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“Probleme der bAV offen benennen”

04.11.2014 – gert_wagner_tu_berlin_diw_150Gastbeitrag von Professor Dr. Gert G. Wagner, Technische Universität Berlin und DIW Berlin.

Die Meinung, dass eine akzeptable Altersversorgung am einfachsten durch die gesetzliche Rentenversicherung zu erreichen wäre, ist vertretbar. Allerdings scheint es vor allem im sozialpolitischen Interesse der Menschen sinnvoll, die betriebliche Altersvorsorge auszubauen.

Ein Ausbau der gesetzlichen Rente hin zu einer lebensstandardsichernden Versicherung für Alle, wie dies bis in die 80er Jahre der Fall war, wird zwar von vielen Wissenschaftlern, etlichen Politikern und vielen Bürgern durchaus gewünscht, aber diese Option ist aktuell unrealistisch.

Hinzu kommt: ein nur auf eine Säule aufbauendes System der Altersvorsorge hätte auch Nachteile, da gewissermaßen alles auf eine Karte gesetzt wird.

In einer unsicheren Welt ist es grundsätzlich immer sinnvoll, nicht alle Äpfel in einen Korb zu legen. Dies spricht neben der gesetzlichen Rente für private und betriebliche Vorsorge. Und schließlich ist die betriebliche Altersvorsorge wahrscheinlich das beste Instrument, mit dem die allseits gewünschte größere Flexibilität des Übergangs in den Ruhestand erreicht befördert werden kann.

Die Flexibilisierung des Ruhestandes erfordert betriebliche bzw. branchenspezifische Lösungen, die zum Beispiel die körperliche Belastung und den Gesundheitszustand von Arbeitnehmern im allgemeinen berücksichtigen. Wenn neben der Erwerbsminderungsrente für gesundheitlich angeschlagene Arbeitnehmer bessere Modelle des Übergangs in einen frühen Ruhestand gefunden werden sollen, dann wird dies auf der Ebene von Betrieben und Branchen wahrscheinlich einfacher zu erreichen sein als im System der gesetzlichen Rente. Beispielhaft genannt seien etwa die tariflich geregelten Instrumente zur Altersteilzeit in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg und der „Tarifvertrag Lebensarbeitszeit und Demografie 2012“ der Chemie-Sozialpartner.

Zur sozialpolitischen Bewertung der betriebliche Altersversorgung (bAV)  gehört aber auch, dass ihre Probleme offen benannt und diskutiert werden. Aus sozialpolitischer Sicht ist das größte Problem, dass die bAV bei weitem nicht alle Arbeitnehmer und Altersvorsorgende erreicht. Eine gut ausgebaute bAV ist nach wie vor eher in Großbetrieben zu finden. Umso wichtiger sind tarifvertragliche Regelungen – wie die oben genannten  –  auf der Ebene von Branchen. Von den Sozialpartnern getragene betriebliche Vorsorgesysteme können gerade auch Kleinbetrieben preiswerte und maßgeschneiderte betriebliche Lösungen (an)bieten.

Auch wenn der politische Wille groß ist, die betriebliche Vorsorge auszubauen, werden gewisse Lücken bleiben. Inwieweit es die Riester- und Rürup-Renten schaffen werden diese Lücken besser zu schließen als das bislang der Fall ist, ist eine offene Frage. Diese Unsicherheit darf aber nicht dazu führen, dass es unterlassen wird, die bAV gezielt auszubauen.

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