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Suizident zu Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt

19.03.2014 – versR_heft_cover_9Wer durch einen fehlgeschlagenen Suizidversuch Passanten verletzt, muss damit rechnen, diese im Schadenfall zu entschädigen. Das Landgericht Frankfurt/Main entschied in einem aktuellen Urteil, bei dem eine Schwangere verletzt wurde, grundsätzlich zum Thema Billigkeitshaftung, wie VersR, die Fachzeitschrift für Versicherungsrecht in ihrer morgen erscheinenden Ausgabe (VersR, 65. Jhrg. Heft 9) berichtet.

Eine Billigkeitshaftung gem. § 829 BGB kann unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls begründet sein, wenn der Handelnde im Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit durch einen Suizidversuch die Verletzung einer anderen Person herbeiführt (hier: Haftpflichtiger wird bei dem Versuch, sich vor einen einfahrenden Zug zu werfen, auf eine schwangere Frau geschleudert).

Im vorliegenden Fall machte die Klägerin gegen den Beklagten Ansprüche nach einem Suizidversuch geltend. Die Klägerin befand sich auf einem Bahnsteig. Der Beklagte unternahm zu diesem Zeitpunkt einen Suizidversuch, indem er sich in Richtung der einfahrenden Bahn bewegte und von dem einfahrenden Zug erfasst wurde. Von der Bahn wurde er auf den Bahnsteig zurückgeschleudert, hierbei kamen mehrere Personen, u.a. die Klägerin zu Fall. Die zum Unfallzeitpunkt in der 16. Woche schwangere Klägerin erlitt durch das Verhalten des Beklagten eine traumatische Fraktur des Humerusschafts links. Ebenfalls erlitt sie erhebliche Angst um das Leben ihres ungeborenen Kindes. Die Klägerin wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, behandelt und operiert. Aufgrund ihrer Schwangerschaft konnte sie lediglich örtlich betäubt werden. Sie befand sich stationär in der Klinik und war noch zwei Monate arbeitsunfähig. Das ungeborene Kind wurde durch den Unfall nicht geschädigt.
Die Klägerin trugt zu den Unfallfolgen vor, es sei durch die Operation eine 15 cm lange Narbe auf ihrem linken Oberarm, die teilweise wulstartig sei, zurückgeblieben. Die Klägerin habe nach der Geburt des Kindes dieses nicht auf dem linken Arm tragen oder zum Stillen an der linken Brust halten können, auch habe sie das Kind nicht allein baden können, sie sei insoweit auf die Hilfe ihrer Mutter oder ihrer Schwester angewiesen gewesen. Gleiches gelte auch für die Versorgung, da sie keine größeren Einkäufe habe erledigen können. Sie ist der Ansicht, dass die Narbe eine erhebliche optische Beeinträchtigung sei, die sie sehr belaste. Die Klage hatte teilweise Erfolg. Der Klägerin wurden 3.500 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. (vwh)

LG Frankfurt/M., Urteil vom 24. 10. 2013 (2-13 O 86/10)

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