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Reiserücktritt: Kein Geld für chronisch Kranke

04.04.2014 – versrEine Reiserücktrittversicherung muss nur bei unerwartet schweren Erkrankungen bezahlen. Schübe, die typisch für eine Krankheit sind, gelten nicht als unerwartet. Das hat das Amtsgericht Oschatz in seinem Urteil vom 13.12.2012 festgestellt (2 C 177/12).

Im vorliegenden Fall verlangte der an einer schweren Lungenerkrankung leidende Kläger von seiner Reiserücktrittversicherung die Stornokosten für eine gebuchte Flugreise zurück. Darüber hinaus ging es ihm um die Erstattung der Anwaltskosten und der Gerichtskosten.

Hierzu holte er bei seinem behandelnden Arzt eine Bescheinigung als Nachweis seiner Reiseunfähigkeit ein. Gemäß Rechnung des Dr. T. vom 16.10.2011 hatte der Kläger hierfür Kosten in Höhe von 41,07 Euro zu tragen, die der Kläger bezahlte. Die Beklagte holte eine ärztliche Bescheinigung des Dr. T. ein. Mit Schreiben vom 17.1.2012 lehnte die Beklagte die Erstattung der Kosten ab. Daraufhin beauftragte der Kläger den Prozessvertreter mit der Geltendmachung der Forderung. Mit Schreiben vom 20.1.2012 forderte der Kläger-Vertreter die Beklagte zur Zahlung auf. Hierfür waren vorgerichtliche Gebühren in Höhe von 229,55 Euro entstanden, die der Kläger bezahlte. Der Kläger trug vor, er habe am 14.2.2011 Dr. T. wegen der beabsichtigten Buchung einer Flugreise angesprochen. Dieser habe mitgeteilt, dass er keine Bedenken habe. Zum Zeitpunkt der Buchung sei der Kläger reisefähig gewesen und habe sich im Status stabilen Wohlbefindens befunden. Der Lebensablauf habe sich zu diesem Zeitpunkt vergleichbar einem gesunden Menschen gestaltet, mit den Einschränkungen, die aus der Grunderkrankung resultieren. Die Klage hatte keinen Erfolg.

Aus den Gründen:

Auch bei einer plötzlichen Verschlechterung einer bekannten oder auch chronischen Erkrankung, die vorher die Reise nicht infrage stellte, besteht Versicherungsschutz, wenn diese Verschlechterung erheblich war. Entscheidend ist die Wahrscheinlichkeit, mit der eine solche Verschlechterung zu erwarten war. Beim konkreten Fall waren die Schübe mehrmals pro Jahr aufgetaucht, allein nach der Buchung der Reise bereits zwei Mal, keineswegs unerwartet also.

Weitere Kommentare zu Urteilen mit Präzedenzcharakter im soeben erschienen Aufsatzheft der juristischen Fachzeitschrift VersR Heft 11/2014.

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