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Solvency II im Probelauf

30.05.2014 – Dr_riesWie gestaltet sich der schrittweise Übergang in die neue Aufsichtswelt Solvency II? Wie funktioniert der Orsa-Prozess im Rahmen der Kapitalanlagesteuerung? Wie kann IFRS 4 sinnvoll umgesetzt werden? Mit diesen und anderen Fragen befasste sich der 3. Messekongress „Finanzen und Risikomanagement“ der Versicherungsforen Leipzig, der am 27. und 28. Mai in der Messestadt stattfand.

Wie in Österreich die Einführung der Governance-Prozesse (Säule II von Solvency II) durch die Umsetzung der von der Eiopa bereitgestellten so genannten Preparatory Guidlines (vorbereitende Leitlinien) vonstatten geht, darüber berichtete Stephan Korinek von der Finanzmarkaufsicht (FMA). Aus Sicht der FMA sind die Leitlinien geeignet, um Zeit für die Implementierung zu geben, einen „Big bang“ sowie uneinheitliche Lösungen in der EU zu vermeiden. Alle nationalen Player sind verpflichtet, alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Leitlinien nachzukommen. „Im Rahmen der nationalen Möglichkeiten sind sie also verpflichtend“, schlussfolgerte er. Vier interne Kontrollfunktionen spielen dabei ineinander und geben unterschiedliche Sichtweisen auf die Sicherstellung der Governance wieder: Compliance, Risikomanagement, Aktuarielles sowie Interne Revision. Nicht alle Aspekte der Anforderungen etwa an das Management von Versicherungsunternehmen prüft die Aufsicht direkt. Die Prüfung fachlicher Qualifikationen und persönlicher Zuverlässigkeit von Schlüsselfunktionen liege beim Unternehmen. „Es gibt Spielräume bei der Prüfung. Aber wenn ein Maßstab oder ein Verfahren gewählt wurde, um etwa neue Vorstände zu beurteilen oder ihre Arbeit einzuschätzen, dann muss sich das Unternehmen daran messen lassen“, machte er deutlich. Die FMA setze bei der Umsetzung momentan auf den Dialog mit den Unternehmen. Parallel dazu laufen Projekte zu den Internen Modellen. Bis zur Einführung im Jahr 2016 nehme das „Feintuning“ stetig zu. Insofern sei man mit dem Stand des gegenwärtigen „Probelaufs“ zufrieden und hinsichtlich des Einführungstermins optimistisch.

Mit dem Orsa-Prozess (Own Risk and Solvency Assessment), der ein wesentlicher Bestandteil des Governance-Systems von Versicherungsunternehmen ist und mit dessen Hilfe die unternehmenseigene Risiko- und Solvabilitätssituation beurteilt werden soll, befasste sich Barbara Ries, Abteilungsleiterin Marktrisikomanagement, ALM, Planung der Provinzial NordWest Holding AG. Aus ihrer Sicht sollen damit vier Ziele erreicht werden:

  • Die kontinuierliche Analyse des eigenen Risikoprofils und Kapitalbedarfs für die Steuerung,
  • die Verknüpfung von Geschäftsplan, Risiko- und Kapitalmanagement sowie aktive Einbindung des Vorstands,
  • die kritische Beschäftigung mit den Annahmen der Standardformel sowie
  • die Bewertung langfristiger und nicht-quantifizierbarer Risiken.

„Im Rahmen des Orsa-Prozesses erfolgt die interne Bewertung der Risikotragfähigkeit. In der Provinzial NordWest werden die bisherigen HGB-Bilanz-Projektionen um Solvenzbilanzen und SCR-Berechnungen ergänzt“, macht sie deutlich. Insofern handele es sich für ihr Unternehmen nur um eine Erweiterung der bisherigen Eigenbeurteilung.

Wie die R+V ein anderes großes regulatorisches Projekt, die Umsetzung des internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS 4, organisatorisch in Angriff nimmt, darüber berichtete Ingo Bauer, Abteilungsleiter Rechnungswesen. Obwohl man zur genossenschaftlichen Finanzgruppe gehöre, müssen man sich auf IFRS 4 vorbereiten, da die DZ Bank als Mutterunternehmen einen IFRS-Konzernabschluss mache, in den man als Versicherer einbezogen ist. Da man das Jahr 2017 bereits nach dem Standard rechnen müsse, muss die Einführung Ende 2016 im Wesentlichen abgeschlossen sein, so Bauer. Im Vorprojekt, in dem man die Bilanzierungsvorschläge aus dem Jahr 2010 bearbeitet habe, seien bereits eine Aufwandsplanung sowie ein erstes IT-Zielbild entstanden, die man für den revidierten Standardentwurf ED/2013/7 des International Accounting Standards Board (IASB) nutzen könne. Wichtige Erfahrungen des Gesamtprozesses beziehen sich darauf, dass die Fachbereiche frühzeitig und kontinuierlich informiert und eingebunden, der Vorstand für das Thema sensibilisiert, ein Wirtschaftsprüfer einbezogen, die Gesamtprojektverantwortung aber beim internen Rechnungswesen verbleiben sowie möglichst viele Synergien mit Solvency II genutzt werden sollten. (epo)

Bild: Barbara Ries – Abteilungsleiterin Marktrisikomanagement, ALM, Planung, Provinzial NordWest Holding AG sprach über “Der ORSA-Prozess im Rahmen der Kapitalanlagesteuerung”. (Quelle: Versicherungsforen Leipzig)

Link: Veranstaltungsprogramm (PDF)

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