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Rentensystem: Stärkung des dualen Kerns

28.08.2014 – heribert-karch-150Im Sommer-Interview mit VWheute plädiert Heribert Karch, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (Aba), für angemessene Übergangsfristen hinsichtlich der vom Europaparlament beschlossenen Mobilitäts-Richtlinie. Er will sich auch dafür einsetzen, dass bei der Betriebsrente an den richtigen Stellschrauben gedreht wird.

VWheute: Herr Karch, wir wollen mal nachhaken. Im Interview mit VWheute vom 6. Mai 2014 reagierten Sie auf die vom Europarlament kurz zuvor beschlossene Mobilitäts-Richtlinie. Sie sprachen von „Belastungen für die deutsche bAV“ und sagten: „Jetzt muss vor allem nach Wegen gesucht werden, die Belastungen so gering wie möglich zu halten, dies gilt vor allem für den Bestand.“ Was stellen Sie sich konkret vor?

Karch: Die anstehende Verkürzung der Unverfallbarkeitsfrist auf drei Jahre und die Herabsetzung des Mindestalters für die Unverfallbarkeit auf 21 Jahre machen eine steuerliche Flankierung notwendig. Was unverfallbar ist, sollte auch ausfinanzierbar sein. Außerdem brauchen wir angemessene Übergangsfristen, um Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ihre Systeme anzupassen und vernünftige Konditionen für den Bestand zu wahren. Sorgen bereitet mir auch die Verschärfung bei den Abfindungsmöglichkeiten für Kleinstanwartschaften. Das ist ja schon die falsche Denkrichtung: Nicht dort ist zu optimieren, sondern bei den Anwartschaften selbst. Kleinstanwartschaften sollte es heute überhaupt nicht mehr geben.

Was sind Ihre Prioritäten im zweiten Halbjahr 2014?

Laut Koalitionsvertrag soll die Betriebsrente gestärkt werden. Das unterstützen wir voll und ganz, aber dazu man muss auch an den richtigen Stellschrauben drehen. Die Betriebsrente muss einfacher werden. Handlungsbedarf gibt es besonders bei ihrer steuerlichen Förderung, den Vorschriften zur Kapitalanlage und der Übersteuerung der Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherung. Neben diesen nationalen Baustellen dürfen wir Brüssel nicht vergessen – das Stichwort Solvency II sagt Ihnen ja genug.

Was sind Ihre Visionen für 2014/15?

In der Terminologie der Sozialstaatsmodelle gesprochen: Mut zu weniger Bismarck und mehr Beveridge. Das Ergebnis muss ein Rentensystem mit dualem Kern – Staat und Betrieb – sein. Das ist der Kontext, in dem die meisten Menschen erwerbstätig sind. Die meisten der sogenannten Beveridge-Länder in Europa haben die Altersversorgung viel besser stabilisiert als wir. Dort spielen die Sozialpartner eine zentrale Rolle. Mit den Trägern unserer sozialpartnerschaftlichen Tradition muss viel intensiver gesprochen werden. Ihre Ideen müssen gehört, ihre Bedürfnisse sehr ernst genommen werden. Dann kann – im Unterschied zu dem Stückwerk, das wir vielfach hatten – für die notwendige Detailarbeit ein gemeinsamer Masterplan entstehen.

Ihre persönlichen Wünsche für den Rest des Jahres?

Ach, mir gefällt ja ein Leben, in dem Persönliches, Berufliches und Ehrenamtliches eine Einheit bilden dürfen. Mein größter Wunsch wäre in der Tat – jetzt kommt ein großer historisch besetzter Begriff – eine konzertierte Aktion aller Beteiligten für ein nachhaltig stabiles Rentensystem. Demografisch orientierte Politik ist die größte Schwachstelle in unserem modernen Land. Besonders das Bundesministerium für Finanzen sollte sich deutlich stärker dem systemischen Dialog öffnen, der hier dringend notwendig ist.

Wo verbringen Sie oder haben Sie in diesem Jahr Ihren Sommer-Urlaub verbracht?

Ich war kurz auf Ibiza, fahre noch eine Woche in die Provence und dann geht’s wieder los.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteurin Silvia Ellinger.

Foto: Heribert Karch, Aba-Vorstandsvorsitzender, Geschäftsführer Metallrente.

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