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Kliniken: Je höher der Preis, desto höher die Fallzahl

11.07.2014 – uniklinik-heidelbergZwischen Preis und Menge von Krankenhausleistungen besteht ein Zusammenhang. Das hat ein Forschungsbericht bestätigt, den der GKV-Spitzenverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) in Auftrag gegeben hatten. Ob Fallanstiege jedoch medizinisch indiziert waren oder bloß der finanziellen Aussichten wegen, darüber trifft die Studie indes keine Aussage.

Der PKV sieht die Forschungsergebnisse als diskussionswürdige Anregung. Der GKV-Spitzenverband greift einen Vorschlag aus dem Gutachten auf und fordert mehr Qualitätssicherung bei den Kliniken, “eine Qualitätssicherung, die auch finanzielle Konsequenzen für die Kliniken hat”.

Wichtige Fragen, wie nach Überkapazitäten würde das Gutachten aussparen. Denn unter Versorgungsaspekten sei in Deutschland nicht jede Klinik tatsächlich notwendig.

Zentrale Ergebnisse der Studie: Während die Zahl der Fälle mit einer Verweildauer von mehr als sechs Tagen zurückgegangen ist, steigen die Fallzahlen mit einer Verweildauer unter sechs Tagen an. Die größte Zunahme konnte mit ca. 27 Prozent bei Fällen mit einer Verweildauer von einem Tag festgestellt werden.

Bei medizinisch eher planbaren Leistungen oder Leistungen aus Bereichen der Medizin mit unklarer Evidenzlage geben unsere Analysen hingegen einen Hinweis darauf, dass z.B. bei der Spondylose eine Veränderung im Aufnahmeverhalten stattgefunden hat und Veränderungen der DRG-Gewichte zu Veränderungen in den damit verbundenen Fallzahlen führten.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht den Leistungszuwachs der Kliniken medizinisch begründet: Trotz intensiver Analysen – der Anhang der Studie beläuft sich auf 16.804 Seiten – gebe es keinen Beweis für die Erbringung nicht notwendiger medizinischer Leistungen aus ökonomischen Gründen. Die demografische Entwicklung sei verantwortlich für die Leistungsentwicklung: “Das Gutachten sollte zum Anlass genommen werden, die Diskussion endgültig zu beenden”, erklärte DKG-Chef Alfred Dänzer.

„Sollten durch die Fallpauschalen finanzielle Anreize entstehen, bestimmte OPs häufiger als nötig durchzuführen, müssen wir gegensteuern”, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, der Ärzte Zeitung. Das könne über eine regelhafte Zweitmeinung oder durch gezielte Preisabschläge für genau diese Operationen geschehen.

Der SPD-Gesundheitsexperte Professor Karl Lauterbach sagte der Welt: „Die Ergebnisse bestätigen, dass manche Operationen häufiger vorgenommen werden, sobald ihre Vergütung lukrativer wird.“ Die Autoren der Studie schlagen vor die Fallpauschalen selektiv anzugleichen, um Anreize für Operationen zu vermindern. (vwh)

Foto: Dass nur nach ökonomischen Gesichtspunkten operiert wird, konnte eine aktuelle Studie nicht beweisen. (Quelle: Uniklinik Heidelberg)

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