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Russland und das politische Risiko der Versicherer

30.01.2014 – Putin-BarrossoDer EU-Russland-Gipfel in Brüssel ist vorbei, Wladimir Putin wieder abgereist und als Ergebnis meldeten die Beobachter als Erfolg, dass sich das Verhältnis  zwischen ihm und Brüssel trotz des Konflikts wegen der Ukraine und vieler anderer politischer Streitigkeiten wenigstens noch nicht weiter verschlechtert hat.

Über Fortschritte in den Beziehungen im wirtschaftlichen Bereich gab es von dem Treffen allerdings wohl auch nichts zu berichten. Die scheinen sich seit geraumer Zeit sogar eher zu verschlechtern. Im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO beispielsweise, deren Mitglied Russland seit Mitte 2012 ist,  überziehen sich beide Seiten inzwischen offenbar vorzugweise mit Klagen wegen unzulässiger Handelsbeschränkungen.

Dabei hatten nicht zuletzt Versicherer wie die Allianz SE genau davon erhebliche Fortschritte bei ihren Expansionsanstrengungen Russland versprochen. Denn an der Marktsituation dort hat sich für die Assekuranz wenig geändert: Mit Prämieneinnahmen pro Kopf der Bevölkerung von gerade mal 182 US-Dollar im Jahr 2012 liegt der größte Flächenstaat der Erde zwar knapp vor China,  stellt damit aber im Vergleich zu den westlichen Industrieländern nach wie vor ein noch nahezu völlig unerschlossenes Gebiet dar.

Zugleich lockt die Dynamik durchaus. Gemessen an den Zuwachsraten zählt Russland laut „Direct Insurance 2013“- Studie des Instituts für Versicherungswirtschaft an der Universität St. Gallen gemeinsam mit Brasilien und Hongkong inzwischen weltweit zu den Spitzenreitern.

Das Bewusstsein für den Bedarf an privatem Versicherungsschutz, das nach dem Ende der Sowjetunion zunächst kaum vorhanden war, scheint inzwischen zu wachsen. Das ist einerseits die Folge davon, dass sich mehr und mehr ein Mittelstand entwickelt, der sich den Einkauf von Versicherungsschutz finanziell tatsächlich leisten kann. Anderseits wirken die Erfahrungen aus den immer häufigeren Naturkatastrophen wie den verheerenden Waldbränden rund um Moskau im Jahre 2010 oder der Überschwemmungskatastrophe, die 2012 erhebliche Teil der russischen Schwarzmeerregion heimsuchte, offenbar in zunehmend breiteren Bevölkerungskreisen nach. Die russische Regierung erwägt seither sogar, für alle Immobilienbesitzer eine Versicherungspflicht gegen Elementarschaden-Risiken einzuführen, notierte die Munich Re in der letztjährigen „Topics Geo“-Ausgabe zu den Naturkatastrophen 2012.

Das alles wird derzeit jedoch von den „politischen Risiken“ überdeckt, mit denen Versicherer sich keineswegs nur in Russland konfrontiert sehen. Bleibt ihnen wohl nur eine Erkenntnis des scheidenden EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso nach rund 20 EU-Russland-Gipfeln als Trost: Es gehe eben um einen „langen Prozess“, resümierte der.  (rem)

Foto: Putin, van Rompuy und Barroso haben nicht viel Zeit miteinander verbracht (2 Std.), dabei gibt es soviel zu bereden. (Quelle: The Presidential Press and Information Office of the Russian Federation)

Link: DOSSIER

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