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Anschwellende Kritik am LVRG

25.06.2014 – Nach dem erwarteten Durchwinken des Lebensversicherungs-Reformgesetztes (LVRG) gestern im Deutschen Bundestag mehren sich die Stimmen hinsichtlich der Wirkungen im Markt. Gewinner und Verlierer werden identifiziert. So befürchtet etwa Frank Hammer, Experte für Vertriebs- und Kundenmanagement beim Beratungsunternehmen Q-Perior, eine Finanzierungslücke von bis zu 40 Prozent für den Vertrieb.

“Die Versicherer müssen künftig deutlich stärker als bisher in Vorleistung treten, um das aktuelle Vergütungsniveau im Vertrieb zu halten. Nach den neuen Regeln dürfen die Versicherungsunternehmen nur noch 2,5 statt vier Prozent der Abschlusskosten für eine Lebensversicherung bilanziell geltend machen, um Verbraucher während der ersten Beitragsjahre vor zu niedrigen Rückkaufwerten zu schützen. Das wirkt sich jedoch nachteilig auf Gesellschaften aus, denen der finanzielle Spielraum für zusätzliche Vertriebsaufwände fehlt und die vermutlich gezwungen sind, bei den Provisionen zu sparen”, so der Experte.

Damit keine falschen Erwartungen auf Kundenseite entstehen, dürften viele Versicherungen jetzt damit beginnen, Vertriebs- und Vergütungsstrukturen auf den Prüfstand zu stellen. Insbesondere alternative Bezahlmodelle wie laufende Provisionen im Ausschließlichkeitsvertrieb oder Konzepte zu Honorarberatungen rücken dabei in den Fokus. “Das LVRG betrifft den gesamten Vertriebsapparat der Gesellschaften. Provisionskürzungen sorgen beispielsweise bei Maklerpools und strukturierten Vertrieben für Finanzierungsengpässe bei unterstützenden Prozessen etwa durch Spezialisten, Führungskräfte oder Marketing. Wegen der üblichen Querfinanzierungen gilt das auch über die Sparte Leben hinaus”, sagt Frank Hammer.

Insgesamt rechnet der Experte damit, dass die seit längerem zu beobachtende Anbieterkonzentration im Versicherungsmarkt noch weiter zunimmt. Sinkende Provisionen verstärken voraussichtlich Abwanderungen von Vermittlern zu zahlungskräftigen Gesellschaften. Dadurch nimmt die Angebotsvielfalt ab. Bei Lebensversicherungen droht darüber hinaus bereits zu Beginn des Jahres 2015 weiteres Ungemach. Dann sinkt der Garantiezins um 0,5 Prozentpunkte auf nur noch 1,25 Prozent. Niedrige Rendite und sinkende Attraktivität sowie steigende Vertriebskosten veranlassen womöglich nicht wenige Gesellschaften dazu, das Neugeschäft bei Lebensversicherungen endgültig einzustellen (Run-off).

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s hingegen kritisiert die vorgesehene Ausschüttungssperre, von der börsennotierte Versicherer voraussichtlich stärker betroffen seien. Doch auch für Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit könne die Regelung Nachteile bringen, wenn sie Erträge aus der Lebensversicherung nicht mehr uneingeschränkt an eventuell übergeordnete Mütter abführen könnten. Das könne die Kapitalflexibilität innerhalb einer Gruppe beeinträchtigen, so die Einschätzung von S&P.

Nächste Station für das Gesetzesvorhaben ist der Finanzausschuss, bevor es in zweiter und dritter Lesung vom Bundestag verabschiedet und der Länderkammer vorgelegt wird. Davor steht am kommenden Montag noch die Expertenanhörung. VWheute berichtet weiter. (vwh)

Link: LVRG provoziert Finanzierungslücke von 40 Prozent im Vertrieb

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