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Zinsentscheidung: Gefahr für Realwirtschaft oder Finanzmärkte?

03.12.2015 – EZB Gebaude_EZBDie Europäische Zentralbank (EZB) wird den Einlagenzins für Banken morgen voraussichtlich um 0,1 Prozent senken, schätzt Larry Hatheway, Chefvolkswirt beim Asset Manager GAM. Zusätzlich dürfte die Notenbank eine Verlängerung ihres Anleiheankaufprogramms über den September 2016 hinaus bekannt geben. Zu wenig für die Märkte, schätzt er, während das Institut der deutschen Wirtschaft eine weitere Verschärfung der Geldpolitik kritisiert.

Vor der heutigen Zinsentscheidung der EZB sagt IW-Direktor Michael Hüther: “Wenn sich die Kreditvergabe endlich normalisieren soll, dürfen Staatsanleihen nicht weiter bevorzugt werden.“ Anders als Kredite an Unternehmen, gelten jene an Staaten noch immer nicht als riskant. Die Eigenkapitalregulierung zwinge die Banken dazu, mehr Eigenkapital in Relation zu ihren Risikoaktiva vorzuweisen. “Um diese Vorgabe zu erfüllen, ist es für die Banken am einfachsten, die Kreditvergabe an Firmen zu reduzieren und stattdessen Kredite an Mitgliedsstaaten des Euroraums zu vergeben”, erläutert Hüther. Mit negativen Zinsen würde die EZB die Situation nur verschlimmern, warnt das IW in einer aktuellen Studie (PDF).

Dagegen sagt Larry Hatheway vor der heutigen Zinsentscheidung der EZB: “Die Erwartungen sind hoch. Sie beinhalten eine Senkung des Einlagenzinses um 20 bis 25 Basispunkte zusätzlich zu einer Ausweitung des Anleiheankaufprogramms.“

Hatheway selbst ist zurückhaltender und führt dafür zwei Gründe an. “Zum einen hat sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone stabilisiert, seit Draghi im Oktober eine weitere Lockerung der Geldpolitik angekündigt hat. Zum anderen liegt die Inflation zwar weiterhin deutlich unter dem Ziel der EZB – Basiseffekte legen aber nahe, dass sie in den kommenden Monaten anziehen wird.”

Für die Finanzmärkte stellt seiner Einschätzung nach ein schwacher Euro gegenüber einem starken Dollar – wahrscheinliches Szenario, wenn Fed-Chefin Janet Yellen am 16. Dezember die Zinswende einleitet – eine Gefahr dar. (vwh/ku)

Bildquelle: EZB

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