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22.09.2017
Tagesreport

S&P untersucht Zinssensivität europäischer LV-Märkte

15.05.2014 – standard-and-poors-logoDie Ratingagentur Standard & Poor’s hat untersucht, welche Auswirkungen Änderungen im Zinsumfeld auf verschiedene europäische Lebensversicherungsmärkte haben könnten. Der Artikel mit dem Titel „Why Some European Life Markets Are More Sensitive To Interest Rate Movements Than Others” identifiziert Lebensversicherungsmärkte, die besonders sensitiv für ein sich änderndes Zinsumfeld sind:

Als da wären, Dänemark, Deutschland, Finnland,  Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden und die Schweiz.

Diversifikation ist aus Sicht von Standard & Poor’s ein wesentliches Differenzierungselement.  Diversifikation durch Aktivitäten in anderen Sparten oder in anderen Ländermärkten macht Unternehmen weniger abhängig von den Entwicklungen in einzelnen Sparten bzw. Ländern. Aus unserer Sicht profitieren Lebensversicherer z.B. in Deutschland, der Schweiz und Österreich davon, Teil größerer Gruppen zu sein, die auch in der Komposit- oder Krankenversicherung sowie teilweise auch in verschiedenen Auslandsmärkten agieren.

Standard & Poor’s beobachtet, dass Versicherer als Reaktion auf ein schwieriger werdendes Kapitalmarktumfeld versuchen, ihr Neugeschäft weniger auf traditionelle Sparprodukte mit Garantieelementen zu fokussieren. So werden verstärkt Sparprodukte angeboten, die entweder keine oder geringere bzw. flexiblere Garantien aufweisen oder in denen die Garantien durch alternative Deckungskonzepte hergestellt werden. Darüberhinaus konzentrieren Versicherer sich zunehmend auf sogenannte biometrische Produkte zur Absicherung von Todesfall- oder Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrisiken. Nicht in allen Märkten sind Versicherer in diesem Bemühen gleichermaßen erfolgreich. So beobachten wir, dass Kunden in manchen Märkten offenbar deutlich risikoaverser sind als in anderen.

Entsprechend ergeben sich unterschiedlich stark ausgeprägte Bestandsmanagementerfordernisse. Lebensversicherer in Skandinavien z.B. agieren mit teilweise deutlich niedrigeren Kostenquoten als die meisten Unternehmen in Westeuropa, was angesichts niedrigerer Renditen an den Kapitalmärkten von Vorteil ist. Gleichwohl durchlaufen Lebensversicherer zumeist ähnliche Anpassungsprozesse, wie z.B. teilweise sehr deutliche Anpassungen der Gewinnbeteiligungen als Reaktion auf reduzierte Kapitalanlageerträge. Ganz überwiegend haben Versicherer auch die Laufzeitenstruktur ihrer Kapitalanlagen an die der Verpflichtungen angepasst, um so ihre Anfälligkeit für Niedrigzinsen zu reduzieren.

Auf der anderen Seite lässt sich auch feststellen, dass Versicherer versuchen, ihr Kapitalanlageergebnis zu stützen, indem sie in höher-rentierliche, aber auch stärker risikobehaftete Anlagen investieren. Während deutsche und Schweizer Unternehmen z.B. eher verstärkt in Kreditrisiken investieren, weisen z.B. finnische und schwedische Versicherer im Mittel deutlich höhere Aktienquoten auf. Wir beobachten außerdem, dass Versicherer in allen hier betrachteten Märkten Fortschritte im Hinblick auf ihr Enterprise Risk Management gemacht haben, in Teilen getrieben durch die bevorstehende Einführung von Solvency II.

Insgesamt zeigt ein detaillierter Blick auf die europäischen Lebensversicherungsmärkte viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede in den grundsätzlichen Marktcharakteristika und Geschäftsmodellen. Nicht alle der genannten Faktoren können von Stakeholdern der Versicherungsunternehmen (Management, Aufsicht, Politik, Versicherungsnehmer) direkt beeinflusst werden, zudem die langfristige Natur der Lebensversicherung kurzfristig wirksame Anpassungen erschwert. Dennoch sind wir der Ansicht, dass in vielen Märkten weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die potenzielle Herausforderung eines lang anhaltenden Niedrigzinsumfelds zu meistern. (vwh)

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