen Beitrag zu mehr Wettbewerb und Verbraucherschutz leisten, so Giegold. (taf)

Link: Grünbuch Finanzdienstleistungen (PDF)

Bild: EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill (Quelle: Europäische Kommission)

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