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PKV: “Lage frei von ideologischen Zuspitzungen”

28.08.2015 – roland_weber_brsBeim Thema private Krankenversicherung (PKV) herrscht in der Großen Koalition der vereinbarte “Waffenstillstand”. Die SPD hält aber weiterhin an der Idee eine Bürger-Kranken- und Pflegeversicherung fest. Auch kleinste sinnvolle Verbesserungen für die PKV scheinen außer Reichweite. Roland Weber, Vorstand der Debeka Krankenversicherung, sieht im Exklusiv-Interview mit VWheute jedoch keine “ideologischen Zuspitzungen”.

VWheute: Wie beurteilen die privaten Krankenversicherer derzeit das politische Umfeld. Sehen Sie doch noch Chancen, dass der Gesetzgeber im Bereich PKV nachjustiert (etwa bei den Regeln für die Beitragsanpassungen oder dem Einsatz von Alterungsrückstellungen)?

Roland Weber: Die politische Lage ist derzeit frei von ideologischen Zuspitzungen. Die Private Krankenversicherung bemüht sich dort um politische Zustimmung, wo die Interessen der Versicherten gestärkt werden sollen. So ist es zum Beispiel ein besonderes Anliegen für uns, abrupte Beitragssprünge zu vermeiden und eine stetige Beitragsentwicklung zu ermöglichen.

Dieses Ziel hatte der Gesetzgeber übrigens explizit bei der VVG-Reform 2008 ausgegeben. Verstetigung der Beitragsentwicklung ist ein langfristiges Thema. Da ist es nicht entscheidend, ob der Gesetzgeber unsere Vorschläge jetzt oder erst in einigen Jahren aufgreifen wird. Seit mehreren Jahren konstatieren wir eine moderate Entwicklung der Leistungsausgaben und der Beiträge. Sollte es dann nach vier oder fünf Jahren eine stärkere Anpassung geben, eventuell verbunden mit einer Rechnungszinsabsenkung in den Bisex-Tarifen, können wir dies unseren Versicherten sicherlich offen und verständlich kommunizieren. Im übrigen werden diese Anpassungen dann in eine Zeit fallen, in der die Zusatzbeiträge in der GKV auf breiter Front steigen werden.

VWheute: Welche Auswirkungen haben aktuelle Gesundheitsreformen (etwa zweite Pflegereform, Krankenhausreform, GKV-Versorgungsstrukturgesetz) auf die privaten Krankenversicherer?

Roland Weber: Wir unterstützen ausdrücklich das Ziel der Reformen, nämlich die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland zu verbessern. Die im Krankenhaus-Strukturgesetz vorgesehenen Maßnahmen sind derzeit aber vor allem mit einem erheblichen Erfüllungsaufwand für die Kostenträger verbunden. Hier gilt es, die Aufgaben gerechter zu verteilen und z.B. auch die Länder stärker in die Pflicht zu nehmen – etwa im Bereich der Investitionskostenförderung.

Außerdem begrüßen wir die Weiterentwicklung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit und die damit verbundene Anpassung an neue wissenschaftliche Erkenntnisse durch das Zweite Pflegestärkungsgesetz. Damit sollen auch die Beteiligungs- und Informationsrechte der PKV erweitert werden, sodass wir unsere Versicherten künftig noch besser beraten können.

VWheute: Wie nutzt die PKV die Zeit des politischen “Waffenstillstandes”? Wo können aus eigener Kraft Verbesserungen erreicht werden, und wie kann die PKV ihre Position im Systemwettbewerb mit der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stärken, zumal auch die GKV im kommenden Jahr kaum ohne Beitragserhöhungen auskommen dürfte?

Roland Weber: Wir arbeiten kontinuierlich daran, uns im Interesse unserer Versicherten weiterzuentwickeln. Wir greifen Kritik auf, wo sie berechtigt ist, und erarbeiten Lösungen. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Tarifwechselleitfaden. Er ist die Antwort auf die Kritik, dass es Versicherten schwer gemacht würde, in für sie günstigere Tarife ihres Versicherers zu wechseln. Mit der Umsetzung dieses Leitfadens im kommenden Jahr erhalten die Versicherten größtmögliche Objektivität und Transparenz über die Wechselmöglichkeiten.

Bei der Entwicklung einer modernen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) sind wir gemeinsam mit der Bundesärztekammer auf einem guten Weg. Die GOÄ soll die sprechende Medizin stärker unterstützen, stets auf dem aktuellen Stand des medizinischen Fortschritts sein und die Ärzte so honorieren, dass sie ihre Patienten nach bestem Wissen und Gewissen behandeln können – ohne bürokratische Vorgaben und einengende Budgets.

Im dualen System zeichnet sich die PKV durch hochwertige Leistungen aus, die teils deutlich über die gesetzlich normierte Regelversorgung der GKV hinausgehen – und das ein Leben lang. Der Systemwettbewerb zwischen GKV und PKV stärkt die medizinische Versorgung und erschwert gleichzeitig Rationierungen in der GKV. Für die steigenden Kosten angesichts des medizinischen Fortschritts und unserer alternden Gesellschaft sorgt indes nur die PKV finanziell vor. Mit ihren Alterungsrückstellungen steht sie für Generationengerechtigkeit

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Manfred Brüss am Rande der Euroforum-Tagung “PKV aktuell”.

Bild: Debeka-Vorstand Roland Weber (Quelle: Manfred Brüss)

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