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Versicherer kritisieren EZB-Entscheidung als “Zumutung”

23.01.2015 – draghi_World_Economic_ForumDie Europäische Zentralbank (EZB) will bis Ende September 2016 monatlich für 60 Mrd. Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere aus den Euro-Ländern kaufen. Wie bereits im Vorfeld erwartet, soll damit die niedrige Inflation in Europa bekämpft werden. Das frische Geld soll über die Banken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern kommen, denen die EZB die Anleihen abkauft.

Zustimmung erntete die Entscheidung bereits durch Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). So werde das Anleiheprogramm das “Risiko eines langwierigen Zeitraums niedriger Inflation” verringern. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: “Was immer für eine Entscheidung die EZB fällt, sie darf nicht davon ablenken, dass die eigentlichen Wachstumsimpulse durch vernünftige Rahmenbedingungen durch die Politik gesetzt werden müssen und auch gesetzt werden können”.

Deutliche Kritik gab es jedoch aus der Versicherungsbranche. GDV-Präsident Alexander Erdland bezeichnete die Entscheidung als “Zumutung”. Es sei “vollkommen ungewiss, ob das Ankaufprogramm die erhofften Effekte bringt. Sicher ist hingegen, dass weiterer Schaden für die Sparkultur in Deutschland angerichtet wird. Denn das Ankaufprogramm verstärkt den Druck auf festverzinsliche Wertpapiere, die eine Säule der privaten Altersvorsorge sind.” Das mache es den nun noch schwerer, “den Menschen gute Angebote für ihr Alter zu machen”.

Für Immo Querner, Finanzvorstand der Talanx AG, ist die Entscheidung der EZB “das nächste verheerende Zeichen der Geldpolitik in Richtung Sparer. Sie ist extrem kontraproduktiv für alle, die privat vorsorgen wollen”. Allerdings werde sich die Anlagepolitik des Versicherers “durch die Entscheidung der EZB kaum ändern. Unser Fokus liegt unverändert auf der Absicherung von Verpflichtungen und Garantien gegenüber unseren Versicherungskunden. Das ist und bleibt unsere Kernaufgabe”, so der Talanx-Vorstand weiter.

Auch aus der Wirtschaft sind kritische Stimmen zur EZB-Entscheidung zu hören. Für Georg Fahrenschon, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), ist klar: “Letztlich hatte die Notenbank wohl gar keine andere Chance mehr, als den Versuch zu starten, den von ihr selbst genährten Erwartungen der Märkte gerecht zu werden”.

Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), befürchtet durch die Entscheidung neue “Preisblasen an den Finanzmärkten”. Der Wirtschaft würden “diese immer weiter ausgedehnten expansiven Maßnahmen der quantitativen Lockerung kaum helfen”.

Und aus Sicht von DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben ist die EZB “zum Gefangenen der eigenen Ankündigungen geworden”. Sie habe “ohne Not nun ihren letzten Trumpf ausgespielt”. (vwh/td)

Bild: EZB-Chef Mario Draghi. (Quelle: World Economic Forum)

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