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Neue Klagewelle in Sachen Asbest – Combined Ratios unter Druck

15.09.2014 – Von einer neuen US-Klagewelle in Sachen Asbest und chemische Verseuchung (APH) berichtet der londoner Run-off-Spezialist Ruxley Ventures in einer soeben erschienen 20-seitigen Broschüre „Attorneys hunt for new Claimants“. Entgegen früher gehegten Erwartungen stelle sich immer noch kein Ende der Zahlungen für APH ein. Vielmehr koste diese nach wie vor unzureichend reservierte Altlast US-Versicherer zwei Prozentpunkte an laufender Combined Ratio, einige Versicherer brächten es gar auf fünf bis sechs Prozentpunkte.

In der Anlage des Ruxley-Berichts findet sich eine Tabelle, die für Munich Re America in fünfjährigen Durchschnitt einen 4,8-prozentigen Combined Ratio Effekt „drag“ zeigt. Fairfax liegt dort auf Rang zwei mit 3,6 Prozent, Allianz of America (Fireman’s Fund) mit 3,1 Prozent auf Rang drei.

Insgesamt müsse nun statt mit 75 mit 85 Mrd. US-Dollar an Gesamtzahlungen für Asbest-Fälle gerechnet werden. In New York habe ein Richter fünf Klägern 190 Mio. Dollar zugesprochen, in New Jersey ein anderer 90 Mio. Dollar auf elf Kläger aufgeteilt. Die Reservierungspraxis der Assekuranz trage dieser neuen Erkenntnis jedoch noch nicht Rechnung. Im Schnitt werde auf Basis einer Survival Ratio (Gesamtreserven dividiert durch jährliche Auszahlungen) von zehn Jahren reserviert, AM Best halte nun aber einen Faktor 17 für angebracht. Immerhin lägen europäische Versicherer hinsichtlich ihrer US-Übernahmen bei einem durchschnittlichen Faktor von 22.

Die stets aufs Neue findige US-Anwaltschaft habe überdies derzeit Tabak-Kläger im Visier. Es gehe darum, in ca. fünf Prozent der auf Tabak zurückzuführenden Schadenfälle eine zusätzliche Asbest-Kausalität zu beweisen, sozusagen Asbest-Haftpflichtversicherer nebenher auch noch mit eigentlichen Tabaksklagen zu überziehen. Sollte dies gelingen, so kämen gemäß AM Best jährlich 5.000 Schadenfälle hinzu. Daneben seien US-Anwälte – die zunehmend wieder in ihre Werbung investierten – auch darauf verfallen, die Familienmitglieder einstiger Asbest-Arbeiter als Kollateralgeschädigte zu betrachten. Der Manville Trust habe so 2.000 zusätzliche Opfer erhalten.

Was Pollution angeht, fänden sich immer neue verseuchte Grundstücke (superfund sites) und die behördlichen Auflagen, was die verlangte Ausbagger-Tiefe betrifft, würden immer strenger.

John Winter, CEO von Ruxley, präsentierte nun die 6. Auflage seiner Serie RuxleyResearch. Ruxley geht davon aus, angesichts der per 1.1.2016 anstehenden Implementierung von Solvency II sei es nun für europäische Erstversicherer höchst Zeit, sich von ihren Solva-Mittel bindenden Altlasten zu befreien. Allerdings erweise es sich gleichzeitig als immer schwieriger, zu einer verlässlichen Schätzung der noch zu erwarteten Gesamtkosten unter einem Portefeuille zu gelangen. Und jüngst habe Swiss Re eine 22-prozentige Verschlechterung der Combined Ratio im Casualty Geschäft zugegeben, der wohl auch APH-Verschlechterungen zugrunde lägen. Denkbar sei auch ein Szenarium, dass es US-Anwälten plötzlich gelingen könnte, dank verbessertem Marketing oder neuen gerichtlich akzeptierten Doktrinen gänzlich neue Klagelawinen loszutreten.

Die endgültige Abwicklung könne noch weitere 30 Jahre dauern. Derartige Altlasten-Portefeuilles bänden überdies auch Management-Kapazitäten, erforderten permanente aktuarielle Überwachung sowie die Beibehaltung eines entsprechenden administrativen, häufig auf alt-EDV-Programme gestützten Apparats.

Man kann sich wohl fragen, ob Warren Buffett mit dem Erwerb von Equitas, dem von Asbest durchseuchten Reserveablösungsvehikel 1993 von Lloyd’s übernommenen Exposures, noch allzu viel Freude haben mag. (cpt)

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