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Kinderlosigkeit nimmt zu

08.11.2013 – KinderlosigkeitImmer mehr Paare bleiben in Deutschland – ob gewollt oder ungewollt – kinderlos. So lautet ein wesentliches Ergebnis der Geburtenstatistik und des Mikrozensus 2012, die gestern in Berlin vom Statistischen Bundesamt (Destatis) vorgestellt wurden.

Demnach haben 22 Prozent der Frauen im Alter zwischen 40 und 44 Jahren – ab diesem Alter bringen Frauen kaum noch Kinder zur Welt – kein Kind geboren und bleiben damit lebenslang kinderlos. Wobei diese Quote in den westlichen Bundesländern mit 23 Prozent deutlich über der im Osten mit 15 Prozent liegt. Auch 24 Jahre nach der Wende gibt es hier noch Unterschiede, die sich allerdings mehr und mehr angleichen, wie Destatis-Präsident Roderich Egeler gestern vor der Presse erklärte. Zwar nahm insgesamt die Kinderlosigkeit im Vergleich zum letzten Mikrozensus im Jahr 2008 um zwei Prozent zu, verantwortlich dafür sind aber vor allem die Frauen im Osten, von denen vor vier Jahren nur zehn Prozent ohne Kinder blieben.

Vor allem Akademikerinnen werden in der Regel später als andere Frauen Mütter und bleiben oft kinderlos. Das war schon in früheren Zeiten so. Absoluter Spitzenreiter sind die heute 45- bis 49jährigen Akademikerinnen aus dem Westen der Republik, von denen fast ein Drittel (30 Prozent) ohne Nachwuchs blieb. Aber auch in der Gegenwart ist hier keine erhebliche Besserung zu erwarten. Vor allem Nicht-Akademikerinnen werden hier wohl häufiger als in vergangenen Jahren ohne Kind bleiben. Im Osten war bisher der Unterschied zwischen Frauen mit und ohne akademischen Abschluss weniger stark ausgeprägt. Das ändert sich gerade: Bestimmt wird hier der Trend zur Kinderlosigkeit vor allem von den Nicht-Akademikerinnen.

Frauen sind heute in Deutschland durchschnittlich 29 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind bekommen – im Osten ein Jahr früher. Damit hat sich das Alter bei der ersten Geburt im wesentlichen angeglichen. Noch im Jahr 1989 waren Erstgebärende in der DDR im Schnitt 23 Jahre alt. Doch das Problem der späten Familiengründung hat noch eine weitere Seite: Frauen, die mehrere Kinder zur Welt bringen, sind bei ihrer ersten Geburt meist sehr jung. Oder anders: Bei spät gebärenden Frauen bleibt es häufig bei dem einen Kind. Mütter von Einzelkindern sind bei der Geburt durchschnittlich 30 Jahre alt, die Mütter von zwei Kinder waren beim ersten Kind 28, die von drei und mehreren Kindern 25 Jahre alt (bezogen auf Mütter, die zum Zeitpunkt der Befragung 35 bis 44 Jahre alt waren). Je später Mütter ihr erstes Kind bekommen, desto wahrscheinlicher wird es, dass es bei diesem einen bleibt. Und selbst wenn mehrere Kinder zur Welt gebracht werden, lassen sich die Mütter damit Zeit. Wenn Frauen drei Kinder bekommen, dann liegen zwischen dem ersten und dem dritten Kind im Schnitt über sieben Jahre.

Dass Frauen heute ihre Kinder etwa fünf Jahre später bekommen als ihre Mütter, wäre weniger dramatisch, wenn sie dennoch die gleiche Kinderanzahl zur Welt brächten. Das aber findet nicht statt: Der Aufschub der Geburten auf ein höheres Lebensalter führt dazu, dass die Kinderzahlen weiter sinken. Frauen, die 2012 49 Jahre alt waren, haben laut Statistik knapp 1,6 Kinder zur Welt gebracht – Tendenz sinkend.

Wenn Mütter Kinder bekommen, dann sind es statistisch gesehen zwei. Die heute 45- bis 49-Jährigen, deren Familienplanung als abgeschlossen gelten kann, haben zu 31 Prozent nur ein Kind, zu 48 Prozent zwei, zu 15 Prozent drei und zu sechs Prozent vier und mehr Kinder geboren. Im Westen sind 23 Prozent kinderreich (drei und mehr Kinder), im Osten nur 14 Prozent. Die statistische Kinderzahl von 1,6 Prozent kommt dadurch zustande, dass rund 20 Prozent der Frauen gar keine Kinder bekommen haben.

Einfluss auf die Geburtenzahl hat natürlich die Erwerbstätigkeit der Eltern. Nur knapp zwei Drittel (60 Prozent) der Frauen mit minderjährigen Kindern gingen 2012 einer Arbeit nach, Männer dagegen zu 84 Prozent. Je älter die Kinder werden, desto mehr Frauen kehren zur Arbeit zurück. Immerhin waren 2012 32 Prozent der Frauen mit einem Krippenkind (bis drei Jahre) arbeiten und 62 Prozent mit einem Kindergartenkind (drei bis fünf Jahre). Danach steigen die Zahlen weiter an. Vielfach wird bei Paaren vor allem mit Kindern unter drei Jahren das traditionelle Rollenbild gelebt, das heißt der Vater ist Alleinverdiener (53 Prozent). Bei 29 Prozent gingen beide Eltern arbeiten. Auch hier gibt es noch erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West: Während in den „alten“ Ländern der Anteil der männlichen Alleinversorger bei 56 Prozent lag, betraf das in den „neuen“ Ländern nur 42 Prozent de Familien. (epo)

Foto: Meist bliebt es bei einem Kind, dabei hätte er gerne Geschwister. (Quelle: ak)

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