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Meag: “Investitionsbank drängt Versicherer vom Markt”

22.12.2016 – Bruecke FotoliaDer Europäische Fonds für strategische Investitionen (EFSI) soll Investoren das Hauptausfallrisiko, doch investiert in Projekte, die bereits stark nachgefragt sind. “Einige der Infrastruktur-Finanzierungen der Europäischen Investitionsbank flossen in Projekte, für die es bereits eine Menge Interesse von privaten Investoren gab”, sagt Holger Kerzel, Chef für Equity Portfolio Management bei der Munich-Re-Tochter Meag. Damit dränge die Investitionsbank Anleger aus dem Markt, indem er deren Finanzierungskonditionen noch unterbietet.

Das Prestigeprojekt des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker wurde erst kürzlich ausgeweitet. Durch Bereitstellen von Garantien in Höhe von insgesamt 21 Mrd. Euro für Unternehmens- und Infrastrukturprojekte, davon 16 Mrd. Euro aus dem EU-Haushalt und fünf Mrd. Euro von der Europäischen Investitionsbank (EIB), soll der EFSI (Juncker-Fonds) im ersten Abschnitt von drei Jahren zusätzliche Investitionen von mindestens 315 Mrd. Euro ankurbeln. In der zweiten Stufe bis 2020 sollen insgesamt bis zu 500 Mrd. Euro in die europäische Realwirtschaft und öffentliche Investionen gepumpt werden.

Die günstigen EIB-Kredite finden viele Abnehmer. Deutschland profitiert unter den 28 EU-Mitgliedsaaten beim Stand von November 2016 mit 18 genehmigten EFSI-Projekten mit Investitionen von über zwei Mrd. Euro nach Italien, Frankreich, Großbritannien und Spanien an fünfter Stelle. Doch unter den europaweit 300 genehmigten EFSI-Projekten finden sich viele, die auch ohne zusätzliches EU-Geld zustande gekommen wären, darunter der Ausbau der Autobahn A6 in Deutschland. In diesem Fall entstehen keine zusätzlichen Arbeitsplätze und Investitionen, was eigentlich das Ziel des EFSI ist.

Die Projekte sind nicht so riskant, dass sie ohne den Juncker-Fonds keine Chance auf Realisierung gehabt hätten. EFSI bewirkt sogar das Gegenteil: “Die EIB hat private Investoren herausgedrängt, statt sie zu unterstützen”, erklärt Holger Kerzel von der Meag im Interview mit Bloomberg. Meag, die 268 Mrd. Euro für den weltgrößten Rückversicherer verwaltet, will acht Mrd. Euro in Infrastruktur investieren, darunter erneuerbare Energien. Bislang jedoch liegt die Summe erst bei 2,5 Mrd. Euro.

Vor dem Hintergrund der Autobahnprivatisierung wurde Kritik geäußert, dass private Infrastruktur-Finanzierungen auf dem Rücken der Steuerzahler oder der Nutzer und Mautzahler ausgetragen würden. Sven-Christian Kindler von den Grünen sprach von einem Milliardengeschenk für Banken und Versicherer. Deswegen sei es vernünftig, dass die EIB um Projekt-Finanzierungen konkurriere, sagt Clemens Fuest, Chef des Ifo-Instituts in München.

Laut Thomas Mann, Mitglied der Geschäftsführung von Talanx Asset Management GmbH, sollte es eine klarere Trennlinie geben zwischen den Investments, die die EIB tätige, und jenen, die private Investoren im Blick hätten. Talanx-Chef Herbert Haas wundert sich ohnehin, warum der Staat privaten Investoren eine hohe Rendite bieten will, wenn er diese Projekte doch zinslos über den Kapitalmarkt finanzieren kann. (vwh/dg)

Bildquelle: Fotolia

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