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“Wildwuchs” bei ambulanten Leistungen

01.03.2016 – Krankenhaus_by-sassi_pixelioIn den deutschen Krankenhäusern gibt es vermehrt ambulante Behandlungen. Dabei sind in den letzten 30 Jahren etwa 20 verschiedene ambulante Versorgungsformen entstanden: von Hochschul- und Notfallambulanzen über Ambulantes Operieren im Krankenhaus bis hin zur Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV). Experten kritisieren im neuen Krankenhausreport 2016 der AOK einen “Wildwuchs”.

“Hinter dieser Vielfalt steckt kein rationales Ordnungsprinzip. De facto werden hier identische Leistungen in verschiedene Rechtsformen verpackt und dann auch noch unterschiedlich vergütet”, kritisiert Jürgen Wasem, Mitherausgeber der Studie. Zudem gebe es ähnliche Unterschiede auch bei der Bedarfsplanung, bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen oder den Zugangsregeln zu Innovationen. “Und in puncto Qualitätssicherung sind ambulante Krankenhausleistungen ohnehin Wüsten”, ergänzt Wasem.

Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, kritisiert außerdem die Strukturprobleme zwischen den Sektoren: “Das deutsche Gesundheitswesen ist wie ein geteiltes Land. Zwischen Kliniken und Praxen verläuft eine kaum überwindbare Mauer, die für Patienten gefährlich und für alle viel zu teuer ist”, konstatiert der Experte.

Zudem führen fehlende Regeln vielfach zu konträren Interessen, kritisieren die Experten weiter. Demnach sei eine echte Zusammenarbeit – etwa zwischen niedergelassenen und stationär tätigen Kardiologen – weder vorgesehen noch möglich. Die Folge seien Informationsbrüche, Missverständnisse, Behandlungsfehler, Mehrfachdiagnostik, vermeidbare hohe Arztkontakte und Mengenausweitungen. “Kaum einer übernimmt für Patienten mit mehreren Krankheiten, die gleichzeitig von verschiedenen Ärzten und Kliniken behandelt werden, die Gesamtverantwortung und schützt sie vor zu viel oder falscher Medizin”, kritisiert Gerlach weiter.

Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, sieht daher vor allem die Politik in der Verantwortung: “Auf Schnittstellenprobleme wurde bislang von der Politik mit zahlreichen Einzellösungen reagiert. Die bisherigen Modelle inklusive der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung sind sicher gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Das kann so nicht bleiben, da muss der Gesetzgeber noch mal neu ansetzen”, kritisiert der AOK-Vertreter.

So führe der Status quo seit Jahren nur zu Patchwork und den altbekannten rituellen Verteilungskämpfen zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. “Was ich mir wünsche, ist mehr Miteinander statt dieses andauernden Jeder-gegen-Jeden mit Sonderinteressen und Systemegoismen. Die Leistungserbringer müssen sich darauf einlassen, gemeinsame Qualitäts-, Verwaltungs- und Finanzierungsstandards zu entwickeln, sonst kommen wir nicht weiter”, ergänzt Litsch. (vwh/td)

Bildquelle: Sassi / pixelio.de

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