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Solvenzquoten fahren Achterbahn

10.08.2015 – Das neue Aufsichtssystem soll die ökonomische Realität besser widerspiegeln. In der Realität werden die Solvenzzahlen stark schwanken. Wie sich das konkret auswirkt, zeigen die Berichte von Allianz und Hannover Rück.

Durch Solvency II erhöhen sich die Spielräume für Zahlenakrobatik. Das wurde schon in der 13-jährigen Vorbereitung angemerkt. Wie sich das auswirkt, wird allmählich konkret. “In jedem Fall wird die Solvency-II-Regulierung aufgrund des zugrunde gelegten Ansatzes einer Marktwertbilanz im Vergleich zu Solvency I zu einer erhöhten Volatilität führen”, merkte die Allianz in ihrem Geschäftsbericht an.

Aktuell liegt die Solvenzquote des Münchener Versicherungsriesen bei 212 Prozent (Solvency II). Zum Jahresende 2014 lag sie noch bei 191 Prozent, Ende 2013 waren es 222 Prozent. Bemerkenswerter Weise wuchs das Eigenkapital der Allianz von 2013 bis 2014 um 21 Prozent auf knapp 61 Mrd. Euro an, während der Umsatz nur um zehn Prozent wuchs. Wegen ihrer großen Diversifikation profitiert die Allianz von dem neuen Aufsichtssystem. Nach Solvency I ist die Solvenzquote deutlich niedriger. Ende 2014 lag sie bei 181 Prozent, Ende 2013 bei 182 Prozent.

Noch viel größer ist der Unterschied bei der Hannover Rück, die ihr Geschäft sehr stark diversifiziert. Die Solvenzquote nach Solvency I lag Ende 2014 bei 136 Prozent. Nach Solvency II erreicht sie jedoch 250 Prozent des aufsichtsrechtlich geforderten Mindestkapitals. Die Bafin hat jetzt das interne Modell der Hannoveraner genehmigt. Dieses Modell verwenden die Hannoveraner bereits seit mehreren Jahren.

Hier ist noch viel im Fluss. Im Geschäftsbericht 2014 bezifferte die Hannover Rück ihre Solvenzquote nach dem neuen Modell auf 286 Prozent, für ein Sicherheitsniveau von 99,5 Prozent des Kapitals, welches die Behörde ökonomisch für mindestens erforderlich hält. Schraubt man die Ansprüche hoch und geht von einem Sicherheitsniveau von 99,97 Prozent aus, läge die Quote aber nur bei knapp 160 Prozent. Die Solvenzquoten der Hannover Rück sanken, obwohl von 2013 auf 2014 das Eigenkapital um satte 17 Prozent gewachsen ist, der Umsatz aber nur um 2,9 Prozent.

Die Anstrengungen der Konzerne um das Kapitalmanagement dienen vor allem den Ratingagenturen. Die Beispiele zeigen, dass die Rating-Noten durch die behördliche Solvenzquote nicht ersetzt werden kann. (ba)

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