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“PKV muss sich reformieren und modernisieren”

02.02.2016 – Laue“Die Lage für die deutsche Versicherungsbranche und damit die private Krankenversicherung (PKV) war in den vergangenen Jahrzehnten noch nie so schwierig und so komplex wie zur Zeit,” konstatierte PKV-Verbandschef Uwe Laue auf dem Neujahrsempfang des VGA-Bezirks Rhein-Main. Nicht nur die Niedrigzinsen, immer neue regulatorische Vorschriften, und die Digitalisierung stellen neue Herausforderungen für die Branche dar. Die PKV hat auch ein Imageproblem.

Image, Wechselperspektiven, Billig- und Einsteigertarife, GDV-Verhaltenskodex und Vermittlerqualität, sowie eine “Rosinenpickerei” waren die vermeintlichen Kritikpunkte in der öffentlichen Wahrnehmung, mit denen Laue die anwesenden Führungskräfte konfrontierte.

So machte es sich der PKV-Chef zum Credo seines Vortrages, mit manchem – aus seiner Sicht unzutreffenden – Bild der PKV in der medialen Darstellung aufzuräumen. Als zentrales Beispiel dafür nannte Laue die Beitragsstabilität in der PKV.
Anhand der Zahlen eines großen PKV-Unternehmens verwies er darauf, dass lediglich 0,45 Prozent aller Vollversicherten einen Beitragssatz entrichten, der über dem GKV-Höchstsatz von 639,38 Euro liege. Nur bei 0,04 Prozent der Versicherten liege der Beitrag über 800 Euro und nur vier von 2,3 Millionen Versicherten zahlten mehr als 1.000 Euro im Monat. Auch mit dem Vorurteil altersbedingter Ungleichheiten wollte Laue aufräumen: “Die 90-Jährigen zahlen in der PKV so viel wie ein 70-Jähriger”, betonte Laue vor dem anwesenden Publikum.

Hart in die Kritik ging der PKV-Chef jedoch mit den Billig- und Einsteigertarifen, die – so Laue – Sprengstoff für Beitragserhöhungen darstellen, zumal diese teilweise sogar noch unter den GKV-Leistungen lägen. Zwar haben sich die meisten privaten Krankenversicherer von diesen Tarifen verabschiedet, meint Laue. Dennoch habe es immer wieder “irreführende Angebote” gegeben. So habe es Werbeanzeigen gegeben, in denen bereits ein Vollversicherungsschutz für 59 Euro im Monat angeboten werde. “Einen solchen Tarif bietet aber kein deutsches PKV-Unternehmen an. Das gibt es nicht”, erklärt Laue. Vielmehr handele sich dabei um Anbieter, denen es gar nicht um die Werbung für entsprechenden Versicherungsschutz gehe. Stattdessen wolle man “Daten für andere Zwecke abgreifen”, so Laue – darunter beispielsweise auch für Zeitschriftenabos. So werde der PKV-Verband auch weiterhin gegen diese Angebote vorgehen, da er eine ganze Branche in Mitleidenschaft ziehe, ergänzt Laue.

Auch beim Vorwurf der “Rosinenpickerei” habe sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Demnach sei es der Öffentlichkeit weitgehend entgangen, dass die privaten Krankenversicherer bereits seit Jahren bei den Beamtenanfängern eine Aufnahmegarantie gewähren. “Mittlerweile bieten einige PKV-Anbieter auch eine Aufnahmegarantie für Angestellte an”, teilt Laue mit.

Harsche Kritik übte Laue auch an der heutigen Versicherungspflichtgrenze. Demnach sei die GKV vom damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck “ursprünglich als Privileg für Geringverdiener geschaffen für Menschen, die schutzbedürftig waren”. Mit der heutigen Regelung seien hingegen “89 Prozent der Menschen schutzbedürftig”.

Einst abgezielt auf Arbeiter war die Einkommensgrenze somit “ursprünglich eine Grenze nach unten”, sagt Laue. Alle anderen Berufsgruppen sollten weiterhin in der PKV versichert bleiben. Somit war die PKV damals die Hauptkrankenversicherung in Deutschland. Die historisch bedingte Umkehrung habe somit dazu beigetragen, dass die PKV heute als unsolidarisch angesehen werde, kritisiert Laue: “Darf der Sozialstaat überhaupt so weit gehen? Muss der Staat einen Menschen mit einem Einkommen von 56.000 Euro Jahreseinkommen noch als schutzbedürftig deklarieren? Ich glaube nicht!”, sagt der PKV-Verbandchef.

Mit Blick auf die Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) betont Laue: “Die PKV steht für freie Arztwahl und eine Tariffreiheit.” Der GOÄ komme hierbei eine zentrale Rolle zu. So stammt die derzeitige Fassung aus dem Jahr 1982. Demnach “bedarf es aus Sicht der Ärzte und der PKV einer dringenden Überarbeitung”, fordert Laue: “Sie soll auch in Zukunft ein Garant für Leistungsgerechtigkeit, Budget- und Therapiefreiheit” sein. Dabei lege die neue GOÄ nun einen Schwerpunkt auf die sprechende Medizin, ergänzt der PKV-Verbandschef. So geht Laue davon aus, dass man Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ein leistungsfähiges Paket vorlegen könne. (td)

Bild: Uwe Laue, Präsident des PKV-Verbandes (Quelle: PKV-Verband)

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