Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

“No surprises, no alarm” – viel Stress um nichts?

27.01.2016 – bernardino_dgMan sei so schlau wie vorher – jedoch hat man dieses Wissen nun mit Zahlen unterlegt, lautet das Fazit des Eiopa-Chefs Gabriel Bernardino zum ersten europaweiten Stresstest für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) 2015. Bei fallende Aktienkursen, niedrigen Zinsen und einer sinkenden Inflation fehlen dem europäischen EbAV-Sektor 755 Mrd. Euro an Rückstellungen, bei steigender Inflation gar 773 Mrd. Euro. Ein Stressszenario, welches für Bernardino “nicht weit von der Realität entfernt ist.”

Bereits bei den bisherigen Zinsen und Vermögenswerten fehlen nach Einschätzung der Eiopa 428 Mrd. Euro. Dennoch ist Gabriel Bernardino, Vorsitzender der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa, von den Ergebnissen wenig überrascht. “Es ist noch viel zu früh, um Schlussfolgerungen über die Anfälligkeit der Pensionsfonds zu ziehen. Das Verhalten der Arbeitgeber, die zusätzliche Zahlungen erbringen müssen, um Leistungen aufrecht zu erhalten, muss näher untersucht werden.” Ferner seien die Verpflichtungen sehr langfristiger Natur und die Pensionssysteme einzelner Staaten sehr unterschiedlich aufgebaut. Die Kritik des Aba-Vorsitzenden Georg Thurnes gegenüber VWheute, wonach der Stresstest “nur wenig verwendbare Ergebnisse” bringen würde, hat sich insofern bewahrheitet.

Ziel des Tests war es, die Widerstandsfähigkeit des europäischen EbAV-Sektors gegen mögliche Schocks am Kapitalmarkt und gegen eine steigende Lebenserwartung der Leistungsbezieher zu testen. “Wenn wir das derzeitige Marktumfeld anschauen, ist das nicht weit von der Realität entfernt”, kommentiert Bernardino die ausgewählten Stresskriterien. In den 17 untersuchten Ländern leiden in der Niedrigzinsphase besonders die garantierten Pensionszusagen (“Defined Benifit Schemes”) unter einer dramatischen Unterdeckung. Gegen eine steigende Lebensdauer der Leistungsbezieher ist der EbAV-Sektor besser gerüstet als gegen eine negative Kapitalmarktentwicklung, sowohl auf Grundlage der jeweiligen nationalen Rechnungslegungs- und Aufsichtsstandards als auch auf Basis einheitlicher europäischer Rechnungslegungsstandards (“Common Methodology Assessment”).

Bei der Frage, ob es Länder gebe, die dringend an ihrer Situation etwas verbessern müssten, hält er sich zurück: “Wir wollen keine Empfehlungen abgeben. Der Test liefert nur einen Überblick über das Big Picture. Anhand der Zahlen kann allerdings jede nationale Aufsichtsbehörde ihre Schlüsse ziehen und handeln.” In der Tat unterscheide sich der Einfluss der Schocks von Land zu Land, dies sei jedoch auf das unterschiedliche Pensionssystem zurückzuführen, gibt Bernardino zu verstehen.

Die Anzahl beteiligter deutscher baV-Einrichtungen wird von Eiopa zurückgehalten, weil daraus leicht die Identität hergeleitet werden kann. Aus den Testergebnissen geht hervor, dass nach dem Stressszenario in den Kassen der deutschen betrieblichen Alterssicherung 33 Mrd. Euro fehlen. Den nächsten Pensions-Stresstest plant Eiopa im Jahr 2017 durchzuführen. (dg)

Bild: Gabriel Bernardino bei der Vorstellung der Ergebnisse des ersten europaweiten Betriebsrente-Stresstests in Frankfurt. (Quelle: dg)

Autor:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten