Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Vertreibung aus dem Paradies

05.04.2016 – Geld Koffer by_Bernd Kasper_pixelio.de - Windows-FotoanzeigeMossack Fonseca ist eine in Panama ansäßige internationale Anwaltskanzlei, die in den letzten Jahrzehnten 214.000 Offshore-Gesellschaften im Kundenauftrag verwaltete- auch mit Sitz auf den British Virgin Islands oder den Seychellen. Ein gezielter Datenangriff hat nun 11,5 Millionen Dokumente dieser Sozietät in den Besitz eines reichlich anonymen “The International Consortium of Investigative Journalists” gespült.

Dabei geht es einerseits um mögliche Bereicherung politisch hochstehender Personen sowie Parteienfinanzierung durch dunkle Kanäle. Ebenfalls im Fokus steht auch die Nutzung von Offshore-Gesellschaften durch wohlhabende Kreise, die nationale Einkommens-, Vermögens- und Erbschaftssteuern auszuhebeln trachteten.

In vielen Fällen wurden die späteren Mandanten durch ihre hochrespektablen Privatbanquiers vom Schlage HSBC, Safra Sarasin, CS, UBS und Coutts an Mossack Fonseca verwiesen, woraus manche versuchen könnten gegen die banquiers den Vorwurf der Anstiftung oder Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu konstruieren. Viele dieser Vergehen dürften verjährt sein, in vielen Fällen dürften die Beweise nicht ausreichen. Auch dürfte sich nach nationalem Recht jeweils die Frage stellen, ob auf so illegale Art beschaffte Beweismittel überhaupt gerichtlich verwertbar sind. In manchen Fällen dürften Betroffene auch an eine strafbefreiende Selbstanzeige denken.

Panamaische Konstrukte waren bereits vor einigen Jahren aus der Mode gekommen. Die dortigen Briefkästen waren zu Auslaufmodellen geworden oder an respektablere Orte ohne Auflösung redomiziliert worden. Überdies erheben auch eine Reihe von Staaten jedenfalls in direkter Linien keine Erbschaftssteuer, etwa die Schweiz, Australien und Luxemburg. Andere wiederum bieten unter kreativem Einsatz von Lebenspolicen, generationenüberspannenden Trusts oder Investmentfonds entweder steuerliche Rabatte oder zumindest einen langen Aufschub der Steuerpflicht.

Die Vermutung drängt sich auf, der Datendiebstahl könne durch US-Dienststellen verübt worden sein. Das Ziel: Mitglieder der russischen und chinesischen Führung in Misskredit zu bringen. Bereits das plötzliche Interesse von US-Staatsanwälten an FIFA-internen Vorgängen waren für eine eigentlich kaum soccer spielende Nation erstaunlich gewesen. Die nun ebenfalls betroffenen privaten Nutzer von panamaischen Briefkästen wären dann reine Kollateralschäden- während in Delaware und Nevada US-Bundesstaaten weiterhin nicht residente und somit gänzlich steuerfreie und Gesellschaften offerieren. (cpt)

Bildquelle: Bernd Kasper / pixelio.de

Tags:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten