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Trump sorgt für Skepsis und Verunsicherung

10.11.2016 – donald_trump_dpaDie Entscheidung ist gefallen: Donald Trump wird der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Milliardär und politische Quereinsteiger setzte sich in einer langen Wahlnacht gegen die demokratische Favoritin Hillary Clinton durch. Die Reaktionen auf dessen Wahl schwanken zwischen Skepsis und Verunsicherung. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise rechnet mit Jahren der Unwägbarkeiten und Risiken.

Dabei prognostiziert der Ökonom in einem Beitrag für das Nachrichtenmagazin Focus Online einen Handelskrieg, schwaches Wirtschaftswachstum und eine höhere Inflation, sollte der künftige starke Mann im weißen Haus nur einen Teil seiner Wahlversprechen realisieren. Welche Auswirkungen seine Politik tatsächlich auf die US-Wirtschaft haben, “entscheidet sich aber letztlich im Kongress. Denn viele seiner Pläne stehen im klaren Gegensatz zu traditionellen republikanischen Positionen”, betont Heise.

Allianz-Chef Oliver Bäte sieht in dem Wahlergebnis vor allem eine Enttäuschung der US-Amerikaner über das Establishment. Dabei rechnet der Vorstandsvorsitzende des Branchenprimus in den kommenden Jahren einerseits mit Protektionismus und gleichzeitig mit fiskalpolitischen Anreizen (siehe KÖPFE).

Ähnlich bewertet auch Ifo-Präsident Clemens Fuest den Wahlsieg Trumps: Diese sei nicht nur ein Rückschlag für die wirtschaftliche Entwicklung. “Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß. In Deutschland hängen 1,5 Millionen Arbeitsplätze vom US-Geschäft ab, die USA sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands”, betont der Ökonom.

Dennoch könne der designierte US-Präsident “die Handelspolitik aber nicht alleine bestimmen. Er braucht den US-Kongress dazu. Trump wird bestehende Abkommen kaum kippen können, aber der Abschluss neuer Abkommen wie TTIP wird deutlich schwieriger. Europa sollte trotzdem versuchen, TTIP zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen”, fordert der Ifo-Chef.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie sieht angesichts des Wahlergebnisses eine “riesengroße Verunsicherung” in der Wirtschaft. “Donald Trump ist gut beraten, die US-Wirtschaft nicht von der Welt abzuschotten. Sonst wird die Unklarheit über den künftigen Kurs zu erheblichen negativen Effekten für die Weltwirtschaft führen”, betonte BDI-Präsident Ulrich Grillo in Berlin.

Entscheidend sei zudem, dass die USA ihr globales Engagement auf Basis bestehender Verträge, Institutionen und Bündnisse fortsetzen, fordert der BDI-Chef. “Die Vereinigten Staaten müssen weiter auf offene Märkte setzen. Alles andere wäre Gift für die US-Wirtschaft”, fordert Grillo.

Die digitale Wirtschaft sieht den Nachfolger Obamas ebenfalls in der Pflicht: “Nach seinem Wahlsieg muss Donald Trump Farbe bekennen. Die Digitale Wirtschaft in Deutschland und der gesamten EU erwartet verlässliche Rahmenbedingungen für die bewährte transatlantische Zusammenarbeit. Bestehende Freihandelsbeziehungen dürfen von der neuen US-Regierung unter keinen Umständen in Frage gestellt werden – dies wäre Gift für die Weltwirtschaft”, kommentiert Matthias Wahl, Präsident des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW), das Wahlergebnis.

“Donald Trumps aggressive Pläne zur Fiskalpolitik könnten sich positiv auf die US-Wirtschaft auswirken, indem sie private Investitionen ankurbeln und die Produktivität steigern”, glaubt Serge Pizem, Head of Multi Asset Investments, von Axa Investment Managers. “Zugleich könnten sie aber auch zu einer schnelleren Straffung der Geldpolitik führen, was sich wiederum negativ auf das Wachstum auswirken dürfte. Dadurch steigt mittelfristig wahrscheinlich die Verschuldung der USA”, ergänzt der Expte.

Für Dominic Rossi, Globaler Chief Investment Officer für Aktien der Fondsgesellschaft Fidelity steht die Weltordnung Kopf. “Das derzeitige Gefühl der Fassungslosigkeit über die Verschiebung der amerikanischen Politik nach rechts muss später einer nüchternen Risikobewertung weichen”, kommentiert der Experte. Die Folgen werde vor allem die US-Notenbank Federal Reserve zu spüren bekommen. “Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember, gefolgt von zwei weiteren Zinssteigerungen 2017, ist nun stark gesunken”, ergänzt Rossi. (vwh/td)

Bild: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. (Quelle: dpa)

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