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Tierhalterhaftung trotz Abwurf eines Ritters bei Fotoshooting

16.04.2014 – ritter-kaltenberg-150Ein als Ritter verkleideter Reiter, der sich für ein Fotoshooting auf ein fremdes Pferd setzt, dabei Schild und Schwert mit sich führt und aus heiterem Himmel abgeworfen und schwer verletzt wird, hat im Rahmen der Tierhalterhaftung Anspruch auf Schadenersatz und Ausgleichszahlungen für den Fall, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Das entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe in einem rechtskräftig Urteil. Eine Revision vor dem BGH wurde nicht zugelassen (VI ZR 23/13).

Aus den Gründen:

1. Vertragliche Ansprüche stehen dem Kläger nicht zu, weil die Beteiligten bei dem Vorgang keinen Rechtsbindungswillen hatten. Die Tochter der Beklagten gestattete dem Kläger gefälligkeitshalber das kurzzeitige Aufsitzen auf das Pferd zur Anfertigung von Fotos.

2. Der Kläger ist durch das Reitpferd der Beklagten an Körper und Gesundheit beschädigt worden. Bei dem Unfall hat sich die spezifische Tiergefahr verwirklicht, weil das Pferd plötzlich scheute und den Kläger abgeworfen hat. Zu Unrecht meint die Berufung, die Tierhalterhaftung scheide vorliegend aus, weil das Pferd unter menschlicher Leitung gestanden habe, weil die Tochter der Beklagten es am Zügel gehalten habe. Die Tochter der Beklagten hat das Pferd nicht dahingehend gesteuert, dass es bocke und den Kläger abwerfe. Vielmehr hatte dieses selbständige Verhalten des Pferdes seinen Grund in der Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens.

[...]

7. Dem Kläger ist kein Mitverschulden am Unfall anzurechnen.  Auch ist in Betracht zu ziehen, dass der Kläger als Ritter verkleidet war und das Pferd hierdurch irritiert sein konnte. Der Senat teilt aber nach Prüfung die Auffassung des Landgerichts, dass diese Umstände im Streitfall kein anspruchminderndes Mitverschulden des Klägers begründen. Zwar war er selbst mit dem Pferd nicht vertraut, er wusste aber, dass die Zeugin, die sein Aufsitzen beaufsichtigte und das Pferd währenddessen am Zügel hielt, das Pferd seit vielen Jahren kannte und betreute und keine Bedenken gegen das Vorhaben hatte. Der Kläger beabsichtigte auch keinen Ausritt mit dem Pferd, sondern lediglich ein kurzzeitiges Aufsitzen unter Aufsicht der dem Pferd seit vielen Jahren vertrauten Zeugin. Er wusste, dass schon andere für das Pferd fremde Personen, u.a. sein Sohn, auf dem Pferd gesessen hatten, und dass das Pferd ohne Probleme an öffentlichen Veranstaltungen mit vielen Menschen, wie Martinsumzügen und einem Mittelalterfest, teilgenommen hatte und dabei sogar an einem Schaukampf zwischen dem Kläger als verkleidetem Ritter und der Zeugin Mü. als Reiterin beteiligt war. Nach den Feststellungen des Landgerichts trug der Kläger bei dem Fototermin keine blecherne Rüstung, die durch ihr Aussehen und Gewicht und die von ihr verursachten Geräusche das Pferd in besonderem Maße irritieren und erschrecken konnten, sondern lediglich ein zwölf Kilogramm schweres Kettenhemd, von dem derartige Auswirkungen auf das Pferd nicht erwartet werden mussten. Auch trug der Kläger entgegen der Darstellung der Berufung Schild und Schwert noch nicht beim Besteigen des Pferdes. In der Tat hat das Pferd weder bei der Annäherung des Klägers in seinem Kettenhemd gescheut noch beim Besteigen des Pferdes, was noch am ehesten mit ungewohnten Geräuschen infolge des Kettenhemdes verbunden sein konnte, sondern hat erst gebockt, als der Kläger schon geraume Zeit auf dem Pferd saß und man ihm bereits den Schild hochgereicht hatte und im Begriff war, ihm auch das Schwert zu reichen. Bei Abwägung all dieser Umstände kann von einem Eigenverschulden des Klägers im Sinne des § 254 BGB nicht ausgegangen werden und gebietet auch die Billigkeit nach Treu und Glauben nicht, den Schadensersatzanspruch des Klägers unter dem Gesichtspunkt der Mitverursachung und des Handelns auf eigene Gefahr zu beschränken.

Zu Recht hat das Landgericht dem Kläger Schadensersatz unter dem Gesichtspunkt des Verdienstausfallschadens zugesprochen.

Bild: In voller Montur als Ritter auf ein Pferd steigen, das sollte man besser den Profis überlassen. (Quelle: Kaltenberger Ritterturnier)

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