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Neues Unwort: Ab 2030 droht die Rente mit 69

26.02.2015 – bert-ruerup-150Politiker lassen sich nicht leicht aus der Reserve locken. Da mochte Professor Bert Rürup auf dem MCC-Kongress zur Altersvorsorge auch wiederholt die Frage stellen, ob der Baby-Boomer-Generation der 60er-Jahre nicht nach 2030 die Rente mit 69 drohe. Dieses Unwort wollte kein Politiker in der Diskussionsrunde in den Mund nehmen, aber eine weitere Verlängerung der Arbeitszeit über das 67. Lebensjahr hinaus, wäre eine Option.

Rürup sagte auf dem gestern in Berlin zu Ende gegangenen zweitägigen Kongress, bislang gingen die Projektionen über die Folgen der demografischen Entwicklung leider nur bis zum Jahr 2030. Das geburtenstärkste Jahr war 1964 als knapp 1,36 Millionen Kinder in Deutschland geboren wurden. Dieser Jahrgang wird im Jahr 2030 dann 66 Jahre alt sein. Seite Jahren liegt die Geburtenrate mit etwa 700.000 Kindern deutlich unter der Zahl der Sterbefälle.

Zudem warnte er davor, für die Zukunft auf die „Wunderkarte Zuwanderung“ zu setzen. Auch bei optimistischsten Annahmen werde das Erwerbspersonenpotenzial deutlich abnehmen. Nach den gesetzlichen Vorgaben sollen die Beiträge zur Rentenversicherung bis zum Jahr 2030 die Marke von 22 Prozent nicht überschreiten und das Rentenniveau nicht unter 43 Prozent absinken.

Für die Zeit nach 2030 könnten nach Einschätzung des CDU-Sozialexperten Peter Weiß die Rentenbeiträge angehoben, die staatlichen Zuschüsse erhöht und „vielleicht eine längere Arbeitszeit“ notwendig werden. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Rosemann sagte, eine Beitragsobergrenze von 22 Prozent sei nicht Gott gegeben, aber man müsse die Gesamtbelastung der Menschen m Auge haben. Man müsse auch das Bewusstsein der Menschen stärken, wie man länger arbeiten könne. Heute sei eine neue Diskussion über eine Verlängerung der Arbeitszeit nicht angebracht. Für den grünen Sozialexperten Markus Kurth ist klar, dass es eine weitere Absenkung des Rentenniveaus nicht geben dürfe. Auch er sieht hier nur den Weg, die individuellen Erwerbsphasen zu verlängern und höhere staatliche Zuschüsse.

DRV-Präsident Axel Reimann betonte, die Bundesregierung müsse möglichst frühzeitig die Weichen für die Zukunft der Altersversorgung in Deutschland stellen. Dabei gehe es zum einen um die Gewichtung der drei Säulen – gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung (bAV) und private Altersvorsorge – zueinander. Zum anderen gehe es für die DRV um verlässliche Rahmenbedingungen. Dies gelte für die gesetzliche Festlegung von Beitrags- und Niveauuntergrenzen sowie die Regeln zu Beitragsanpassung. Reimann sprach sich erneut für eine Anhebung der Untergrenze für die Nachhaltigkeitsreserve aus, die derzeit bei 0,2 Monatsausgaben liegt.

Diese sollte mindestens auf 0,4 Monatsausgaben angehoben werden, da die Finanzströme im Jahresverlauf stärker schwankten Ende 2014 betrug die Nachhaltigkeitsrücklage der Rentenversicherung noch 35,0 Mrd. Euro. Dies entsprach 1,91 Monatsausgaben. Wenn die Marke von 1,5 Monatsausgaben überstiegen wird, ist eine Beitragsabsenkung gesetzlich vorgeschrieben. Der Rentenbetrag ist zu Jahresbeginn auf 18,7 Prozent reduziert worden. Zudem wird 2015 die Rentenreform voll finanzwirksam.

Reimann rechnete damit, dass die Reserven in diesem Jahr um bis zu vier Mrd. Euro und in den folgenden Jahren dann noch schneller abschmelzen werden. 2019 dürfte es dann wieder zu Beitragsanhebungen kommen. Zu den Diskussionen in der Koalition über die Einführung einer Flexi-Rente sagte Reimann zur Option einer Verlängerung der Arbeitszeit über die Regelaltersgrenze hinaus, diese Möglichkeit gebe es ja heute schon. Man müsse die Regelungen aber mehr in die Öffentlichkeit tragen. Je zusätzlichem Monat Arbeit würde ein Rentenaufschlag von 0,5 Prozent erreicht. Und mit den zugleich erworbenen zusätzlichen Anwartschaften könne man im Jahr auf ein Rentenplus von acht Prozent kommen. Für den Durchschnittsverdiener wären dies gut 100 Euro Rente im Monat mehr. (brs)

Bild: Bert Rürup (Quelle: GDV)

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