Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Lebensversicherung: Langlebigkeitsrisiken an den Versicherten weitergeben

17.12.2014 – Rentner_ThinkstockDer Bedarf an Rentenversicherungsprodukten wird sich durch die demografische Entwicklung erhöhen. Innovative Produkte können das Bewusstsein für den Bedarf schaffen. Neue Risiken entstehen auch für Versicherer, die adäquates Risikomanagement erfordern. Die Modellierung und Messung sowie das Management von Langlebigkeitsrisiken werden dabei an Bedeutung gewinnen.

Unter Solvency II wird eine vertiefte Auseinandersetzung mit derartigen Risiken verpflichtend (siehe DOSSIER). Nach der Festlegung der Best-Estimate-Sterblichkeitsannahmen können Unsicherheiten in der zukünftigen Sterblichkeitsentwicklung quantifiziert und somit Erkenntnisse bzgl. des Risikokapitalbedarfs, der Produktgestaltung oder geeigneter Sicherheitsmargen in der Produktkalkulation gewonnen werden.

Die naheliegendste Option ist sicherlich, die Risiken in den eigenen Büchern zu halten und mit ausreichend Risikokapital zu unterlegen. Schließlich stellt die Übernahme biometrischer Risiken das Kerngeschäft eines Lebensversicherers dar.

Rekordlebenserwartung im Zeitverlauf

Je nach Risikostrategie kann es aber auch sinnvoll sein, zumindest Teile der Langlebigkeitsrisiken abzugeben. Neben der klassischen Rückversicherung ist neuerdings auch eine Absicherung der Langlebigkeitsrisiken über kapitalmarktähnliche Transaktionen wie z.B. Longevity Swaps möglich. Im Rahmen eines Longevity Swaps erhält ein Versicherer von der Gegenpartei Zahlungen, die von der tatsächlichen Sterblichkeitsentwicklung abhängen, und leistet dafür Zahlungen, die bei Vertragsabschluss entsprechend der erwarteten Sterblichkeitsentwicklung fixiert wurden.

In Deutschland hat sich bisher noch kein Markt für Langlebigkeitstransaktionen entwickelt. In Großbritannien wurden dagegen allein mit Hilfe von Longevity Swaps bereits Verpflichtungen von mehr als 50 Milliarden Pfund abgesichert.

Durch Neugeschäft hinzukommende Risiken können durch geeignetes Produktdesign beeinflusst werden. Hier kann der Versicherer Zinsrisiken reduzieren, Selektionseffekte durch individuelles Underwriting verringern oder Langlebigkeitsrisiken direkt an die Kunden auslagern.

Bei so genannten Annuity Pools oder Tontinen wird zu Beginn der Rentenbezugsphase eine Rente auf Basis gewisser Sterblichkeitsannahmen festgelegt. Während der Rentenbezugsphase wird dann regelmäßig die realisierte Sterblichkeit überprüft. Liegt sie über den Annahmen, so wird die Rente erhöht, im umgekehrten Fall wird sie gesenkt.

Von Matthias Börger, Aktuar (DAV) und Senior Consultant beim Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften in Ulm (Ifa), Alexander Kling ist Partner beim Ifa sowie Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heidenheim und Jochen Ruß, Ifa-Geschäftsführer und apl. Prof. für Aktuarwissenschaften an der Universität Ulm sowie Lehrbeauftragter an der LMU München.

Grafik: Rekordlebenserwartung im Zeitverlauf. Die Grafik zeigt Daten seit 1840 und betrachtet in jedem Jahr die Lebenserwartung bei Geburt in dem Land der Erde, das damals gerade die weltweit höchste Lebenserwartung aufwies. (Quelle: Schnabel, von Kistowski, Vaupel)

Bildquelle: Thinkstock

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten